Gärtnerei in Moosach:Ausgelaugt

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Gärtnerei in Moosach: Bald Geschichte: die Gewächshäuser der Gärtnerei Schamberger an der Feldmochinger Straße. Die Familie hat von dort aus die Münchner schon während zweier Weltkriege versorgt.

Bald Geschichte: die Gewächshäuser der Gärtnerei Schamberger an der Feldmochinger Straße. Die Familie hat von dort aus die Münchner schon während zweier Weltkriege versorgt.

(Foto: Robert Haas)

Seit fast 130 Jahren versorgt die Familie Schamberger die Münchner mit Gemüse, Salaten, Jungpflanzen und Kräutern. Doch jetzt gibt sie den Betrieb an der Feldmochinger Straße auf. Auf einem Teil des Geländes sollen nun 53 Mietwohnungen entstehen

Von Anita Naujokat, Moosach

Dem Stadtbezirk gehen langsam die Gärtnereien aus. Seit beinahe 130 Jahren versorgt der Gemüseanbaubetrieb Schamberger mitten in Moosach die Münchner mit Gemüse, Salaten, Jungpflanzen und Kräutern aus erster Hand. Doch die Zukunft des Familienbetriebs in vierter Generation ist begrenzt, eine fünfte Generation wird die Gärtnerei nicht mehr führen. Elisabeth und Anton Schamberger, die den alteingesessenen Traditionsbetrieb an der Feldmochinger Straße 12 seit 1984 leiten, haben sich entschlossen, ihn aufzulösen und auf dem Gelände Wohnungen zu bauen. Aus Alters- und gesundheitlichen Gründen und mangels Nachfolge, wie Anton Schamberger sagt.

80 bis 100 Arbeitsstunden pro Woche, 30 Jahre keinen Urlaub, jeden Morgen um fünf Uhr aufstehen, bis spät in den Abend arbeiten, keinen Samstag, keinen Sonntag und kaum Freizeit - das habe er seinen Kindern nicht zumuten wollen, zumal beide ihren eigenen festen Beruf hätten, sagt Schamberger. Der Sohn habe Mathematik studiert, die Tochter Mikro- und Nanotechnik. Vor allem aber kennt Schamberger die Situation aus eigenem Erleben. Auch er habe nicht vorgehabt, die Gärtnerei zu übernehmen, die nach dem Studium des Gartenbaus in Weihenstephan aber letztlich an ihm hängen blieb."Es ist eh ein Sonderfall, dass der Betrieb so lange erhalten geblieben ist", sagt Schamberger. Für den Gemüseanbau sei die Fläche zu klein und zu begrenzt. Andere Anbaubetriebe seien im Durchschnitt zehnmal größer, um bei der Bearbeitung, Bepflanzung und Ernte Maschinen einsetzen zu können. "Bei uns ist das noch alles Handarbeit", sagt Schamberger. Eine so lange Zeit intensiven Gemüseanbaus ziehe auch eine "Bodenmüdigkeit" nach sich. "Und wir haben keine Ausgleichsflächen oder Möglichkeiten zu Fruchtwechsel." Es sei schon vor 50 Jahren nicht mehr sinnvoll gewesen, auf diesem Boden noch Gemüse anzupflanzen.

Gärtnerei in Moosach: Anton Schamberger leitet den Betrieb in vierter Generation - eine fünfte wird es nicht mehr geben.

Anton Schamberger leitet den Betrieb in vierter Generation - eine fünfte wird es nicht mehr geben.

(Foto: Robert Haas)

Die Lage in der Stadt ist für Kunden praktisch, hat für die Schambergers aber Nachteile. Zum Beispiel ein besonderer "Schädlingsdruck", ausgelöst von Ungeziefer der ringsum befallenen Sträucher und Bäume. "Wir setzen zwar Nützlinge in den Gewächshäusern ein, doch der biologische Pflanzenschutz kann das nicht immer auffangen. Und die Verbraucher wollen makelloses Gemüse haben." Sei auch nur ein wenig Erde im Salat, könne dieser nicht mehr als Handelsklasse 1 verkauft werden. Und wenn in heißen Sommern viel gewässert werden müsse, gibt es mitunter Probleme mit Nachbarn. "Wir gießen mit Grundwasser, das in München sehr kalkhaltig ist. Gelangt von den Beregnungsanlagen etwas auf geparkte Autos, bleiben Kalkflecken zurück, und die Leute vermuten, wir verwenden Chemikalien." Nicht zuletzt werde das Gelände von Passanten gerne als Müllhalde missbraucht. Die werfen alles Mögliche hinein. Hinzu komme laut Schamberger, dass auch die beheizbaren Gewächshäuser in die Jahre gekommen seien. Und wenn mal was mit dem Fuhrpark ist? Von den zunehmenden Anforderungen in Sachen Buchhaltung und Bürokratie ganz zu schweigen. "Das ist insgesamt kein Zuckerschlecken", sagt der Chef, wie seine Frau schon über 60. "Es ist schade, aber das möchte ich meinen Kindern nicht aufbürden." Er habe zwar Angestellte, "aber wir leben vom Familieneinsatz". Selbst seine Mutter, 85 Jahre alt, arbeite noch mit.

Die Zukunft heißt also Wohnen: Auf dem Gelände westlich der verlängerten Abbachstraße sollen 53 Mietwohnungen in vier Gebäuden mit jeweils fünf mehrfach terrassierten Geschossen und eventuell eine Kindertagesstätte entstehen, den östlichen Teil wolle man verkaufen. Die Stadt, sagt Schamberger, habe Vorkaufsrecht. Dort ist seit einem Jahr Erhaltungssatzungsgebiet. Erschlossen werden soll das westliche Wohngebiet über die Feldmochinger Straße; über eine eigene Tiefgarage sind alle vier Gebäudeteile erreichbar.

Gärtnerei in Moosach: Was die Kunden schätzen, ist für Elisabeth Schambarger (rechts im Verkaufsraum) und ihre Familie Knochenarbeit.

Was die Kunden schätzen, ist für Elisabeth Schambarger (rechts im Verkaufsraum) und ihre Familie Knochenarbeit.

(Foto: Robert Haas)

Der Moosacher Bezirksausschuss (BA) zeigte sich von den Plänen sehr angetan. Die Bauweise sei ansprechend offen und spiegle die südlich vorhandene Bebauung wider, sagte Armin Ziegler (SPD), Vorsitzender des Unterausschusses Bau, Umwelt und Wirtschaft. Der BA regte einzig an, den Durchstich der Abbachstraße zwischen Hardenberg- und Gärtnerstraße als Geh- und Fahrradstraße zu widmen und die nördliche Seite der Gärtnerstraße baumbestanden zu gestalten.

Einen Zeitplan haben die Schambergers noch nicht. "Da hängt noch viel dran", sagt Anton Schamberger: vom Verkauf bis hin zur Genehmigung, dazu die Betriebsauflösung. Und für sich selbst müsse man ja auch noch ein neues Zuhause suchen.

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