Für die Moosacher ist es mehr als nur ein Lichtblick in Zeiten klammer Kassen: Dass die in ihrem Viertel vor fünf Jahren begonnene Stadtsanierung fortgesetzt wird, steht nach einem entsprechenden Beschluss des Stadtrats jetzt fest.
Der Planungsausschuss folgt damit der eindringlichen Forderung von Stadtbaurätin Elisabeth Merk, die städtebauliche Aufwertung des Sanierungsgebiets im Münchner Norden trotz aller Haushaltsengpässe keinesfalls zu stoppen. Der Grund: 60 Prozent des für die Sanierung benötigten Geldes kommen als Refinanzierung via Städtebaufördermittel von Bund und Freistaat Bayern in den städtischen Etat zurück.
Jeder Euro, den die Stadt München ausgibt, kostet sie also letztlich nur 40 Cent. Über die gesamte Laufzeit der auf 15 Jahre angelegten Stadtsanierung würden der Stadt für den Fall, dass sie das Projekt aufgäbe, rund 48 Millionen Euro an Fördergeld entgehen. So hat es die Verwaltung ausgerechnet.
Dass für den zweiten Abschnitt der Moosacher Stadtsanierung noch keine Kosten im Beschlusspapier enthalten sind, die Finanzierung also in einem eigenen Stadtratsbeschluss gesichert werden soll, darf man der Haushaltssituation zurechnen. Außerdem hat Merk das Volumen der Projekte im Hinblick auf den klammen Etat der Stadt um 30 Prozent gekürzt.
Kenner des Viertels wie etwa der Moosacher CSU-Stadtrat Alexander Reissl begrüßen die Planung daher ausdrücklich – auch wenn vieles in dem Papier noch „schwammig formuliert und deshalb unklar“ sei. Beispielsweise die Weiterentwicklung der Kleingartenanlagen am Westfriedhof zu einem Park. Oder die Schaffung eines „Schulcampus“ im Bereich der Jenaer-, Quedlinburger- und Leipziger Straße.
Dennoch: Nach fünf Jahren Stadtsanierung sind einige der nun anstehenden Vorhaben bereits definiert. Und der Planungsausschuss hat – einem Änderungsantrag der CSU folgend – auch Prioritäten gesetzt. Als Erstes sollen die Wohnsiedlung der Münchner Wohnen westlich der Dachauer Straße saniert und aufgestockt sowie das Kulturbürgerhaus am Moosacher St.-Martins-Platz um einen großen Saal erweitert werden.
Bis zu 250 Menschen können dort als Ergänzung des Pelkovenschlössls und des Hacklhauses künftig feiern, Konzerte hören, Veranstaltungen besuchen. Auch ein Wohnheim für Auszubildende soll am St.-Martins-Platz entstehen. „Herzensprojekte“ seien das für die Moosacher, sagt die örtliche SPD-Stadträtin Julia Schönfeld-Knor.
Weil der St.-Martins-Platz Moosachs gesellschaftlicher Dreh- und Angelpunkt ist, sollen dort auch Freiflächen optimiert werden. Feste wie das Maibaumfest oder den Weihnachtsmarkt wird es an dieser Stelle weiterhin geben. Ein städtebaulicher Wettbewerb zur Neuordnung des Platzes hat bereits stattgefunden, der erste Preis ging an die Helsinki Zürich Office GmbH mit der Züricher Böe Studio GmbH.
Für das Quartier an der Dachauer Straße, wo sich große Teile des Gebäudebestands aus den Vierziger- bis Sechzigerjahren im Eigentum der Münchner Wohnen und der Stadtsparkasse München befinden, existiert eine Rahmenplanung für eine „Siedlung mit Vorbildcharakter“. Den Ideenwettbewerb dafür hat die Arbeitsgemeinschaft Bogevischs Buero mit den Landschaftsarchitekten von Grabner Huber Lipp gewonnen.
Vorgesehen ist eine umsichtige Nachverdichtung und eine Sanierung, die klimaneutrales Wohnen ermöglicht. Die Experten gehen dort von einem Potenzial von 800 zusätzlichen Wohnungen aus, die vorwiegend durch Aufstockung und Ergänzung an Stellen entstehen sollen, an denen Lärmschutz ohnehin notwendig ist, beispielsweise am Wintrichring.
Auch alte Garagenhöfe will man für Neubauten nutzen. Im Gegenzug zur Nachverdichtung ist eine attraktivere Gestaltung der Grünflächen geplant. Sibylle Stöhr (Grüne) verweist auf den sozialen Aspekt der Planung: „Wenn wir Häuser sanieren, Plätze ansprechend umgestalten, dann ist das nicht nur ein Umbau der Substanz, sondern dann arbeiten wir auch an einem guten Zusammenleben im Viertel.“

Dies umso mehr, als das Sanierungsgebiet längst nicht den ganzen Stadtbezirk Moosach umfasst, sondern ein kompliziertes Quartiersgeflecht. Neben den Zielen, ein lebendiges, attraktives Zentrum zu schaffen und die Wohnsiedlung westlich der Dachauer Straße aufzuwerten, geht es darum, ein Wohnquartier östlich der Feldmochinger Straße auszubauen, den Westfriedhof für alle nutzbar zu machen und ein grünes Netz entstehen zu lassen.
Bei letzterem steht als Nächstes die Verschönerung des Karl-Lipp-Parks an. Das Zukunftskonzept für den Westfriedhof, das zugleich Pate für die erhoffte Stärkung der Erholungsfunktion der Münchner Friedhöfe insgesamt stehen soll, hält an der Friedhofsnutzung fest, will neben der Trauer aber auch Ruhe und Erholung für alle Münchner ermöglichen. Auf der Hauptwege-Achse soll deshalb Radfahren dauerhaft möglich sein, Sitzgelegenheiten will man ausbauen. Und auch die ökologische Bedeutung wird in den Fokus gerückt.
Im Zuge der Viertelsanierung haben die städtischen Planer außerdem überdimensionierte Verkehrsflächen ausgemacht, etwa im Kreuzungsbereich von Hugo-Troendle- und Karlingerstraße. An diesen Ecken soll der bisher Fahrzeugen vorbehaltene Raum minimiert werden – wodurch sogenannte „Jokerflächen“ frei werden. Nutzbar als Begegnungsorte.

