75 Jahre Münchener KammerorchesterIm Wunderland der Musik

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Wunderbar fein gestaltet: Sopranistin Juliana Zara schlüpft in viele Rollen aus Unsuk Chins Oper „Alice in Wonderland“,  traumwandlerisch sicher begleitet vom Münchener Kammerorchester.
Wunderbar fein gestaltet: Sopranistin Juliana Zara schlüpft in viele Rollen aus Unsuk Chins Oper „Alice in Wonderland“,  traumwandlerisch sicher begleitet vom Münchener Kammerorchester. (Foto: Florian Ganslmeier)

Das Münchener Kammerorchester und Juliana Zara zwischen Traum und Wirklichkeit mit Werken von Unsuk Chin, Rameau und Mozart.

Kritik von Klaus Kalchschmied

Musiktheater, das war der rote Faden, der sich durch das zweite Abonnement-Konzert des Münchener Kammerorchesters im Prinzregtentheater zog. Einer (Tanz)-Suite aus „Les Boréades“, der letzten Oper von Jean-Philippe Rameau aus dem Jahr 1763, folgten Unsuk Chins bezaubernde „Puzzles and Games“ aus ihrer am Nationaltheater uraufgeführten Oper „Alice in Wonderland“ und Mozarts D-Dur-Symphonie KV 504, die „Prager“. Hier linsten der „Don Giovanni“ (in der langsamen Einleitung) und „Le nozze di Figaro“ immer mal wieder um die Ecke, ohne dass es wörtliche Zitate gibt.

Rameaus Suite enthält Sprödes (in der Ouvertüre) ebenso wie tänzerisch Ausgelassenes, so eine Gavotte und den abschließenden Contredanse. Und wenn der Schlagzeuger nur mit den Händen vor dem Mund täuschend echt Wind nachahmt, dann erzeugt das schon mal ein leises Lächeln im Publikum.

Kent Nagano und Unsuk Chin 2007 nach der Premiere „Alice in Wonderland“ beim Staatsempfang in der Allerheiligen-Hofkirche. 2024 erhielt die Komponistin Unsuk Chin den Internationalen Ernst von Siemens Musikpreis.
Kent Nagano und Unsuk Chin 2007 nach der Premiere „Alice in Wonderland“ beim Staatsempfang in der Allerheiligen-Hofkirche. 2024 erhielt die Komponistin Unsuk Chin den Internationalen Ernst von Siemens Musikpreis. (Foto: Robert Haas)

Danach berücken Unsuk Chins zehn kleine Ausschnitte aus ihrer Oper „Alice in Wonderland“, die Juliana Zara mit hellem, hohen Sopran wunderbar fein gestaltet. So absurd und humorvoll die Texte auch sind, so bezwingend ist ihre Vertonung, federleicht begleitet von einem fast kammermusikalischen Orchester, das subtil kommentiert, aber auch Widerworte geben kann oder zum gesprochenen Text die rechte Begleitung gibt. Das Münchener Kammerorchester, das in diesem Jahr sein 75-jähriges Bestehen feiert, ist in seinem Element und spielt geistreich virtuos unter Leitung von Enrico Onofri.

Traumartig sind viele Sequenzen, die Zara in viele Rollen schlüpfen lässt, so in die der Alice, oder aber im „Schwank-Schwanz“ als Maus. Am Schluss dann der zynische Monolog der Herzogin: „Sprich barsch zu deinem Bübelein und schlag es, stoß es, will es niesen.“ Mal gehen die Stücke nahtlos ineinander über, mal sind sie scharf getrennt, vom Münchener Kammerorchester immer traumwandlerisch sicher gespielt und von Juliana Zara nicht minder schön gesungen und gesprochen.

Nach der Pause folgte mit der „Prager“ die kongeniale Aufführung einer der schönsten und beziehungsreichsten Mozart-Symphonien. Denn nicht ohne Grund fehlt ein Menuett-Satz, der die dramatische Konzeption des Werks verwässert hätte. So folgen auf das Moll der Einleitung Turbulenzen wie aus dem „Figaro“, schwebt der langsame Satz geradezu, von den Streichern des MKO wunderbar modelliert, während das Finale nicht nur, wie vorgeschrieben presto, sondern beinahe prestissimo dahinjagt, lupenrein intoniert und nie überhetzt klingend, sondern schlichtweg perfekt intoniert und phrasiert.

Großer Beifall und als Zugabe nochmals ein Stück aus Rameaus „Les Boreades“: Entrée de Polymnie aus dem vierten Akt.

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Von Klaus Kalchschmid

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