AntisemitismusMorddrohung gegen Knobloch – Spaenle sieht „jede Grenze überschritten“

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Unbekannte hatten eine Todesdrohung gegen Charlotte Knobloch auf eine Parkbank geschrieben.
Unbekannte hatten eine Todesdrohung gegen Charlotte Knobloch auf eine Parkbank geschrieben.
Foto: Niels P. Jørgensen

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde zu bedrohen, sei „mehr als ein Tabubruch“, sagt Bayerns Antisemitismusbeauftragter. Knobloch hatte wegen der Drohung ihre Teilnahme an einer Veranstaltung abgesagt.

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Mit der Morddrohung gegen die bundesweit bekannte Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, sieht Bayerns Antisemitismusbeauftragter Ludwig Spaenle (CSU) „jede Grenze überschritten“. Deutschland stehe am „Scheideweg“, sagte der Antisemitismusbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung.

„Eine Persönlichkeit, die diesem Land nach der Shoah mit ihrer Entscheidung, mit ihrer Familie in München und Deutschland zu leben, wieder eine Tür zur Rückkehr in die zivilisierte Welt aufgetan hat, zu bedrohen, ist mehr als ein Tabubruch“, sagte Spaenle. Er hoffe, dass der oder die Täter rasch ermittelt und zur Verantwortung gezogen würden.

Ein Passant (oder auch eine Passantin, wie Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause am Samstag auf einer Kundgebung sagte) hatte am Donnerstag auf einer Parkbank und einem Mülleimer im Englischen Garten nahe der Lerchenfeldstraße die hingeschmierte Morddrohung entdeckt und die Polizei informiert, wie das Polizeipräsidium mitteilte. Der oder die Täter hatten zunächst Bezug auf den Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt genommen und im zweiten Teil die Morddrohung ausgesprochen. Knobloch hatte daraufhin ihre Teilnahme an einer Abendveranstaltung abgesagt. Das hätten ihre Personenschützer ihr geraten.

In dem Fall ermittelt nun die Generalstaatsanwaltschaft München. Diese habe Ermittlungen wegen Volksverhetzung, Bedrohung und Sachbeschädigung eingeleitet, sagte der Antisemitismusbeauftragte bei der Generalstaatsanwaltschaft, Oberstaatsanwalt Andreas Franck, auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa.

Die Veranstaltung fand – bis auf die Abwesenheit von Knobloch – wie geplant im „Fat Cat“, dem früheren Gasteig, statt. Der SZ-Journalist Ronen Steinke stellte sein Buch „Meinungsfreiheit“ vor und diskutierte darüber mit Micky Wenngatz von „München ist bunt“. Wenngatz zeigte sich bestürzt. Sie versicherte Knobloch der Solidarität der Münchnerinnen und Münchner.

Steinke würdigte zu Beginn der Veranstaltung den jahrzehntelangen Einsatz Knoblochs gegen jede Form von Rechtsextremismus – und zitierte ausführlich aus einer Rede, die sie im Jahr 2019 im bayerischen Landtag gehalten hatte. Darin hieß es: „Diese sogenannte Alternative für Deutschland gründet ihre Politik auf Hass und Ausgrenzung und steht – nicht nur für mich – nicht auf dem Boden unserer demokratischen Verfassung.“

Direkt an die AfD-Abgeordneten im Landtag gewandt, hatte Charlotte Knobloch damals abschließend noch gesagt: „Daher appelliere ich heute an Sie: Kehren Sie zurück zu dem Eid, den Sie auf unser Land geschworen haben, zu einer freiheitlichen Demokratie.“

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