Untersuchung bei KindernWenn der Lego-Patient in die MRT-Röhre fährt, verschwindet die Angst

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Christian Meierhofer, stellvertretender Direktor der Klinik für angeborene Herzfehler und Kinderkardiologie Deutsches Herzzentrum, erklärt der neunjährigen Sarah, wie eine Untersuchung im MRT funktioniert.
Christian Meierhofer, stellvertretender Direktor der Klinik für angeborene Herzfehler und Kinderkardiologie Deutsches Herzzentrum, erklärt der neunjährigen Sarah, wie eine Untersuchung im MRT funktioniert. (Foto: Stephan Rumpf)
  • Das TUM Klinikum Deutsches Herzzentrum München nutzt ein detailgetreues Lego-MRT-Modell, um Kindern spielerisch die Angst vor der Untersuchung zu nehmen.
  • Laut einer Lego-Umfrage mit 450 medizinischen Fachkräften haben 96 Prozent der Kinder weniger Angst und 46 Prozent benötigen weniger Narkosemittel nach dem Spiel mit dem Set.
  • Über eine Million Kinder in Krankenhäusern können mittlerweile mit dem 2023 fertiggestellten Lego-MRT-Modell auf ihre Untersuchung vorbereitet werden.
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In einem Münchner Herzzentrum werden Kinder mit einem Modell aus Bausteinen auf ihre MRT-Untersuchungen vorbereitet. Die Effekte des kleinen Spielzeugs können immens sein.

Von Nicole Graner

Die Uhr im winzigen Wartezimmer steht auf 15.07 Uhr. Ein kleines Bild von einem Schiff hängt an der Wand. Drei Patienten sitzen und warten, bis sie aufgerufen werden. Sie bekommen eine besondere Untersuchung: eine Magnetresonanztomografie (MRT).

Die Patienten sind nicht echt. Sie sind kleine Lego-Figürchen. Umkleideraum, Bedienungsraum mit technischen Geräten und der MRT-Untersuchungsraum sind detailgetreu nachgebaut. Sogar die Röhre, in die die Patienten auf einer Liege geschoben werden, sieht genauso aus wie in der Realität und kann geöffnet werden. Vier MRT-Sets spendete die Spielzeugfirma Lego nun erstmals einer Münchner Klinik. Das TUM Klinikum Deutsches Herzzentrum hat das Mini-MRT aus Legobausteinen zukünftig für seine kleinen Patienten griffbereit in der Anmeldung stehen. Das Ziel: Kindern erklären, wie eine solche Untersuchung abläuft und ihnen ein wenig die Angst vor der großen Röhre nehmen.

Durch eine MRT-Untersuchung können seit den Achtzigerjahren schwere Erkrankungen entdeckt werden. Im Binde-, Muskel- oder Nervengewebe, im Gehirn oder anderen Organen. Tumore sind gut zu erkennen, aber auch schwere Entzündungen. Im Gegensatz zum computertomografischen Verfahren (CT) kommen beim MRT keine Röntgenstrahlen zum Einsatz. Durch ein starkes Magnetfeld in der Röhre kann das Körperinnere sichtbar gemacht werden, auch das schlagende Herz.

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Sarah ist neun Jahre alt. Sie legt gerade das Figürchen auf die fahrbare Liege. „Schau, damit wirst du ganz nach hinten in die Röhre geschoben“, erklärt Christian Meierhofer, stellvertretender Direktor der Klinik für angeborene Herzfehler und Kinderkardiologie. „Hier in der Röhre hinten ist ein Loch. Da sitzen Mama oder Papa und können dich sehen.“ „Und was ist das Schwarze da?“, fragt die Schülerin und deutet auf einen kleinen Knopf, den der Patient in der Hand hält. Das sei ein kleiner Ball, den man drücken könne, wenn man Angst hat. Dann komme sofort Hilfe, erklärt der Arzt.

Angst ist ein großer Faktor bei dieser Untersuchung. Man muss ruhig liegen bleiben, es ist ziemlich laut in der Röhre. Und sehr eng. Manchmal muss kurz der Atem angehalten werden. Wenn sich schon Erwachsene in dieser Umgebung unwohl fühlen, wie sollen Kinder damit umgehen?

Viele Kinder hätten vor dieser Untersuchung Angst, sagt Meierhofer. Manchmal die Eltern sogar mehr als die kleinen Patienten. Im Herzzentrum werde die Untersuchung bei den jüngeren Kindern „oft von Fall zu Fall entschieden“, in der Regel aber mit Sedierung geplant. Doch nicht jedes Kind benötige diese, erklärt der stellvertretende Klinikdirektor. Es gebe auch Dreieinhalbjährige, die super mitmachten und bei denen es ohne Sedierung klappe. Andere hätten aber „einfach zu große Angst“.

Meierhofer verspricht sich daher viel vom kleinen MRT-Set. Spielerisch die Ängste zu nehmen, sei doch eigentlich das Beste. Dann könnten die Kinder viel ruhiger in die Untersuchung gehen. „Bis jetzt haben wir den Kindern anhand von kleinen Zeichnungen alles erklärt, aber wenn man alles in den Händen halten kann, ist das doch leichter zu verstehen.“

Detailgetreuer Nachbau: Das MRT-Modell von Lego, soll Kindern die Angst vor der Röhre nehmen.
Detailgetreuer Nachbau: Das MRT-Modell von Lego, soll Kindern die Angst vor der Röhre nehmen. (Foto: Stephan Rumpf)

Sarah hat gerade die Röhre aufgeklappt. Sie fragt, wie lange eine solche Untersuchung dauere. Zweieinhalb Minuten? „Nein, leider nicht so kurz“, sagt Meierhofer. „Das dauert schon etwa so lange wie eine Schulstunde.“ Vor 20 Jahren habe alles viel länger gedauert. Da sind die Eltern mit den Kindern laut Meierhofer schon einen Tag vorher gekommen, die Kinder bekamen immer eine Narkose. Der Arzt macht die Röhre zu, legt den Kunststoffpatienten, der kurz von der Liege gerutscht ist, wieder richtig hin. Alles muss seine Ordnung haben.

Vor zehn Jahren habe ein Lego-Mitarbeiter aus Dänemark den Einfall für ein solches Set gehabt, sagt Julia Goldhammer, Geschäftsführerin der Lego GmbH für Deutschland. Die Idee habe gefallen und sei dann von Designern umgesetzt worden. Sie hätten sich „mit Sicherheit vorher ein echtes MRT angeschaut und so realistisch nachgebaut wie möglich“, sagt Goldhammer. 2023 sei das Modell fertig gewesen. Mittlerweile können laut Lego mehr als eine Million Kinder in Krankenhäusern mit dem Set spielen.

Laut einer Umfrage, die Lego mit 450 medizinischen Fachkräften zum MRT-Modell gemacht hat, haben 96 Prozent der Kinder weniger Angst, in die Röhre zu klettern. Demnach hat das Set dazu beigetragen, dass weniger Kinder sediert werden mussten. 46 Prozent der Befragten gaben laut Umfrage an, dass weniger Narkosemittel eingesetzt werden mussten, weil die Kinder zuvor mit den Figürchen im MRT-Set gespielt hatten.

Sarah jedenfalls hat besser verstanden, wie diese Röhre funktioniert. Ein bisschen Angst habe sie aber schon noch vor so einer Untersuchung, sagt die Neunjährige. Die echte Röhre sei einfach „ganz schön groß“. Stimmt. Beim Blick auf das riesige Gerät im Deutschen Herzzentrum wird klar, was Sarah gemeint hat. Dagegen ist die kleine Kopie wirklich sehr winzig.

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