Gefährliche Keime in Münchner Kliniken„Das Krankenhaus ist ein Hotspot für multiresistente Erreger“

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Gut waschen und desininfizieren: Hände-Hygiene ist im Krankenhaus das A und O. So lassen sich viele Infektionen vermeiden. 
Gut waschen und desininfizieren: Hände-Hygiene ist im Krankenhaus das A und O. So lassen sich viele Infektionen vermeiden. 
dpa/Daniel Karmann
  • Das Gesundheitsreferat München registriert eine deutliche Zunahme multiresistenter Erreger mit 406 Fällen im ersten Halbjahr 2025, 61 mehr als im Vergleichszeitraum 2024.
  • Krankenhäuser sind Hotspots für multiresistente Keime, da viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen und medizinische Geräte Übertragungswege darstellen können.
  • Durch sorgfältige Hygienemaßnahmen wie intensive Händehygiene und Flächendesinfektion könnten 30 bis 35 Prozent der Krankenhausinfektionen verhindert werden.
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In München nehmen die Krankheitserreger deutlich zu, bei denen die meisten Antibiotika nicht wirken. Welche Keime die gefährlichsten sind und wie Krankenhäuser sich schützen.

Von Nicole Graner

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Antibiotikaresistente Keime sind auf dem Vormarsch. Also Krankheitserreger, gegen die die meisten Antibiotika unwirksam sind. Laut einer Studie starben 2019 in Deutschland an die 9600  Menschen aufgrund einer Infektion mit einem multiresistenten Erreger (MRE). Wenn bei diesen Menschen das Antibiotikum gewirkt hätte, wären sie noch am Leben. Die Labore müssen bestimmte MRE melden. In München waren es 2025 im ersten Halbjahr 406 Fälle – also 61 Fälle mehr als im gleichen Zeitraum 2024. Diese Zahlen gab das Gesundheitsreferat jüngst im Gesundheitsausschuss bekannt.

Türklinken, Haltegriffe, Lichtschalter, öffentliche Toiletten oder Spülschwämme: Sie sind ein Paradies für Keime. Krankheitserreger lauern überall, natürlich auch im Krankenhaus. Patrick Rämer kennt die Zahlen und ist besorgt. „MRE sind ein echtes Problem und sie werden uns in Zukunft stark beschäftigen“, sagt der 43-Jährige. Er ist Leiter der Stabsstelle für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention der München Klinik.

Der bekannteste Erreger hat einen langen Namen. Das sei der Methicillin resistente Staphylococcus aureus (MRSA), erklärt Rämer. Aber mittlerweile gebe es eine andere Gruppe von multiresistenten Erregern, die noch besorgniserregender sei. Sogenannte multiresistente gramnegative Stäbchen (MRGN), bei denen eine Antibiotika-Therapie an ihre Grenzen stoße. Manche, wie die sogenannten 4MRGN-Bakterien, sind laut Rämer sogar „ganz resistent“ gegen das gewöhnliche Antibiotika-Arsenal im Krankenhaus. „Da hat man dann nicht mehr viele Behandlungsmöglichkeiten.“

Einen Grund für die zunehmende Ausbreitung von multiresistenten Erregern sieht Rämer auch in der unkontrollierten Antibiotika-Gabe. „Bereits bei leichten Erkrankungen werden zu häufig schon Antibiotika verschrieben.“ Er erklärt an einem Beispiel, wie sich dadurch resistente Keime ausbreiten können: „Ein Parkplatz (Körper) ist voll. Durch die Gabe von Antibiotika fahren die meisten Autos (Keime) weg. Kommen nun aber besonders problematische neue Autos (multiresistente Krankenhauskeime) vorbei, finden diese auf dem leeren Parkplatz viel mehr Platz. Der resistente Keim kann sich so leichter im Körper festsetzen, ausbreiten und vermehren. Ohne vorherige Antibiotika-Gabe wäre der Parkplatz voll gewesen und die Problemkeime hätten sich erst gar nicht festsetzen können.“

Das Robert-Koch-Institut (RKI) spricht zudem vom „Selektionsdruck“, der durch den Einsatz von Antibiotika entstehe. Wenn Anti­biotika also ohne eine bestätigte Infektion mit Bakterien zu oft über einen zu langen Zeitraum angewandt werden, begünstigt das laut RKI die Entstehung und Verbreitung von resistenten Erregern.

Candida auris, ein Pilz, der in Japan 2009 zum ersten Mal im Ohr eines Menschen nachgewiesen wurde, hat als multiresistenter Erreger in einer Münchner Klinik 2023  für Relevanz gesorgt. Wie das Gesundheitsreferat in seinem Bericht zum Infektionsgeschehen in München darlegt, gab es einen „komplexen Ausbruch“ mit sieben Infektionen und 49 Besiedelungen. Der Ausbruch endete 2024.

Selten, neu und multiresistent: Der Pilz mit dem Namen Candida auris verbreitete sich 2023 in München.
Selten, neu und multiresistent: Der Pilz mit dem Namen Candida auris verbreitete sich 2023 in München.
Getty Images

Auch wenn dieser Pilz relativ selten vorkäme, sei er wohl besser von Mensch zu Mensch übertragbar und überhaupt gäbe es nicht so viele Antimykotika, also Behandlungsmöglichkeiten für Pilzinfektionen, sagt Rämer. Im Krankenhaus-Setting habe dieser Hefepilz jedenfalls ein leichtes Spiel. Man habe bei diesem Ausbruch viel gelernt, etwa, dass andere Desinfektionsmaßnahmen notwendig seien. 2025 wurden laut Gesundheitsreferat keine weiteren Infektionen gemeldet.

„Das Krankenhaus ist ein Hotspot für multiresistente Erreger“, sagt Chefhygieniker Rämer. Dafür gibt es mehrere Gründe: Hier sind viele Menschen auf wenig Raum, die meisten Patienten liegen in Mehrbettzimmern. Es kommen Patienten aus dem Ausland, die einen resistenten Keim mitbringen, oder es kommen Patienten, die in einem Jahr vielleicht schon mehrmals im Krankenhaus behandelt worden sind. Etwa in der Onkologie, auf der Intensiv- oder Dialysestation. Ein Problem könne auch entstehen, wenn Betten oder medizinische Geräte wie Ultraschallgeräte, CT-Plätze oder Verbandswägen nicht gut genug gereinigt würden.

Das Wichtigste sei deshalb die Hygiene im Krankenhaus. „Das ist eine besondere Herausforderung“, sagt Rämer. Gereinigt werde nach dem weltweit verbreiteten Basishygiene-Konzept. Das heißt eine intensive Händehygiene und eine gute Flächendesinfektion. „Die richtige Händehygiene ist dabei das A und O“, sagt Rämer. Dazu kommt in einem weiteren Schritt die sorgfältige Aufbereitung der medizinischen Geräte. 30 bis 35 Prozent der Krankenhausinfektionen könnten durch sorgfältige Hygienemaßnahmen verhindert werden.

Besteht der Verdacht, dass Patienten mit einem multiresistenten Erreger besiedelt sind, oder bei Aufnahmen aus dem Ausland, werden Patienten gescreent, das heißt es werden Abstriche von verschiedenen Bereichen des Körpers gemacht und ins Labor geschickt. Bei einem positiven Befund werden die Patienten isoliert.

Bei einem Ausbruch prüft das Gesundheitsreferat die Hygienemaßnahmen in den Kliniken und unterstützt bei der Ermittlung von Kontaktpersonen des Patienten und Übertragungswegen. „Sehr aufmerksam“ verfolge das Gesundheitsreferat die Entwicklung von multiresistenten Erregern, heißt es im Bericht.

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