Hommage an Manfred Zapatka:Der mehr weiß als er spielt

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Hommage an Manfred Zapatka: Schelmisches Grinsen, fröhliches Granteln: Manfred Zapatka, hier bei der Verleihung der Bayerischen Filmpreise im Januar 2016 im Prinzregententheater.

Schelmisches Grinsen, fröhliches Granteln: Manfred Zapatka, hier bei der Verleihung der Bayerischen Filmpreise im Januar 2016 im Prinzregententheater.

(Foto: G. Chlebarov/imago images/VISTAPRESS)

Wenn man über das Ensemble von Dieter Dorn sprach, meinte man immer auch ihn: Manfred Zapatka prägte jahrzehntelang Kammerspiele und Residenztheater. Nun wird er 80.

Von Egbert Tholl, München

Und dann war er wieder da, als wäre er nie weg gewesen. Er kehrte zurück ans Residenztheater, spielte den Nagg in Becketts "Endspiel", 2018 war das, rosa Frack, schelmisches Grinsen, fröhliches Granteln. Er spielte überbordend den gierigen König John in der fabelhaften Familiensause "Robin Hood", war Shakespeares Antonius und der Prospero im "Sturm" und war noch vieles mehr. Auch bei der allerletzten Premiere unter der Intendanz von Martin Kušej war er mit dabei, im April 2019, in Robert Gerloffs beherzter Adaption von E.T.A. Hoffmanns "Der Sandmann". Danach verkündete Manfred Zapatka seinen Abschied von der Bühne, hielt sich allerdings nicht daran. Im Sommer dieses Jahres spielte er am Deutschen Theater Berlin, in Karin Henkels Thomas-Bernhard-Inszenierung "Auslöschung. Ein Zerfall".

Vermutlich hat jeder, der vor 20, 30 oder 40 Jahren in München ins Theater ging, eine Zapatka-Lieblingsrolle. Den Tasso vielleicht, oder, ganz früh, Clavigo. Oder einen jener kleineren Auftritte, wenn er mal nicht die Hauptrolle spielte, in denen er eben ganz Zapatka-mäßig herausstach aus dem personellen Gefüge, mit dem Klang seiner Stimme, die man sofort erkannte, mit der er dann auch viele, viele Hörspiele veredelte. Wenn man über das Dorn-Ensemble sprach, meinte man damit auch immer ihn, Manfred Zapatka. An die Kammerspiele kam er zunächst als Gast für einige Jahre, 1976 war das. Von 1984 an war er dann fest bei Dieter Dorn.

Hommage an Manfred Zapatka: 2011 kehrte Manfred Zapatka nach München zurück. Martin Kušej holte ihn ins Ensemble des Residenztheaters.

2011 kehrte Manfred Zapatka nach München zurück. Martin Kušej holte ihn ins Ensemble des Residenztheaters.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

15 Jahre später hat Manfred Zapatka München verlassen, er zog nach Berlin, der Familie wegen. Zapatka hat fünf Kinder, von denen vier beruflich gar nicht so weit von dem entfernt sind, was der Papa macht. Immer schon hat Zapatka gedreht, mit dem Umzug nach Berlin wurde das Drehen sein Hauptarbeitsgebiet, er wählte bewusst dieses andere Medium. Arbeit ist dabei der richtige Begriff. "Es ist ein Beruf", das war sein Credo. Also soll man darin gefälligst professionell sein. Von Kunst sprach Zapatka selten. Vielleicht, weil es eh klar ist. Und weil er eben ein Profi ist, konnte er auch Filme drehen, um Geld zu verdienen, "wenn die Frau einen neuen Wintermantel braucht". Bei Manfred Zapatka hatte man immer das Gefühl, er ist auch ein ungeheur freundlicher, warmer Familienpatriarch, der alles aufgeben würde, etwas gänzlich anderes machen könnte, wenn es notwendig wäre, um die Familie und alle deren Mitglieder zu schützen.

Martin Kušej holte ihn dann zurück, ins Ensemble des Residenz-Theaters, seine erste Premiere war 2011, die Hauptrolle in "Die Götter weinen" von Dennis Kelly in einer Inszenierung des tschechischen Theatermachers Dušan David Parízek. Er spielte darin den alten Colm, der ähnlich wie der alte König Lear sein Firmenimperium zwei leitenden Mitarbeitern vermacht, seinen Sohn leer ausgehen lässt und versucht, im Hintergrund noch ein bisschen die Weichen zu stellen. Damals traf man ihn, und es war herrlich zu erleben, wie viele Gedanken er sich machte. Ein fast schon physisches Erlebnis. Der spielt nicht einfach eine Figur, der will mehr wissen. Er konnte damals schimpfen über Banken, grummeln, brodeln, stets eine Explosion zurückhaltend.

Er drehte, was ihm am Herzen lag

Mit dem Kino, mehr noch mit dem Fernsehen wurde er auch Leuten bekannt, die nicht ins Theater gehen. Vor allem drehte er, was ihm am Herzen lag. Monströse Rollen waren dabei. Himmler etwa, den er im 180 Minuten langen Film "Das Himmler-Projekt" von Romuald Karmakar verkörperte, wofür er den Grimme-Preis erhielt. Oder in der Serie "KDD Kriminaldauerdienst" war er ein trockener Alkoholiker, der bei der Polizei ist, Drogengeld klaut, um seiner Tochter und ihrem Baby zu helfen, der rückfällig wird und dennoch völlig loyal bleibt.

Bei Claus Peymann, 1972 in Stuttgart, hatte Zapatka seinen Durchbruch. 50 Jahre Bühnenleben, in denen er weniger tingelte als andere, in denen er immer wieder die Zugehörigkeit zu einem Haus suchte. Er ist treu - auch in der Wahl des Fußballvereins, dessen Fan er ist, Werder Bremen. Dort oben lebt er jetzt wieder, im alten Familienhaus in Cloppenburg. Feiert am Sonntag, 2. Oktober, seinen 80. Geburtstag. Gratulation!

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