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Protest der Burschenschaft Molestia:"Nein zum Männerwahlrecht"

Das Logo der Burschenschaft Molestia ist eine Nasenmuräne: Das Tier wechselt im Laufe seines Lebens das Geschlecht vom Männchen zum Weibchen.

(Foto: Robert Haas)

Molestia, die erste rein weibliche Burschenschaft Münchens, hat zum Staatsakt eingeladen. Ihr Ziel: das "Patriarchat zerfotzen".

Der Moment, auf den sie hingefiebert haben, kommt um kurz nach halb eins mittags. Da bauen sich drei Dutzend Frauen im studentischen Wichs in der prallen Sonne vor der Feldherrnhalle auf, in ihrer Mitte eine riesige goldfarbene Vulva. "Wir rufen das matriarchale Reich aus", schallt es über den Platz. "Dein sei der Name: Klitoria!" Dann entrollen sie ein schwarzes Banner mit dem Namen ihres neuen Staates, recken die linke Faust zum Schwur in die Luft und fassen sich mit der rechten Hand an die linke Brust. "Vivat Klitoria!", rufen sie im Chor. Und schließlich entlässt sie der "Bursche Jolande", die Rednerin: "Wir haben es vollbracht, die Zukunft ist unser! Gehet hin und zerfotzt, was sich euch in den Weg stellt!"

Die Burschenschaft Molestia, die erste rein weibliche Burschenschaft Münchens, hat am Sonntag zum Staatsakt eingeladen. In zwei Reihen sind die Mitglieder, vorbei an irritierten Passanten, vom Königsplatz zur Feldherrnhalle gezogen. Ihr Ziel: das "Patriarchat zerfotzen", so kündigten sie den Zug in den sozialen Medien an. Sie wollen die Stadt "in den matriarchalen Schoß" zurückführen und die Männer, das schwache Geschlecht, zurück an den Herd, zu ihrem eigenen Wohl. Man müsse ja nicht erst nach Polen, Italien oder Ibiza schauen, um zu sehen, was geschehe, wenn sich Männer der Öffentlichkeit aussetzen, rief Jolande bei einem Zwischenhalt am Karolinenplatz ins Megafon. Das Patriarchat sei am Ende, "wir wollen den Patriexit jetzt!" Außerdem würden Männerhoden durch Überforderung und Stress auf die Größe getrockneter Pflaumen schrumpfen. "Nein zum Männerwahlrecht! Nein zu verschwendetem Samenerguss! Nein zu Schrumpfhoden!"

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Die Molestia ist 2017 erstmals öffentlich in Erscheinung getreten. Sie ist Teil eines Rings weiblicher Burschenschaften in Österreich und Deutschland; die bekannteste ist "Hysteria" in Wien. Zum "Staatsakt" in München sind Abordnungen der "Lethargia" aus Jena angereist, der "Lascivia" aus Leipzig, der "Furia" aus Innsbruck und der "Infamia" aus Linz. Ihr Projekt ist dasselbe: Sie alle haben männerbündlerische Riten übernommen und drehen jetzt den Spieß um. Und sie stellen generell männliche Machtstrukturen infrage. So haben die Burschen der Molestia etwa auf ihrem Weg an allen Straßen und Plätzen, die nicht nach Frauen benannt sind, neue Schilder angebracht. Die Ludwigstraße etwa haben sie in Hübler-Straße umbenannt, nach der Eiskunstläuferin Anna Hübler. Und die Brienner Straße haben sie in die Kempf-Straße verwandelt, nach der Frauenrechtlerin und Sozialpolitikerin Rosa Kempf.

Mit der Presse reden die Burschen der Molestia ungern oder am besten gar nicht. Nur so viel: Ihr Staatsakt sei ein Festakt, ansonsten könne man ihn allenfalls noch als Kundgebung bezeichnen, heißt es. Keineswegs aber handle es sich um Satire, "weil es keine ist", sagt Jolande lapidar. Und man sei auch nicht nur eine Reaktion auf männliche Burschenschaften. Die Idee des Matriarchats sei schließlich viel älter. Dass die Rednerin anonym unter einem Deck- oder Kneipnamen auftritt, ist ebenfalls eine männerbündlerische Tradition.

Die Stadt München hat den Staatsakt der Molestia als politisch motivierte Aktionskunst und als Theateraktion gefördert: Die Künstlerinnen würden Konventionen infrage stellen und auch die Tendenz aufgreifen, Politik zu ästhetisieren, heißt es in der Jurybegründung. Damit würden sie gezielt verstören. Das ist ihnen tatsächlich gelungen, mit Bannern, auf denen in Frakturschrift die Buchstaben PMS (für Potentia! Molestia! Suprema!) abgebildet sind, und mit Rufen wie "Heil! Molestia!" oder "Heil! Infamia!" ausgerechnet an historisch belasteten Orten wie dem Königsplatz und der Feldherrnhalle.

Wenn alles ein Theaterstück ist, fallen die Burschen jedenfalls nicht aus der Rolle. Auch nicht beim Frühschoppen nach dem Staatsakt im Weißen Bräuhaus im Tal. Da sitzen sie im Kneipsaal zusammen, in dem sich ansonsten Burschenschaften treffen. An den Wänden hängen Wappen und Degen von schlagenden Verbindungen. Spätestens hier, unter geladenen Gästen und ohne größeres Publikum, verschwimmen Persiflage und Kopie.

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