Seit 2019 hat die Stadt die Mieten in ihren eigenen Wohnungen stabil gehalten – doch nun stellt Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) den kommunalen Mietenstopp infrage. „Ich bin nicht abgeneigt, den Mietenstopp zu verlängern“, sagte Reiter am Donnerstagvormittag auf einer Pressekonferenz zur Vorstellung der neuen Geschäftsführung der Münchner Wohnen. „Aber ich bin auch verantwortlich für den städtischen Haushalt, und ich muss schauen, ob ich mir den Mietenstopp noch leisten kann.“
Das, so Reiter, werde man vielleicht schon im Sommer sehen, wenn der nach der Kommunalwahl neu zusammengesetzte Stadtrat die Eckdaten für den Haushalt 2027 beschließen muss. Für 2026 hatte die Stadt nur unter Mühen einen genehmigungsfähigen Haushalt hinbekommen. Und es ist nicht absehbar, dass sich die finanzielle Situation der Stadt in nächster Zeit verbessert. Derzeit gilt der Mietenstopp bis Ende dieses Jahres.
So könnte den Mieterinnen und Mietern der Münchner Wohnen 2027 demnächst eine Mieterhöhung ins Haus stehen – allerdings auf einem Niveau, über das viele andere Menschen in München jubilieren würden. Denn die durchschnittliche Miete in den frei finanzierten, also nicht geförderten Wohnungen der Münchner Wohnen liegt bei etwa neun Euro pro Quadratmeter.

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Der kommunale Mietenstopp war für die Münchner SPD immer ein Herzensthema. Die Regelung sei wegen der Mietausfälle für die Geschäftsführungen schwierig gewesen, sagte Reiter. „Aber die politische Entscheidung dafür war richtig und wichtig.“
Doch selbst wenn die Haushaltslage es hergäbe, wäre eine politische Mehrheit für eine Verlängerung über 2026 hinaus unwahrscheinlich. Denn im Stadtrat gibt es über die derzeitige Regelung breites Unbehagen, von CSU und FDP über die Grünen bis zur Linken. Neben grundsätzlichen Einwänden gegen das Mietmoratorium steht in der Kritik, dass alle Haushalte der Münchner Wohnen davon profitieren, auch wenn sie Einkommen haben, mit denen sie gut etwas mehr bezahlen könnten. Das empfinden viele im Stadtrat als ungerecht gegenüber der gesamten Stadtgesellschaft, die den Mietenstopp letztlich finanziert.
Nach Berechnungen aus dem Planungsreferat könnte die Münchner Wohnen über Mieterhöhungen etwa 30 Millionen Euro zusätzlich pro Jahr einnehmen. Das wiederum könnte den Bedarf an Finanzspritzen aus dem Haushalt mindern. Reiter verwies darauf, dass es nicht seine Entscheidung sei, über die Zukunft des Mietenstopps zu entscheiden, sondern die einer neuen Stadtratsmehrheit.
Indem Reiter, der auch Aufsichtsratschef der Münchner Wohnen ist, auf der Pressekonferenz beim Thema Mietenstopp das Wort ergriff, ersparte er seinen neuen Führungskräften, dazu Position zu beziehen.
Mit CEO Jörg Franzen, 60, der den Job am 1. Februar übernommen hat, der technischen Geschäftsführerin Gabriele Meier, 54, die im Januar angefangen hat, und Christian Müller, der als Geschäftsführer für die Hausbewirtschaftung schon vorher da, ist die Geschäftsführung der Münchner Wohnen nun erstmals seit der Gründung Anfang 2024 komplett. Mit 71 000 Wohnungen zählt sie zu den größten öffentlichen Wohnungsunternehmen in Deutschland. Franzen und Meier hatten zuvor Führungspositionen bei Wohnungsgesellschaften des Landes Berlin inne.

„Wir wollen einen möglichst umfassenden und weitreichenden Neubau realisieren“, sagte Meier. 1250 neue Wohnungen soll die Münchner Wohnen pro Jahr bauen. 2024 hat das Ziel mit nur 798 Wohnungen noch weit verfehlt, es 2025 aber mit etwa 1200 Wohnungen erfüllt.
Künftige Projekte allerdings stehen infrage, weil die Fördertöpfe des Freistaats für besonders günstige Wohnungen leer waren und unklar ist, wann wieder wie viel Geld fließt. „Deshalb“, so Franzen, „wollen wir künftig so kalkulieren, dass wir nicht mehr zwingend auf Fördergelder angewiesen sind. Wir wollen keine Projekte mehr anhalten müssen.“ Wenn aber Förderung zur Verfügung steht, wolle man sie natürlich auch abrufen.
Ein wesentlicher Aspekt ist laut Franzen, die Baukosten der Münchner Wohnen von derzeit etwa 6000 Euro pro Quadratmeter zu senken. Eine Zielzahl wollte er nicht nennen. Das erledigte sein Aufsichtsratschef Reiter: „Ein Drittel sollte es schon werden, das bekommt die Privatwirtschaft auch hin.“ Das wären etwa 4000 Euro. Erreichen will die Münchner Wohnen das, indem sie etwa die Baustandards senkt und auf serielles Bauen setzt.
Das zweite Großthema neben dem Neubau ist die Sanierung des Bestands, der teils erheblich in die Jahre gekommen ist. Eigentlich hat die grün-rote Koalition der Münchner Wohnen vorgegeben, jährlich vier Prozent des Bestands zu sanieren, vor allem um den CO₂-Ausstoß zu mindern. Geschafft hat sie bisher nur 0,7 (2024) und 0,1 Prozent (2025), für dieses Jahr plant sie mit 4,6 Prozent.
Meier und Franzen müssen das verstetigen. Sie betonten, sie hätten in Berlin intensiv Gebäudesanierung betrieben. „In meiner Zeit“, berichtete Franzen, „haben wir das Märkische Viertel mit 13 000 Wohnungen komplett saniert und zur ersten klimaneutralen Großsiedlung in Deutschland gemacht.“ Meier versprach für den neuen Job in ihrer Geburtsstadt München: „Ich will hier all meine Erfahrung, mein Können und meine Kraft einsetzen.“

