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Münchenstift:"Diskriminierung geht in jede Richtung"

Siegfried Benker vor dem "Heilig Geist"  Pflegeheim in München, 2016

Aus der Initiative von Beschäftigten entwickelte Münchenstift-Chef Siegfried Benker die Respekt-Kampagne.

(Foto: Robert Haas)

Der Altenheimträger Münchenstift demonstriert, was sich für kulturelle Vielfalt tun lässt und hat eine Veranstaltungsreihe zum Thema Respekt entwickelt.

Wie kann ein Unternehmen ein Umfeld schaffen, das Diskriminierung gar nicht erst zulässt? Gemeinsam mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hat der städtische Altenheimträger Münchenstift eine Veranstaltungsreihe zum Thema Respekt entwickelt. Unter dem Motto "Rock for Respect" spielen zum Abschluss der Respekt-Kampagne am 20. November Miroslav Nemec mit seiner Band und die Bananafishbones in der Muffathalle.

Die vor fünf Jahren eingeleitete interkulturelle Öffnung der Münchenstift-Häuser habe auch das Unternehmen vom Bewusstsein her verändert, sagt Münchenstift-Chef Siegfried Benker. Ohnehin haben 60 Prozent der Beschäftigten Migrationshintergrund. Viele von ihnen hätten im öffentlichen Raum erlebt, dass sich das gesellschaftliche Klima geändert hat. Aber es gebe auch Bewohner, die äußerten, dass sie von schwarzen Pflegekräften nicht gepflegt werden wollen. Vorbehalten ausgesetzt sehen sich mitunter Frauen, die ein Kopftuch tragen.

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Vor dem Hintergrund des veränderten gesellschaftlichen Klimas kam aus der Belegschaft der Wunsch, dass sich das Unternehmen gegen Diskriminierung positioniert. "Wir haben gemeinsam Ideen entwickelt", erklärt Benker. Daraus entstand die Kampagne "Respekt - diskriminierungsfrei miteinander leben und arbeiten". Benker betont: "Diskriminierung geht in jede Richtung, dabei geht es nicht nur um Deutsche gegen Migranten."

Diskriminierung lässt sich nach den Erfahrungen aus dem Unternehmen aber weder einer bestimmten Nationalität, einer Kultur, einem Geschlecht oder einer sexuellen Identität zuordnen. Diskriminierung tritt meist dort auf, wo Mehrheiten auf Minderheiten treffen. Diskriminierung kann zum Beispiel auch dort vorkommen, wo eine deutsche Pflegekraft in einem Team arbeitet, das sonst nur aus Kollegen besteht, die aus dem ehemaligen Jugoslawien kommen.

Mit Ausstellungen, Theater, Musik, Literatur, Filmen und Diskussionsrunden zu Altersdiskriminierung und Diskriminierung am Arbeitsplatz sowie einem Kurzfilm haben die Häuser in den letzten Monaten nicht nur kulturelle Vielfalt demonstriert, sondern auch versucht, für diskriminierendes Verhalten zu sensibilisieren. Ergänzt wurden diese Angebote durch interne Fortbildungen, um das Personal zu schulen, wie diskriminierende Situationen zu erkennen und zu verhindern sind.

Wer sich am Arbeitsplatz diskriminiert fühlt, kann sich an die Stabsstelle Vielfalt oder direkt an die Personalabteilung der Münchenstift-Hauptverwaltung wenden. Diskriminierung bedeute, "dass jemandem die Gleichwertigkeit, die Begegnung auf Augenhöhe genommen wird", beschreibt Benker die Auswirkungen. Wenn der Betroffene so aus dem Team ausgegrenzt wird, verletze dies massiv das Selbstwertgefühl. "Der Ausschluss führt dazu, dass betroffene Menschen psychisch und körperlich krank werden." In den Münchenstift-Häusern herrsche die "ganz klare Vorgabe, dass sie diskriminierungsfreie Räume sind". Wenn es dennoch zu Diskriminierung komme, "nehmen wir das ernst, dann gibt es jemanden, an den sich der Betroffene wenden kann".

Für das Konzert am Mittwoch, 20. November, 19.30 Uhr, erhalten die Münchenstift-Auszubildenden kostenlos Karten, die übrigen Beschäftigten vergünstigten Eintritt zu zehn Euro. Aber auch alle anderen Besucher, die ein klares Zeichen gegen Diskriminierung setzen wollen, sind willkommen: Karten für 20 Euro zuzüglich Vorverkaufsgebühr gibt es bei Münchenticket.

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