bedeckt München 32°

Kunst:Münchens Museen sind wieder offen - und zeigen viel Neues

Ausstellungsansicht
Anish Kapoor, HOWL, 2020.

Bald hat der sehnsuchtsvolle Blick von außen ein Ende: Von Freitag an kann man auch wieder unter Anish Kapoors monumentalem Werk "Howl" in der Rotunde der Pinakothek der Moderne stehen.

(Foto: Haydar Koyupinar/Anish Kapoor, DACS/VG Bild-Kunst, Bonn 2020)

Besucher dürfen mit Zeittickets in die Ausstellungen. Dabei gibt es viel zu sehen, etwa eine neue Ausstellung mit Gerhard-Richter-Zeichnungen. Ein Überblick.

Von Evelyn Vogel

Beinahe könnte man den in die Rotunde der Pinakothek der Moderne gequetschten Ballon von Anish Kapoors monumentaler Arbeit "Howl" als Sinnbild lesen für die Kunst und die Künstler, die seit mehr als einem Jahr von den Coronamaßnahmen drohen, erdrückt zu werden. So bedrängend herausfordernd wie dieses Werk, war an dieser Stelle noch keines zuvor. So vergleichsweise wenig davon profitieren, konnten die Besucher bislang auch nicht. Doch das ändert sich gerade.

Denn endlich dürfen die Museen in München mit Hilfe von Zeittickets (viele über München Ticket) wieder Besucher einlassen. Mit am meisten freut dies die Graphische Sammlung in der Pinakothek der Moderne. Das Vier-Sparten-Haus öffnet wie die Alte Pinakothek zwar erst wieder am Freitag, dann aber unter anderem mit der neuen Ausstellung von Gerhard Richter "54 Zeichnungen - 3 graue Spiegel - 1 Kugel". Darüber hinaus wurden sowohl bei der Modernen Kunst, im Design- wie im Architekturmuseum in der Pinakothek der Moderne zahlreiche Ausstellungen verlängert, die schon lange aufgebaut sind, aber bisher kaum zu sehen waren.

Groß ist die Freude auch in der privaten Kunsthalle München. Denn dort steht die Eröffnung der Werkschau "Unheimlich schön" des niederländischen Fotografen Erwin Olaf an. Die Schau läuft eigentlich von diesem Freitag an, aber die Kunsthalle hat sich entschlossen, den Donnerstag zum Vernissage-Tag zu erklären. Auch dafür benötigt man ein Zeitfensterticket, das über die Website der Kunsthalle gebucht werden kann.

Erneut mit am schnellsten waren die städtischen Museen, die schon länger über eigene Online-Ticketingsysteme verfügen und am Dienstag wieder starteten. Das Lenbachhaus zeigt unter anderem die Werke von Michaela Eichwald sowie die Ausstellung "Gruppendynamik. Der Blaue Reiter" und hat die Öffnungszeiten ausgeweitet: Dienstag, Mittwoch und Sonntag ist nun von 10 Uhr bis 18 Uhr, Donnerstag bis Samstag sogar von 10 Uhr bis 20 Uhr geöffnet.

Im Stadtmuseum ist die Sonderausstellungen "MUC / Schmuck. Perspektiven auf eine Münchner Privatsammlung" sowie die Dauerausstellung "Typisch München!" offen. Das Jüdisches Museum zeigt "Im Labyrinth der Zeiten — Mit Mordechai W. Bernstein durch 1700 Jahre deutsch-jüdische Geschichte" und wartet zudem mit der neuen Studioausstellung über das Spitzenhaus Rosa Klauber auf. Im NS-Dokumentationszentrum läuft noch die Ausstellung zu Heimrad Bäcker.

In der Villa Stuck ist die bereits virtuell eröffnete Ausstellung "Bis ans Ende der Welt und über den Rand - Mit Adolf Wölfli" nun auch analog zugänglich. Darüber hinaus wird die Sammlungspräsentation "Collecting Histories" gezeigt. Die Eröffnung der Ausstellung von Lee Mingwei verschiebt sich auf den 26. Mai. Im Valentin-Karlstadt-Musäum wird von diesem Donnerstag an Hank Schmidt in der Beeks "Enzyklopädie der großen Geister" gezeigt.

Auch das Haus der Kunst kann mit etwas Neuem aufwarten: der Euward-8-Ausstellung mit Arbeiten von Felix Brenner, Andreas Maus und Kar Hang Mui. Darüber hinaus sind noch die Werke von Kapwani Kiwanga, Phyllida Barlow und Cyrill Lachauer zu sehen. Das Online-Ticketing läuft hier über Xing. Das Bayerische Nationalmuseum hat die Sonderschau "Kunst & Kapitalverbrechen. Veit Stoß, Tilman Riemenschneider und der Münnerstädter Altar" verlängert und zeigt auch noch "Silberkopf. Die Büste des heiligen Zeno aus Isen".

Auch das Café im Innenhof der Glyptothek öffnet wieder

Im Museum Fünf Kontinente gibt es ebenfalls etwas Neues zu sehen: "Seladon im Augenmerk. Jadegleiche Porzellane und ihre Meister*innen in Longquan, China". Im Literaturhaus ist die Ausstellung "Zeitlang" wieder zugänglich, hierfür muss man sich aber telefonisch anmelden unter 089/29193427. Das Deutsche Museum ist mit allen seinen Zweigmuseen wieder geöffnet. Ebenso die Staatliche Münzsammlung und das Kunstfoyer der Versicherungskammer, das noch die Fotografien von Sebastião Salgado aus der Exodus-Serie zeigt.

Im Kunstareal sind über die bereits genannten Häuser hinaus das Museum für Abgüsse Klassischer Bildwerke und das Museum Mineralogia wieder offen. In den Antikensammlungen ist noch die Ausstellung "Hund, Katze, Maus" und im Museum Ägyptischer Kunst "Ugo Dossi - Zeichen und Wunder" zu sehen. Das Museum Brandhorst, das wie die Pinakotheken auch erst am Freitag öffnet, zeigt weiterhin die Arbeiten von Lucy McKenzie unter dem Titel "Prime Suspect". Und in der Glyptothek, die seit Dienstag wieder offen hat, ist nicht nur die Sonderausstellung "Bertel Thorvaldsen und Ludwig I. - Der dänische Bildhauer im bayerischen Auftrag" zu sehen, hier gibt es auch noch eine gute Nachricht für alle Freunde des beliebten Cafés im Innenhof: Dieses ist nach vollendeter Sanierung der Glyptothek von Freitag, 14. Mai, 12 Uhr endlich auch wieder geöffnet. Also beste Voraussetzungen für den Internationalen Museumstag, der am kommenden Sonntag stattfindet.

© SZ vom 12.05.2021/wean, van
Zur SZ-Startseite
Ingvild Goetz wurde von einer Galeristin zur Kunstsammlerin.

SZ PlusGeburtstag
:"Weil ich all das getan habe, was ich wollte"

Vom Flüchtlingskind zur internationalen Kunstsammlerin: Ingvild Goetz wird 80 und wartet nur darauf, mit ihren öffentlichen Aktivitäten wieder loslegen zu können. Porträt einer Frau, die für die Kunst brennt - und sich fragt, ob manch ein Politiker schon mal im Museum war.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB