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Mode:Neuer Schnitt für alte Designerteile

Hanna Klingseisen, Verena Helzel und Sarah Kaldewey (von li.) haben Designerstücke der Achtziger- und Neunzigerjahre umgearbeitet.

(Foto: Catherina Hess)

Drei Münchnerinnen ändern Mode von namhaften Designern aus den Achtziger- und Neunzigerjahren, um sie wieder alltagstauglich zu machen.

Secondhand? Klingt zu sehr nach abgetragener Motorradlederjacke. Und keinesfalls passt der Begriff "Upcycling" zu dem, was Hanna Klingseisen, Sarah Kaldewey und Verena Helzel mit ihrem "Partieprojekt" geschaffen haben. Denn aus alt mach neu - das trifft es einfach nicht. Doch wie bezeichnet man einen kreativen Prozess, bei dem sich drei Maßschneiderinnen rund 60, 70 Kleidungsstücke aus den Achtziger- und Neunzigerjahren vorgenommen haben? Nicht irgendwelche Klamotten, sondern solche von Marken, bei denen sich mancher ein anerkennendes Pfeifen nicht wird verkneifen können: Jil Sander, Kenzo, Miu Miu, Calvin Klein, Valentino, Armani, Strenesse oder das Münchner Luxuslabel Escada - große, teure Namen, die an Models und lange Laufstege denken lassen.

Also ist die Annäherung an eine Definition im Atelier von Sarah Kaldewey an diesem Nachmittag eine vorsichtige. "Im Grunde ist das eine Art Restauration", sagt Klingseisen. "Wir erhalten und bewahren die Qualität. Und schauen, wie wir dabei möglichst gut auf die heutige Zeit eingehen können." Eine Handvoll Frauen aus München und Bayern hätten die Designerstücke "gespendet", erzählen Klingseisen und Kaldewey. Da aber nicht jede Bluse, nicht jeder Rock das Zeug zum Update mitbringt, haben Klingseisen, Kaldewey und Helzel, die sich von der Deutschen Meisterschule für Mode in München kennen, die Schränke der spendablen Damen nach den vielversprechendsten Teilen durchkämmt. Jede suchte sich aus, was sie anschließend nach eigenen Ideen umarbeiten wollte, zwischendrin trafen sie sich immer wieder zum Abgleich.

Wie viele Stunden sie an ihren Nähmaschinen saßen, können sie gar nicht genau sagen. Es müssen viele gewesen sein: Manchmal nehmen die Münchnerinnen nur dezente Korrekturen vor, kürzen Säume oder erneuern Knöpfe. In anderen Fällen greifen sie stärker ein, zerlegen die Kleidungsstücke in ihre Einzelteile und setzen sie anders zusammen. Dann wiederum befreien sie Blazer von übertrieben breiten Schultern oder goldenen Gürtelschnallen - Zierrat, der im München der Achtzigerjahre zu einem gewissen Schick im Stadtbild beigetragen haben mag. Aber heute? Die Modemacherinnen jedenfalls konzentrieren sich lieber auf eine "alltagstaugliche Zeitlosigkeit" anstatt sich in künstlerischen Eskapaden zu ergehen.

Und während Klingseisen und Kaldewey Jacken, Blazer und Tops von den Stangen nehmen, mal hier ihre Arbeitsweise erläutern, mal dort, kommt Wehmut auf. Denn die Neunzigerjahre, das war nicht nur die Ära der bauchfreien Tops und wuchtigen Plateausohlen, die in diesen Tagen ein denkwürdiges Comeback erleben. Es war auch eine Zeit, in der große Markennamen noch die Kraft hatten, ihrem Träger eine Aura zu verleihen. Und München, nun, München war mit einem modischen Selbstbewusstsein ausgestattet, das die Stadt nicht zuletzt auch aus ihrer Modewoche bezogen hatte, den sagenumwobenen Jahren dieser Messe in den Achtzigern, als der Anblick von Stardesignern so selbstverständlich war wie heute der von Schülern, die fürs Klima demonstrieren.

Die Macherinnen des Partieprojekts würde man vermutlich nicht mit einem Plakat durch die Innenstadt ziehen sehen. Moralisieren, so sagen sie, das wollten sie nicht. Sie rühmen sich weder als nachhaltig, noch veranstalten sie ein Bohei darum, dass sie mit ihrer Arbeit natürlich ein Zeichen gegen Massenproduktion und Konsumwahn setzen. Ihr Engagement für eine bessere Mode vollzieht sich leise, in klugen Designlösungen und präzisem Schneiderhandwerk. Was sie aber doch erwähnen, ist, dass sie einen Teil der Einnahmen aus dem Verkauf der Kleidung an gemeinnützige Zwecke spenden möchten. "Damit wir auch wieder etwas zurückgeben."

Präsentation "Partieprojekt" am 12. und 13. September, jeweils um 16.30 Uhr, Showroom an der Utzschneiderstraße 7.

© SZ vom 02.09.2019/syn
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