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Museen in München:Angst vor der Axt

Kunst wird mit Glacéhandschuhen angefasst in den Museen Münchens.

Kunst wird mit Glacéhandschuhen angefasst in den Museen Münchens. Das kann jeder sehen, der schon einmal einem Ausstellungsaufbau beigewohnt hat, wie etwa hier beim Einrichten der Van-Dyck-Schau in der Alten Pinakothek. Doch was, wenn etwa Räuber drohen, Hand anzulegen?

(Foto: Haydar Koyupinar)

Nicht erst seit dem spektakulären Juwelenraub in Dresden beschäftigt München die Frage, wie sicher die Kunst in der Stadt verwahrt wird. Nun aber hat das Thema eine besondere Brisanz.

Einen Monat ist es her, dass Diebe in das Grüne Gewölbe im Westteil des Dresdner Residenzschlosses eingedrungen sind, um mit Axthieben Vitrinen zu zerschlagen und aus dem Schatz der sächsischen Kunstsammlungen Juwelen von unschätzbarem Wert zu rauben. Wie vielerorts hob anschließend auch in München die politische Diskussion an, wie gut die Sammlungen von Stadt und Freistaat gesichert sind.

Die Bayernpartei stellte dazu als erste eine Anfrage im Münchner Stadtrat: "Sind sie sicher?", hieß es da - "die weltweit größte Sammlung zur Kunst des ,Blauen Reiters' im Lenbachhaus, die Werke des Malerfürsten Franz von Stuck in der gleichnamigen Villa oder verschiedene Sammlungen von historischem Wert im Münchner Stadtmuseum?" Die Partei wollte wissen, ob die Sicherheitsvorkehrungen auf dem modernsten Stand sind. Gerade im Münchner Stadtmuseum, "das zwischenzeitlich in die Jahre gekommen ist". Das Kulturreferat reichte die Fragen an die Museumsdirektoren weiter.

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Einen Überblick wird es erst nach der Weihnachtspause geben. Aber der Leiter des bedeutendsten der städtischen Museen, Matthias Mühling, hat bereits geantwortet: "Das Lenbachhaus verfügt über ein mit unserer Versicherung abgestimmtes mehrstufiges Sicherheitskonzept. Selbstverständlich werden wir dieses vor dem Hintergrund des Kunstraubes in Dresden nochmals kritisch überprüfen. Ein unmittelbarer Handlungsbedarf ist, jedenfalls nach den bisherigen Erkenntnissen des Ablaufs des Kunstraubs von Dresden, für das Lenbachhaus aber nicht erkennbar." Zudem bittet er um Verständnis, "dass wir darüber hinaus keine Angaben zur Sicherung unserer Gebäude und der Kunstgegenstände machen können".

Ganz ähnlich klingt, was Bernhard Maaz sagt, der Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. Er trägt eine noch höhere Verantwortung als Matthias Mühling. Maaz untersteht der wesentliche Teil des gesamten Gemälde- und Kunstbesitzes des Freistaates Bayern, der in den berühmtesten Münchener Museen untergebracht ist: Alte Pinakothek, Neue Pinakothek, die Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne, die Sammlung Schack. Hinzukommen zwölf Staatsgalerien, die in ganz Bayern verteilt sind - von Aschaffenburg über Bayreuth und Würzburg bis nach Tegernsee. "Über Sicherheitsbelange werden wir niemals viel kommunizieren", sagt Bernhard Maaz, "da Sicherheitsmaßnahmen dadurch ja unwirksam würden".

Das Thema beschäftigte den Generaldirektor schon vor dem spektakulären Raubzug in Dresden. Bereits im Frühsommer gab es im Landtag eine Anfrage zur Sicherheitslage der Kunstsammlungen. Dabei stritten sich nicht nur CSU und Grüne darüber, ob es sinnvoll oder zu teuer sei, Leihgaben an die Bayerischen Museen teuer und privat zu versichern - eine Staatshaftung sei angesichts der wenigen Schäden und Diebstähle sehr viel ökonomischer, meine Sanne Kurz, die kulturpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion. Es hatte auch Hinweise aus der Belegschaft der Münchner Pinakotheken gegeben, dass Sicherheitsbestimmungen nicht eingehalten würden.

Im Oktober war das Sicherheitskonzept der Pinakotheken deshalb noch einmal gemeinsam mit dem Landeskriminalamt überprüft worden. Ruhe eingekehrt ist für Bernhard Maaz danach trotzdem nicht. Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel zitierte nach dem Raub in Dresden zwei Pinakotheksaufsichten, die ihre Vorwürfe wegen vermeintlicher Nachlässigkeiten wiederholten, besonders was die Zugänge zu den Depots anbelangt. "Keiner kennt den genauen Bestand der Kunstwerke", wird einer der Kritiker in dem Text zitiert, und in München könne man "in die Depots reinlaufen und wieder rauslaufen mit Gott weiß was unter dem Kittel". Bei einem der Mitarbeiter handelt es sich nach SZ-Informationen um einen Mann, der von der Staatsgemäldesammlung bereits vor längerer Zeit gekündigt worden ist. Diese macht dazu keinerlei Angaben.

Eine politische Dimension erhält die Causa, weil sie sich der Vorsitzende des Ausschusses für Wissenschaft und Kunst, Robert Brannekämper, zu eigen gemacht hat. Der SZ sagte er: "Ich bin tätig geworden, da ich das Gefühl hatte, dass die Hinweise der Mitarbeiter von der Generaldirektion nicht angemessen ernst genommen worden sind. Das hat mich alarmiert." Auf die Frage, ob er die Lage persönlich in Augenschein genommen hat, antwortete er: "Nein, ich habe aber mit Mitarbeitern und ehemaligen Mitarbeitern der staatlichen Sammlungen zahlreiche Gespräche geführt."

Bernhard Maaz äußert sich nicht direkt zu den Vorwürfen, betont aber: "Man muss ganz klar zwischen Sicherheitsfragen und Ordnung im Depot unterscheiden. Letzteres betrifft die Standortverwaltung der uns anvertrauten Werke. Ersteres ist hochkomplex und erstreckt sich auf Werke, Bauten, Menschen und wird immer gemeinsam mit Bauamt, Landeskriminalamt und anderen Partnern erörtert."

Fragt man wiederum beim Landeskriminalamt, wie es sich in den vergangenen fünf Jahren verhalten habe mit der Anzahl von Kunstdiebstählen aus den Depots - etwa durch Mitarbeiter, gibt es eine klare Antwort: "Derartige Fälle sind hier nicht bekannt." Was eine andere Frage aufwirft: Wer hat warum ein Interesse daran, das Sicherheitskonzept der Münchner Häuser auf diese Weise infrage zu stellen?

© SZ vom 24.12.2019/fema
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