Aktionstag zum JubiläumSchwimmen im Jugendstilambiente für 25 Cent

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Zum Jubiläum des Müller'schen Volksbades veranstalten die Stadtwerke einen Aktionstag.
Zum Jubiläum des Müller'schen Volksbades veranstalten die Stadtwerke einen Aktionstag. Florian Peljak

Das Müller'sche Volksbad feiert sein Jubiläum. Doch vielen Besucherinnen und Besuchern ist  wegen einer Einschränkung der Öffnungszeiten nicht zum Feiern zumute.

Von Leo Greinwald

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Seit 125 Jahren kann man mitten in München im Jugendstilambiente schwimmen: Das Müller'sche Volksbad feiert Geburtstag. Die Stadtwerke München (SWM) zelebrieren das Jubiläum mit einem Aktionstag am Freitag, den 26. Juni. Zwei Stunden Schwimmen kosten nur 25 Cent, angelehnt an die historischen Eintrittspreise, dazu gibt es stündliche Führungen durch das prächtige Gebäude. Regelmäßige Badegäste sind trotz des Geburtstages nicht in Feierlaune: Die Stadtwerke haben die Öffnungszeiten eingeschränkt.

Das an der Rosenheimer Straße gelegene Bad war bis zum 14. Mai täglich von 7.30 bis 23 Uhr geöffnet. Nun gelten neue Zeiten, die sich „aus der konkreten Auslastung an den jeweiligen Tagen sowie aus der verfügbaren Personalsituation“ ergeben, so die SWM. Seit dem 15. Mai hat das Müller’sche Volksbad folgendermaßen geöffnet: Montag von 15 bis 22 Uhr, Dienstag bis Donnerstag von 7.30 bis 22 Uhr, Freitag und Samstag von 11 bis 21 Uhr, Sonntag von 10 bis 18 Uhr. Daraus ergibt sich eine Reduzierung der Öffnungszeiten von knapp 28 Prozent, am Montag sind es etwa 55 Prozent.

„Ich kann nicht nachvollziehen, warum das Volksbad so bluten muss, während andere Bäder überhaupt nicht tangiert werden“, sagt Nike Hucke. Sie ist als Frühschwimmerin Stammgast im Volksbad und hat mit schwimmbegeisterten Mitstreitern eine Petition gestartet, die eine Rückkehr zu den früheren Öffnungszeiten fordert. Eine Anfrage an die Stadtwerke lässt die Petition aber wenig erfolgsversprechend erscheinen. „Wie derzeit in der gesamten Bäderbranche sehen auch wir uns mit einem deutlichen Mangel an qualifiziertem Fachpersonal konfrontiert“, erklärt die SWM. Das ist tragisch, aber nicht neu, wie bereits die Studie „Status und Zukunft der Schwimmbäder in Deutschland“ von 2022 zeigt: Schon damals konnten die 240 in der Studie repräsentierten Bäderbetriebe 65 offene Stellen nicht in Vollzeit besetzen.

Da der Personalmangel offensichtlich auch Münchner Bäder betrifft, stellt sich die Frage, warum es ausgerechnet beim Müller’schen Volksbad, einem Jugendstiljuwel mitten in der Innenstadt, zu Kürzungen kommt. Die Antwort liegt in den Besucherzahlen, die die SWM von 2015 bis 2025 beobachtet hat. „Während das Müller’sche Volksbad im betrachteten Zeitraum überwiegend 160 000 bis 200 000 Besuche pro Jahr verzeichnet, erreichen die anderen Hallenbäder ein signifikant höheres Auslastungsniveau mit Werten zwischen 250 000 und über 300 000 Besuchen pro Jahr.“ Außerdem sei die Zahl der Badegäste im Müller’schen Volksbad rückläufig; andere Hallenbäder verzeichnen stetig steigende Besucherzahlen.

Diese zahlenlastige, rein wirtschaftliche Begründung der reduzierten Öffnungszeiten wird dem Müller’schen Volksbad aber nicht gerecht, findet Nike Hucke, „man kann das Bad nicht mit anderen Bädern vergleichen.“ Seine Ausstattung ist weitgehend auf dem Stand von vor 125 Jahren. Sprungbretter und Rutsche sucht man vergebens, das Becken in der großen Schwimmhalle entspricht mit etwa 30 Metern Länge keinen modernen Standards. Das Alleinstellungsmerkmal des Volksbades, seine historisch erhaltene Gestaltung, macht es für sportliche Schwimmer und Familien unattraktiv. Nike Hucke befürchtet außerdem, dass die verbleibenden Gäste durch die unharmonischen Öffnungszeiten noch einmal weniger werden, der von den SWM festgestellte Besucherschwund könnte sich also selbst verstärken.

Auch die kleine Schwimmhalle präsentiert sich stilvoll.
Auch die kleine Schwimmhalle präsentiert sich stilvoll. Florian Peljak

Laut Hucke hat das Müller’sche Volksbad ein Kommunikationsproblem: Seine Jugendstilpracht wird zu wenig herausgearbeitet, stattdessen verweisen die Stadtwerke vor allem auf seine Ausstattung, die im Vergleich mit anderen Münchner Bädern mager wirkt. Der andere Teil des Problems betrifft die Kommunikation der Öffnungszeiten selbst. Hucke beschreibt die Bekanntgabe der ab 15. Mai geltenden Zeiten als „Beispiel, wie man’s nicht machen soll“. Ein Blick auf die Website des Volksbades verdeutlicht, was sie meint: Am 12. Mai standen dort noch die alten Öffnungszeiten, am 14. Mai, einen Tag vor der Umstellung, wurden sie durch die neuen Zeiten ersetzt – um das zu erkennen, musste der Nutzer auf den Reiter „Öffnungszeiten“ klicken, einen größeren Hinweis gab es nirgendwo. Im Bad selbst informierten Plakate über die Änderung der Zeiten.

Ein weiterer Hinweis fehlt ebenfalls: Die neuen Zeiten sind nicht saisonal gebunden, sondern bleiben dauerhaft. Ob der in vollem Gange befindlichen Freibadsaison liegt die Vermutung nahe, dass die Mitarbeiter des Müller’schen Volksbads anderswo gebraucht werden. Wie die SWM allerdings mitteilen, entstanden die neuen Öffnungszeiten „vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels“, eine kurzfristige Normalisierung sei nicht zu erwarten. Nur am Aktionstag zur Feier des 125. Geburtstages macht man im Müller'schen Volksbad eine Ausnahme. Statt wie an einem normalen Freitag um 11 Uhr zu öffnen, startet man laut den SWM bereits um 10 Uhr mit einem „feierlichen Auftakt.“

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