Missbrauch in Kirche:"Nehmen Sie jetzt Ihre bischöfliche Hirtenaufgabe wahr"

Lesezeit: 1 min

Missbrauch in Kirche: Beiratsmitglied Richard Kick wünscht sich mehr Empathie für die Betroffenen von Kardinal Marx.

Beiratsmitglied Richard Kick wünscht sich mehr Empathie für die Betroffenen von Kardinal Marx.

(Foto: Thomas Marufke)

Richard Kick wurde als Kind von einem Priester missbraucht. Nun hat er einen offenen Brief an Kardinal Reinhard Marx geschrieben. Der hat bereits geantwortet.

Es ist der eindringliche Appell eines Mannes, der als Kind von einem Priester missbraucht wurde, er richtet sich an den Münchner Erzbischof Reinhard Marx: "Nehmen Sie jetzt Ihre bischöfliche Hirtenaufgabe wahr, fassen Sie all Ihren Mut, öffnen Sie Ihr Herz und gehen Sie mit weit geöffneten Armen auf uns Betroffene zu." Das schreibt Richard Kick in einem offenen Brief an Marx. Kick gehört dem unabhängigen Betroffenenbeirat in der Erzdiözese München und Freising an und ist bisher das einzige der vier Mitglieder, das sich direkt an die Öffentlichkeit wendet.

Sein Brief ist ein ungewöhnlicher Schritt, er dürfte mit großer Verletzung und tiefer Enttäuschung zu erklären sein; die Veröffentlichung des Missbrauchsgutachtens der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl in der vergangenen Woche war für Kick der Anlass für sein Schreiben.

Scharf kritisiert Kick Kardinal Marx, mit dem er sich 2010 zu einem ersten Gespräch getroffen habe. Marx habe Kicks Glauben und Vertrauen in die Institution Kirche durch seine "fehlende Hirtensorge", durch Versäumnisse und Untätigkeit "völlig zerstört". Marx hatte gegenüber den Gutachtern betont, dass seine Aufgabe weniger im Administrativen liege, sondern unter anderem in der "Hirtenseelsorge".

Der Priester, der ihn, Kick, missbraucht habe, sei nicht bestraft und vor wenigen Jahren "als unbescholtener Priester beerdigt" worden. Dafür sei Marx mitverantwortlich. Weiter appelliert Kick an den Erzbischof: "Sorgen Sie endlich dafür, dass das jahrzehntelange Leid von so vielen Betroffenen durch eine angemessene und schnelle Entschädigungsleistung finanzieller Art gewürdigt wird. Die bisherigen Zahlungen sind angesichts der Taten im sakralen Kontext allenfalls als Almosen zu bezeichnen."

Laut Marx-Sprecher Bernhard Kellner habe der Erzbischof den Brief von Kick sofort beantwortet. "Glauben Sie mir, ich nehme Ihre Worte sehr ernst", habe Marx an Kick geschrieben. Er wolle den Appell Kicks aufgreifen. "Ihre kritische Stimme bleibt auf diesem Weg wichtig."

Zur SZ-Startseite

SZ PlusMissbrauch in der katholischen Kirche
:"Den pathetischen Rotz hätt' er sich sparen können"

Hermann Schlicker war Pfarrer in Grafing und in Garching an der Alz - nachdem Peter H. dort Kinder missbrauchte. Trotz Maulkorb vom Erzbistum München und Freising spricht er über Joseph Ratzinger und sagt: Wo bleibt die Entschuldigung?

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB