Nach Tötungsdelikt:Jugendliche wollen Mordverdächtigen mit Gewalt befreien

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Nach Tötungsdelikt: Auf dem Platz der Menschenrechte in Riem gingen bei der Festnahme 20 junge Männer auf die Polizeibeamten los.

Auf dem Platz der Menschenrechte in Riem gingen bei der Festnahme 20 junge Männer auf die Polizeibeamten los.

(Foto: Catherina Hess)

Bei der Festnahme eines 16-Jährigen, der am Wochenende einen jungen Coburger erstochen haben soll, kommt es in der Messestadt Riem zu Tumulten. 20 Personen attackieren die Polizisten, auch mit Pfefferspray.

Von Martin Bernstein

Nach dem Mord an einem 21-Jährigen am Samstag im Treppenhaus eines Anwesens in der Messestadt Riem sind jetzt drei Tatverdächtige gefasst worden, unter ihnen der mutmaßliche Haupttäter. Er ist 16 Jahre alt. Bei seiner Festnahme am Mittwochabend in der Nähe des Tatorts kam es zu tumultartigen Szenen. Etwa 20 Freunde des Tatverdächtigen versuchten mit Gewalt, den 16-Jährigen aus den Händen der Polizei zu befreien.

Dem 16-Jährigen wird vorgeworfen, am Samstag einen 21-Jährigen aus dem Landkreis Coburg laut Polizei "mit spitzer Gewalt" so schwer verletzt zu haben, dass das Opfer kurz darauf in einer Riemer Grünanlage zusammenbrach und am Sonntagabend im Krankenhaus starb. Die Tatwaffe wurde noch nicht gefunden. Der junge Coburger, selbst wegen Drogenhandels bereits polizeibekannt, war mit mehr als 1000 Euro zu dem Treffen gekommen, um eine größere Menge Marihuana zu kaufen. Zumindest dachte er das wohl. Laut Polizei beabsichtigten die Münchner Jugendlichen aber nie, Rauschgift zu verkaufen. Vielmehr sei es ihnen allein darum gegangen, ihr Opfer auszurauben.

Die beiden mutmaßlichen Mittäter, 16 und 17 Jahre alt, sollen während der Tat einen ebenfalls 16 Jahre alten Begleiter des Coburgers in einer Grünanlage abgelenkt haben. Gegen sie wird wegen schweren Raubes ermittelt, gegen den Haupttatverdächtigen wegen Mordes. Wie der Kontakt zwischen den beiden Oberfranken und den drei Münchnern angebahnt worden war und warum die Situation im Abgang zu einer Tiefgarage blutig eskalierte, konnte ein Polizeisprecher am Donnerstag noch nicht sagen.

Der 17 Jahre alte mutmaßliche Tatbeteiligte aus Berg am Laim stellte sich bereits am Dienstag bei der Polizeiinspektion 24 in Perlach. Er soll bei seiner Vernehmung Aussagen gemacht haben. Einer der 16-Jährigen ließ sich am Mittwoch in der Wohnung seiner Eltern in Riem widerstandslos festnehmen. Die beiden Auszubildenden sollen am Raub, nicht aber am Tötungsdelikt beteiligt gewesen sein.

Zu dramatischen Szenen kam es, als Zivilfahnder den ebenfalls 16 Jahre alten mutmaßlichen Haupttäter am Mittwoch gegen 19.25 Uhr auf dem Platz der Menschenrechte in Riem entdeckten und festnehmen wollten. Der Jugendliche, der in der Vergangenheit bereits in zahlreichen Fällen in Konflikt mit der Polizei gekommen war, unter anderem mit Waffen-, Bedrohungs- und Körperverletzungsdelikten, leistete nach Polizeiangaben erheblichen Widerstand, weshalb er zunächst fixiert und gefesselt werden musste. Als er zu einem Polizeifahrzeug gebracht werden sollte, versuchte er zu flüchten.

Plötzlich mischten sich etwa 20 Jugendliche und junge Erwachsene ein. Sie gingen auf die Polizisten los und versuchten, den 16-Jährigen zu befreien. Unter anderem attackierten sie die Beamten mit Pfefferspray. Die Polizisten mussten Verstärkung rufen. Insgesamt 30 Streifenwagenbesatzungen fuhren daraufhin zu dem Platz an den Riem Arcaden. Noch vor deren Eintreffen liefen die jungen Männer in verschiedene Richtungen davon.

Fünf von ihnen konnten nach kurzer Fahndung festgenommen werden. Sie sind 16, 17, 21, 22 und 23 Jahre alt, drei von ihnen sind aus zahlreichen anderen Fällen bereits polizeibekannt. Sie wurden unter anderem wegen schweren Landfriedensbruchs, versuchter Gefangenenbefreiung, gefährlicher Körperverletzung und tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte angezeigt. Bei der versuchten Gefangenenbefreiung wurden ein 36-jähriger, ein 39-jähriger und ein 45-jähriger Polizist leicht verletzt.

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