Zero Waste:München will weniger Müll produzieren

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Zero Waste: Weniger Müll, mehr Wertstoff-Rettung: Das Münchner Zero-Waste-Konzept ist ausbaufähig.

Weniger Müll, mehr Wertstoff-Rettung: Das Münchner Zero-Waste-Konzept ist ausbaufähig.

(Foto: Stephan Rumpf)

Abfall soll künftig außerdem richtig getrennt werden. Im Rathaus sehen manche den Beschluss zum Zero-Waste-Konzept allerdings nur als Zwischenschritt.

Von Anna Hoben

56 Kilogramm weniger Abfall pro Kopf und Jahr. 310 Kilo statt 366, wie bisher. Das ist eines der übergeordneten Ziele, welches die Stadt bis 2035 erreichen will, der Stadtrat hat es am Donnerstag einstimmig als Teil seines Zero-Waste-Konzepts beschlossen. Mit 100 Einzelmaßnahmen will man erreichen, dass die Münchnerinnen und Münchner künftig erstens weniger Müll produzieren und ihn zweitens nicht in die falsche Tonne werfen. Auch große Brocken wie die Reduzierung von Bauschutt sollen angepackt werden - 54 Prozent des Abfalls in Deutschland entstehen im Bausektor.

Die Bezeichnung "Zero Waste" wurde in der Debatte vielfach kritisiert. Denn wörtlich übersetzt bedeutet das "Null Müll", und darum kann es natürlich nicht gehen. Sondern darum, die Ressourcenverschwendung zu reduzieren und alles zu recyceln, was recycelbar ist. Das müsse immer wieder gut erklärt werden, sagte etwa Stadträtin Julia Post (Grüne). Und da sie schon mal dabei war, kritisierte sie gleich noch eine andere euphemistische Vokabel: die "thermische Verwertung", also Müllverbrennung.

Der Begriff "Zero Waste" sei misslich, stimmte Kommunalreferentin Kristina Frank (CSU) zu, vor allem weil er "etwas völlig Falsches suggeriert". Man schüre damit eine Erwartungshaltung, die nicht gerechtfertigt sei. Das Problem: Die europäische Initiative, der man sich da angeschlossen habe, heiße eben so. Die Stadt will deshalb künftig immer auf den Zusatz "München gegen Ressourcenverschwendung" setzen. Jenseits von Begrifflichkeiten waren sich die Stadträtinnen und Stadträte einig, dass man mit dem Konzept einen großen Schritt vorankomme. Stadträtin Post nannte die Beschlussvorlage des Kommunalreferats "beeindruckend". Kathrin Abele (SPD) sprach von einem "Meilenstein", nun sei zu hoffen, dass die Anstrengungen Früchte trügen.

Die Grünen beklagten allerdings, dass beim Biomüll die Ambition viel zu gering sei, ebenso bei der Elektronik. "Da hätte ich mir mehr gewünscht", sagte Julia Post. In München würden pro Kopf und Jahr nur etwa fünf Kilo Elektro-Altgeräte gesammelt - im bundesweiten Durchschnitt sei es etwa doppelt so viel. Wertvolle Rohstoffe entgingen so der Wiederverwertung. Da müsse nachgebessert werden, entsprechende Anträge seien in Vorbereitung.

Ihr Fraktionskollege Christian Smolka verwies darauf, dass andere Städte mit bis zu 100 Kilogramm pro Kopf und Jahr deutlich mehr Biomüll sammelten als München mit 30 Kilo. Der Stadtrat stimmte mehrheitlich einem Änderungsantrag von Grün-Rot zu, wonach die Biomüllquote bereits bis 2030 verdoppelt werden soll und nicht erst bis 2035, wie es Kommunalreferentin Frank vorschlug.

Heike Kainz (CSU) erinnerte sich daran, wie sie vor 30 Jahren mit ihren Kindern Glasflaschen gesammelt und frische Milch von der Zapfstelle geholt habe - "stählerne Kuh", habe das damals geheißen. Über die Jahre seien viele Nachhaltigkeitsbemühungen wieder eingeschlafen, sagte sie. "Gut, dass das jetzt auf modernere Weise wieder aufgegriffen wird." ÖDP-Stadträtin Nicola Holtmann zeigte sich "enttäuscht" von der Beschlussvorlage. "Das kann wirklich nur der Anfang sein." Immerhin habe die Stadtverwaltung sich selbst deutlich höhere Ziele gesetzt.

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