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Ludwigsvorstadt:Immer noch klassisch, aber dezenter

Der akzeptierte Neubauentwurf greift Elemente der gründerzeitlichen Bebauung im Umfeld auf. Simulation: Oliv Architekten

Erst Ablehnung, dann Wohlwollen: Stadtgestaltungskommission billigt neuen Entwurf für Gebäude an der Mozartstraße

Von Sebastian Krass, Ludwigsvorstadt

Im zweiten Anlauf ging es dann durch: Der überarbeitete Entwurf für ein neues Bürogebäude an der Mozartstraße 4, Ecke Haydnstraße, ist in der Stadtgestaltungskommission auf Wohlwollen gestoßen und kann nun als Basis für eine mögliche Baugenehmigung dienen. Entscheidend für das positive Votum der Kommission, die Stadtrat und Verwaltung zu bedeutenden Bauprojekten berät, war, dass das Münchner Büro Oliv Architekten und die Bauherren aus der Familie Randlkofer (bekannt als Miteigentümer von Dallmayr) auf eine Rampe zur Tiefgarage an der Mozartstraße verzichten und stattdessen auf einen deutlich dezenteren Auto-Aufzug an der Haydnstraße setzen; zudem wird auf Giebel-Ausbauten am Dach und auf angehängte Balkone an der westlichen Gebäudeseite verzichtet.

Dass das Bauprojekt auf die Tagesordnung der Stadtgestaltungskommission kam, liegt daran, dass es prominent am Eingang zum denkmalgeschützten Ensemble "Wiesnviertel" und in unmittelbarer Nähe zum Postgebäude und dem "Royal"-Kino am Goetheplatz liegt. In dem bisherigen Gebäude sind eine Gaststätte und ein Hostel untergebracht. Die Bauherren und das Architekturbüro haben sich nach eigenen Worten mit Rücksicht auf die umliegenden Gebäude für eine klassische Gebäudeform mit einem Satteldach entschieden. Für die Tiefgaragen-Rampe hatten sie sich nach den Worten des Architekten Igor Brncic entschieden, weil Auto-Aufzüge oft defekt seien und Rückstaus auslösten, wenn mehrere Autos gleichzeitig ankommen. Diese Erwägungen verwarf die Kommission aber: Die Rampe wäre auch wegen der geplanten Überdachung ein zu schwerwiegender Eingriff ins Straßenbild. Zudem hatten die Kommissionsmitglieder im Dezember kritisiert, dass die Fassade und das Dach mit Elementen überfrachtet sei, der Entwurf müsse einfacher werden.

Vom abgelehnten (links) zum akzeptierten (rechts) Neubau-Entwurf: Die Stadtgestaltungskommission monierte, dass die Fassade mit Elementen überfrachtet, der Fassadenvorsprung zu massiv sei (li,. rot eingefärbt). Mitte: Über die rot eingefärbten Segmente hatte die Denkmalbehörde zu befinden. Simulation: Oliv Architekten

Bauherr und Architekt hätten versuchen können, einige ihrer ursprünglich geplanten Elemente durchzubekommen. Sie entschieden sich aber offenbar dagegen. "Unser Ziel bleibt aber weiterhin, eine klassische Fassade zu bauen, die sich einfügt", sagte Brncic zu der überarbeiteten Variante. Der Münchner Architekt Christoph Sattler, der die Überarbeitung als "richtig" würdigte, hakte aber bei dem Punkt mit der klassischen Fassade ein: "Das ist eine architektonische Haltung, die retrospektiv ist." Er finde das Vorgehen "zu vorsichtig" und fragte, warum man sich nicht an einem Haus wie der Post am Goetheplatz orientiere. Brincic erwiderte, man habe sich "an dem in sich abgeschlossenen Karree orientiert, in dem wir uns bewegen". Und ja, der Entwurf entspreche in gewisser Weise einer retrospektiven Auffassung. "Aber wir haben uns dieser Diskussion mit dem Bauherren umfangreich gestellt und vertreten hier dessen Wunsch."

Manfred Kovatsch, ebenfalls Architekt aus München, wandte noch ein, ihm komme das Erdgeschoss etwas gedrungen vor, vielleicht könnte man überlegen, ob man das Gesims etwas höher rutsche, bis an die Unterkante der Fenstertüren im ersten Obergeschoss. Damit würde das Erdgeschoss eine "kräftigere Bedeutung erfahren". Das nahm Igor Brncic dankend entgegen: "Das ist ein sehr guter Hinweis, wir werden uns noch Gedanken machen, wie wir die Details ausarbeiten." Er betonte auch, dass es sich noch um einen Vorentwurf handele. Bisher liegt bei der Lokalbaukommission erst ein Antrag auf Vorbescheid vor, also eine Vorstufe zur Baugenehmigung, der auch noch nicht erteilt ist.

Grünen-Stadträtin Anna Hanusch, die die Sitzung der Kommission leitete, fragte, ob im Verfahren noch eine Wiedervorlage gewünscht sei, woraufhin sich aber niemand meldete. Im Gegenteil, der Züricher Architekt Jürg Sulzer sagte: "Ich habe völliges Vertrauen in die Architekten, die das so seriös überarbeitet haben. Wenn man in der Erdgeschosszone noch etwas erreichen kann, wird das ein gutes Projekt." Der Abriss des bisherigen Gebäudes soll Ende 2021 beginnen, 2024 soll der Neubau nach dem Willen des Bauherrn Georg Randlkofer fertig werden.

© SZ vom 01.02.2021/van
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