Über das Milla Café stolpert man eher nicht zufällig, zu versteckt befindet es sich im Herzen des Kulturzentrums Fat Cat im ehemaligen Gasteig, weniger als eine Gehminute von der S-Bahn-Station Rosenheimer Platz entfernt. Die Lage, mag man meinen, ist ungünstig, gerade im kulinarisch hart umkämpften Haidhausen. Spricht man mit Till Hofmann, der das Café gemeinsam mit Gerd Baumann und Peter Brugger, dem Sänger der Band Sportfreunde Stiller betreibt, stellt man schnell fest: Alles prima mit der Lage, die Laufkundschaft, nö, die hat hier nicht unbedingt Priorität.
Der Gasteig ist schon seit Jahrzehnten ein Ort der Kreativität, an dem Dinge erschaffen werden und Zeit eine weniger wichtige Rolle spielt. Hier proben Bands, diskutieren Menschen über Bücher, finden Ausstellungen statt – nun wird also auch Kaffee getrunken.
Direkt im Erdgeschoss wird man von einem knallroten Tresen empfangen, Speise- und Getränke-Karte hängen an der Wand. Es gibt Kaffee in den gängigen Variationen, eine kleine Auswahl an Beuteltee (2,80 Euro), heiße Schokolade (4,50 Euro), Matcha Latte (4,50 Euro), Kaltgetränke (zwischen 3 und 5,50 Euro), Bier, Wein und Aperol Spritz (je 7,50 Euro). Zum Essen gibt es ein Tagesgericht, zudem belegte Toastbrote, Couscoussalat, Brezn, Croissants, Muffins und, wenn die Angestellten zum Backen gekommen sind, auch mal Bananenbrot.
Das Café im Foyer des Fat Cats befindet sich nicht in einem geschlossenen Raum, wo es anfängt und wo es endet, ist also Interpretationssache. Setzt man sich an einen der Tische, rollt aber mit großer Wahrscheinlichkeit ein Ball von der Tischtennisplatte vorbei, die unweit des Tresens steht. Das alles ist im schicken Münchener Café-Kosmos ungewöhnlich. Es gibt keine teure Keramik, keine Kaffeehaus-Playlist, keinen Babycchino und auch keinen entkoffeinierten Kaffee.
Niemand scheucht einen freundlich fragend, ob man wirklich nichts mehr bestellen möchte von seinem Platz, man muss nicht einmal etwas konsumieren, um auf den etwas unbequemen Stühlen zu sitzen. „Wir wollten es schlicht und niedrigschwellig halten“, sagt Betreiber Hofmann. Espresso für höchstens zwei Euro, gesunde kleine Snacks, das war von Anfang an die Prämisse.


Das Tagesgericht wird seinem Namen nicht wirklich gerecht, es ist eher ein Tagessnack, Rezept von Oma, sagt die Angestellte hinter dem Tresen beim Besuch. Ob man noch etwas fermentiertes Gemüse dazu will? Habe eine Kollegin von ihr gemacht. Aus Einmachgläsern schöpft die Angestellte dann sogleich Rote-Beete, Rettich und Karotten, verteilt sie neben der Frittata, geht aufs Haus, guten Appetit.
Tatsächlich schmeckt alles genauso, wie sich dieses Café anfühlt: solide, unaufgeregt, ein wenig wie bei Oma zu Hause. Das gilt auch für die Kuchen: nichts Ausgefallenes, aber lecker.
„Unser Wunsch ist, dass sich hier Dinge entwickeln“, sagt Hofmann. Weil die Tischtennisplatten so gut ankommen, plant er demnächst Abendveranstaltungen. Er denkt an: Jazz und Tischtennis, Funk und Tischtennis, Indie und Tischtennis. Die Bühne steht bereits. Willkommen sind alle. Irgendetwas zu essen wird es sicherlich auch geben, außerdem Bier, Wein, Cola. Alles eben, außer Schnickschnack.
Milla Café, Kellerstraße 8a, Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 10 bis 18 Uhr, Freitag und Samstag 10 bis 22 Uhr, von Dezember 2025 an bei Abendveranstaltungen auch länger geöffnet

