Münchner Unternehmensberater geschädigtMillionenverlust durch Krypto-Betrug

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„Pig Butchering“ nennt sich eine neue Methode, um Menschen mit Kryptowährung zu betrügen. Die Drahtzieher sitzen meistens in Südostasien.
„Pig Butchering“ nennt sich eine neue Methode, um Menschen mit Kryptowährung zu betrügen. Die Drahtzieher sitzen meistens in Südostasien. Marijan Murat/dpa

Die Betrüger sitzen meistens in Asien und sind schwer zu fassen. Sie nutzen auch Dating-Apps, um ihre Opfer zu finden.

Von Stephan Handel

Die Polizei warnt vor einer relativ neuen Masche bei Cybercrime, dem sogenannten „Pig Butchering“ (deutsch „Schwein schlachten“). In einem aktuellen Fall entstand einem Münchner Unternehmensberater dadurch ein Schaden von 1,3 Millionen Euro.

Der 56-jährige Mann lernte im März auf einer Dating-App eine – vermeintlich – asiatische Frau kennen und stand mit ihr über längere Zeit im Kontakt. Dabei sprachen die beiden auch über Kryptowährungen. Die Frau brachte ihn dazu, bei einer angeblichen Kryptobörse ein Konto zu eröffnen, auf das er hohe Beträge einzahlte. Als ihm ein erheblicher Gewinn vorgegaukelt wurde, versuchte er, sich die Summe auszahlen zu lassen, wurde jedoch angewiesen, erst einmal angebliche Steuern und Gebühren zu bezahlen. Die erwartete Auszahlung traf jedoch nie ein, weshalb er letztlich zur Polizei ging.

Für Joachim Jäntsch, Ermittler im zuständigen Kommissariat 71, ist „Pig Butchering“ nicht ganz neu – seit einigen Jahren gebe es immer wieder Fälle. Die Drahtzieher sitzen meistens in Südostasien – im aktuellen Fall weisen die IP-Adressen nach Myanmar. Die angebliche Kryptobörse ist dabei sozusagen ein Potemkinsches Dorf: Die Gelder werden nie irgendwie angelegt, die angezeigten Kursgewinne sind komplett ausgedacht.

Die Arbeitsteilung ist international – es werden chinesische Geldwäsche-Netze eingesetzt, sogar in Deutschland arbeiten Mittäter daran, in Dating-Apps Profile zu sichten und mögliche Opfer ausfindig zu machen. Sie werden später auch eingesetzt, um die Chats – die nach der Kontaktaufnahme schnell nach Whatsapp oder einem anderen Messenger-Dienst wechseln – auf korrektes Deutsch zu überprüfen.

Die Zielgruppe: Vermögende Menschen mit Liebeskummer

Die Zielgruppe ist eindeutig definiert: Beruflich erfolgreiche Menschen mit Vermögen, idealerweise auch noch verletzlich, weil sie etwa gerade eine gescheiterte Liebe hinter sich haben.

Joachim Jäntsch berichtet von Fällen, in denen die Geschädigten zum Schluss Kredite aufnahmen, in der Hoffnung, ihr eingezahltes Kapital doch noch retten zu können. Nicht selten enden sie so in der Privatinsolvenz, weil sie alles verloren haben. Dazu kommt noch die Erkenntnis, dass die angebliche Internet-Liebe nur vorgegaukelt war.   Gelegentlich merken die Banken, dass bei einem ihrer Kunden etwas nicht stimmt, und warnen ihn dann, etwa, wenn über einen längeren Zeitraum immer wieder größere Summen mit unklarem Ziel überwiesen werden.

Das Polizeipräsidium beziffert den finanziellen Schaden durch Cybercrime in seiner Zuständigkeit in den ersten Monaten des laufenden Jahres schon höher als im gesamten Jahr 2024 – damals lag er bei etwa sechs Millionen Euro, für heuer wird ein zweistelliger Millionenbetrag erwartet. Die Aussicht, das Geld zurückzuholen, ist gering bis nicht vorhanden. In Myanmar etwa herrscht Bürgerkrieg, da dürften Rechtshilfeersuchen aus Deutschland meistens ins Leere laufen. Schlimmer noch: In manchen Fällen nehmen die Betrüger nach einigen Monaten unter neuer Identität erneut Kontakt zu ihren Opfern auf und bieten an, das Geld wieder zu besorgen, natürlich nur unter erneuter Zahlung von größeren Summen.

Joachim Jäntsch, der Ermittler, rät in allen Fällen zur Grundregel bei jeder Geldanlage: „Wenn die Gewinnversprechen zu schön sind, um wahr zu sein, dann sind sie es in der Regel auch nicht.“

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