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Nachhaltigkeit:Prêt-à-changer

Verleihung Münchner Modepreis, 2020

Mit dem Münchner Modepreis, hier bei der Verleihung Anfang März, soll künftig auch die nachhaltige Produktion der Kleidung ausgezeichnet werden.

(Foto: Stephan Rumpf)

Stadt will Münchner Modepreis ökologischer gestalten

Von Anna Hoben

Junge Designer fördern, damit München wieder ein bisschen mehr zur international angesehenen Modemetropole wird, das ist das Ziel des Münchner Modepreises. Die Modeschulen in der Stadt - die Deutsche Meisterschule für Mode, die Akademie Mode und Design sowie die Mediadesign Hochschule - schlagen Kandidatinnen und Kandidaten vor, über die dann eine Fachjury entscheidet. Seit 2016 wird der Preis alle zwei Jahre vergeben. Nun soll sich seine Ausrichtung grundlegend ändern. Bis 2024 soll er sich in Zusammenarbeit mit der Branche zu einem Sustainable-Fashion-Preis wandeln, zu einer Auszeichnung für nachhaltige Mode also. Das hat der Wirtschaftsausschuss im Stadtrat am Dienstag auf eine Initiative von Grünen und SPD hin beschlossen, gegen Stimmen von CSU, FDP und Freien Wählern.

Innovative Schnittgestaltung, kommerzieller Faktor, Materialität, Präsentation und zukunftsweisendes Konzept: Das sind bisher die Kriterien beim Münchner Modepreis. Nun soll ein weiteres Kriterium hinzukommen und stärker gewichtet werden: ökologische und faire Produktion und Handel. Die Grünen begrüßten den Beschluss in einer Mitteilung anschließend als "wichtiges Signal für die Weiterentwicklung und Modernisierung einer Branche, die in München eine große Tradition hat". Die Textilproduktion verursache weltweit pro Jahr mehr als eine Milliarde Tonnen CO₂, sagte Stadträtin Julia Post. Dabei gebe es mittlerweile viele Alternativen, um Kleidung "fair und ökologisch zu produzieren und trotzdem zu vertretbaren Kosten".

Im Ausschuss hatte es zuvor eine längere Debatte gegeben. Der Modepreis solle bleiben, wie er ist, forderte die CSU. Es gehe schließlich um Muster, sagte Fraktionschef Manuel Pretzl, "das wird nicht in die Produktion gehen". Seine Fraktionskollegin Ulrike Grimm, gelernte Schneidermeisterin, verwies auf das, was sie im Saal sah: "Sie alle sind nicht nachhaltig angezogen." Man müsse über politisches, nicht über individuelles Verhalten sprechen, entgegnete Julia Post (Grüne). "Nachhaltigkeit fängt beim Design an", betonte Julia Schmitt-Thiel (SPD).

Die Verwaltung hatte zunächst ein Konzept ausgearbeitet für einen Sustainable-Fashion-Preis, der zusätzlich zum Modepreis vergeben werden könnte, sah aber wegen der aktuell angespannten Haushaltslage keinen Spielraum dafür. Nun wird aus dem Münchner Modepreis ein Nachhaltige-Mode-Preis.

© SZ vom 14.10.2020
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