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München:Mörderische Metropole

Friedrich Ani bei Lesung in München, 2017

Friedrich Ani bei einer Lesung in München.

(Foto: Stephan Rumpf)

In der Isarstadt wird fleißig ermittelt. Bekanntester Autor ist Friedrich Ani.

Auf Berge müssen Münchner Kommissare, anders als die Garmischer Ermittler, nicht klettern. Dafür können ihre Erfinder sicher sein, dass die Leser die meisten Straßen, überfüllte Isarstrände oder das Gedränge auf dem Oktoberfest kennen. Wenig Idylle also, kaum schöne Landschaften. Fragt sich schon, ob man das zur Entspannung braucht?

Unbedingt, wenn man Geschichte und Lokalkolorit so geschickt kombiniert wie Angelika Felenda das tut. In bisher drei Büchern zeichnet sie ein detailreiches, atmosphärisch dichtes Bild der Stadt. Der erste Fall, den ihr Kommissär Sebastian Reitmeyer aufzuklären hatte, spielte 1914. Inzwischen ist ihr Held aus dem Weltkrieg heimgekehrt und versucht, von Panikattacken heimgesucht, die diebischen, weil hungernden Münchner in Zaum zu halten.

Akribisch recherchiert sind auch die Krimis von Friedrich Ani, der die Grenzen des gewöhnlichen Regionalkrimis sprengt. Die Innenwelt seiner Figuren ist ihm wichtiger als die Außenwelt, sein subtiles Sprachgefühl macht ihn zum Literaten unter den Krimiautoren. Doch seine Romane spielen ebenfalls in München. Tabor Süden, den er schon 1998 erfunden hat, wohnt in Giesing und war früher Kommissar der Vermisstenabteilung. Irgendwann hatte Ani genug von seinem Tiefsinn und verbannte ihn als Kellner nach Köln. Doch nach einer Schreibpause durfte er 2011 als Privatdetektiv wieder nach München zurückkehren. Im neuesten, dem 22. Fall, ermittelt er sogar mit den anderen Ermittlern, die Ani zwischendurch als Serienhelden kreiert hat: dem Kriminalhauptkommissar im Ruhestand Jakob Franck, der seine Fälle löst, in dem er sich in vermurkste Lebensläufe einfühlt, und dem noch aktiven Polonius Fischer von der Mordkommission.

Ob Autor Harry Kämmerer, ebenfalls ein präziser Rechercheur und ein amüsanter Autor, seinen Chefinspektor Mader mitsamt Dackel Bajazzo wieder aufleben lässt, ist ungewiss. Derzeit bevorzugt er eine Frau als Heldin, Andrea Mangfall von der Münchner Kripo, die sich mit ihrem nicht unkomplizierten Single-Dasein quält. Nicole Neubauers Kommissar Waechter kann da nicht mithalten, genauso wenig wie Sabine Vöhringers Ermittler Tom Perlinger. Zwar lässt sich die gebürtige Frankfurterin von historischen Figuren inspirieren - nach Lola Montez und Ludwig Thoma ist es im jüngsten Krimi Karl Valentin - aber vieles in Perlingers Welt bleibt blutleer und klischeehaft.

Andere Autoren vertrauen weniger auf Polizeikräfte, sondern suchen sich ihre Ermittler in anderen Berufsgruppen. Bettina Plecher lässt lieber einen Toxikologen und seine Assistentin ermitteln, während Felicitas Gruber alias das Autorinnenduo Brigitte Riebe und Gesine Hirsch die Rechtsmedizinerin Dr. Sofie Rosenhut ins Rennen schickt. Und Su Turhans Kommissar Zeki Demirbilek, auch Kommissar Pascha genannt, stellt wegen seiner türkischen Herkunft ohnehin eine Besonderheit dar.

© SZ vom 20.05.2020

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