Kampf gegen Glascontainer„Eine Katastrophe für das Stadtbild und die Anwohner“

Lesezeit: 3 Min.

Der Viktoriaplatz in Schwabing: Vor einem Wohnhaus reihen sich die leeren Flaschen neben und zwischen den Glascontainern auf – der Verein „Müllwende“ plädiert deshalb für andere Standorte.
Der Viktoriaplatz in Schwabing: Vor einem Wohnhaus reihen sich die leeren Flaschen neben und zwischen den Glascontainern auf – der Verein „Müllwende“ plädiert deshalb für andere Standorte. (Foto: Müllwende e. V.)

Nachts klirrt das Glas, Flaschen reihen sich endlos aneinander – Wertstoffinseln provozieren viel Ärger. Ein Verein protestiert gegen die Container und wittert eine „historische Chance“.

Von Joachim Mölter

Wenn Ulrich Grasberger den Begriff „Wertstoffinsel“ nur hört, bekommt er schon eine kleine Krise. „Insel“, sagt er, „das klingt immer wie Urlaub.“ Dabei bedeuten die Sammelstellen für Plastik-, Metall- und Glasmüll oft Stress für die Anwohner. Gerade wenn leere Flaschen in die Container geworfen werden, scheppert und klirrt es, mitunter bis nach Mitternacht, wie leidgeprüfte Vorstandsmitglieder des von Grasberger geleiteten Vereins „Müllwende“ berichten. An erholsamen Schlaf sei da kaum zu denken.

Weg mit den Wertstoffinseln, fordern Grasberger und seine Mitstreiter daher. Zumindest sollen die Container raus aus Wohngebieten und runter von Grünflächen. Dafür bereiten sie gerade ein neues Bürgerbegehren vor; mit ihrer ersten Initiative zur gelben Tonne hatten sie ja Erfolg, ohne dass sie eine Abstimmung gebraucht hätten: Im Mai beschloss der Münchner Stadtrat mit großer Mehrheit, von 2027 an flächendeckend gelbe Tonnen in den Häusern einzuführen; damit soll dann vor allem Verpackungsmüll für die Wiederverwertung eingesammelt werden. Bislang hätte der von den Münchnerinnen und Münchnern zur Wertstoffinsel gebracht werden müssen, wanderte aus Bequemlichkeit aber meistens in den Restmüll, wo er dann einfach verbrannt wurde.

Die Einführung der gelben Tonne biete nun „eine historische Chance, auch die Altglasentsorgung grundlegend neu zu ordnen“, findet Grasberger. Die bisherigen Glascontainer einfach stehenzulassen oder sogar noch mehr aufzustellen auf dem künftig frei werdenden Platz, hält er für „ideenlos und eine Katastrophe für das Stadtbild und die Anwohner“.

SZ Good News
:Gute Nachrichten aus München – jetzt auf Whatsapp abonnieren

Mehr positive Neuigkeiten im Alltag: Die Süddeutsche Zeitung verbreitet jeden Tag auf Whatsapp ausschließlich schöne und heitere Nachrichten aus München und der Region. So können Sie ihn abonnieren.

Vor der Vollversammlung des Stadtrats an diesem Mittwoch hat der Verein „Müllwende“ sein Anliegen deshalb noch einmal schriftlich vorgetragen; sein Appell „Macht endlich was!“ richtet sich an alle großen Fraktionen – außer der SPD. Mit den Sozialdemokraten im Rathaus haben die Müllwende-Leute die Erfahrung gemacht, dass von ihnen nicht viel Unterstützung zu erwarten ist, im Gegensatz zu deren Parteifreunden in den Bezirksausschüssen.

Für Grasbergers Verein war es jedenfalls eine nur halbfrohe Botschaft, die neulich in Sachen Glascontainer von der SPD-Fraktion kam. Die lobte sich dafür, im Stadtrat ein Vorhaben zur Müllreduzierung durchgesetzt zu haben: Künftig werden die Wertstoffinseln in der Stadt um den Jahreswechsel herum häufiger geleert, nämlich mindestens dreimal pro Woche; zudem sollen an zentralen Feierstätten wie in Schwabing oder dem Gärtnerplatz zusätzliche Sammelbehälter aufgestellt werden.

Anlass entsprechender Anträge von mehreren Parteien waren die Massen von leeren Flaschen, die zuletzt nach Silvester rund um die Glascontainer hinterlassen worden waren. „Die Zeit nach Silvester hat gezeigt, wie dringend Verbesserungen bei der Entsorgung nötig waren“, resümierte SPD-Stadträtin Kathrin Abele Mitte Juli nach der Sitzung des Kommunalausschusses: „Umso mehr freut es uns, dass wir für die nächsten Jahre deutliche Verbesserungen erwirkt haben.“

So deutlich seien die gar nicht, monierte umgehend die Opposition. „Die CSU/Freie-Wähler-Fraktion sieht in den Maßnahmen zwar einen Schritt in die richtige Richtung, hält sie jedoch noch nicht für ausreichend“, kritisierte CSU-Stadtrat Andreas Babor. Seine Partei regt sogenannte „Waste Watcher“ an, die für mehr Sauberkeit an den Sammelstellen sorgen sollen (was laut Abfallwirtschaftsbetrieb angesichts von rund 950 Wertstoffinseln in der Stadt aus personellen und finanziellen Gründen nicht möglich sei). Selbst der SPD-Koalitionspartner im Rathaus fand die Beschlussvorlage des Kommunalreferats „leider sehr unambitioniert“, wie Grünen-Stadtrat Christian Smolka wissen ließ.

Warum sollen Glascontainer nicht dort stehen, wo der Lärm weniger Leute stört?

Das sieht auch Ulrich Grasberger so, der bei der nächsten Kommunalwahl für die ÖDP kandidieren will. Als er gehört hat, dass künftig um Silvester herum für Sauberkeit und Ordnung an den Glascontainern gesorgt werden soll, hat er sich nur gewundert: „Und was ist an den anderen Tagen im Jahr?“

Nun, da werden weiter leere Flaschen auf den Gehweg gestellt, wenn die Container voll sind, selbst in gutbürgerlichen Stadtteilen wie Schwabing. Zudem findet man an den Wertstoffinseln auch immer wieder Sperrmüll: In der Forstenrieder Straße haben Müllwende-Mitglieder Fotos von Matratzen gemacht, am Chemnitzer Platz in Moosach wurde gerade erst ein Kühlschrank zurückgelassen. Die Inseln sind ein ständiges Ärgernis für die Anwohner.

In deren Ohren klingen Appelle des Abfallwirtschaftsbetriebs München (AWM) oft nur wie blanker Hohn. „Sofern eine Wertstoff­insel über­füllt ist, suchen Sie bitte eine andere Wert­stoffinsel auf oder lagern Sie zum Beispiel Glas noch mal zu Hause zwischen“, rät der AWM auf seiner Website. Auch der Hinweis, mit Rücksicht auf die Anwohner die Einwurfzeiten zwischen 7 und 19 Uhr einzuhalten, verhallt bei den Einwerfenden ungehört – das Scheppern und Klirren in den Glascontainern hingegen nicht bei den Anwohnern.

Grasberger und sein Verein regen deshalb an, die Glascontainer an weniger lärmbelastenden Orten aufzustellen. Auch damit geht er konform mit dem Grünen-Stadtrat Smolka. Der sieht ja „durchaus Möglichkeiten“ für andere Standorte: „Gerade große Discounter haben oft Parkplätze, an denen es Platz für eine Sammelstelle gibt.“ Glas sollte dort zurückgegeben werden, wo es gekauft wird, findet Grasberger: „An Supermärkten, Getränkemärkten, Kiosken oder Einkaufszentren.“ Die Stadt und den AWM fordert er auf, mit den Vertretern des Dualen Systems, die für die Abholung von Verpackungsmüll zuständig sind, über neue Standorte zu verhandeln. Wenn es nach Grasberger geht, könnten sie den Begriff „Wertstoffinsel“ auch gleich entsorgen.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Entsorgung von Abfall
:In München ist jeder selbst die Müllabfuhr

Sogar auf kleinen italienischen Inseln werden Plastikmüll oder Glas abgeholt. Doch die Stadtspitze im großen München weiß besser: Müllberge zu Containern zu balancieren, hat einen erzieherischen Effekt.

SZ PlusGlosse von Joachim Käppner

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Gutscheine: