Treffen nach Antisemitismus-VorwürfenBeteiligte sprechen von respektvollem Austausch über die "Vögel"

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Die Inszenierung von "Vögel" in München: Das Metropoltheater hatte das Stück Mitte November vom Spielplan genommen.
Die Inszenierung von "Vögel" in München: Das Metropoltheater hatte das Stück Mitte November vom Spielplan genommen. Jean-Marc Turmes

Nach der Absetzung des Stücks am Münchner Metropoltheater treffen sich Kritiker, Intendant und Politiker vertraulich im Rathaus. Vereinbart wird eine wissenschaftliche Aufarbeitung - doch auch hier zeichnen sich Kontroversen ab.

Von Heiner Effern, Anna Hoben, René Hofmann und Yvonne Poppek

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Erstmals seitdem jüdische Studenten schwere Antisemitismus-Vorwürfe gegen das Metropoltheater und das dort gespielte Stück "Vögel" erhoben hatten, sind die Kritiker und Intendant Jochen Schölch zu einem Gespräch zusammengetroffen. Knapp zwei Stunden währte der Austausch am Dienstagabend, den am Tag danach alle Beteiligten als gelungenen Beginn eines Dialogs einstuften. Respektvoll und konstruktiv sei die Atmosphäre gewesen, auf diese Sprachregelung hatte man sich nach dem vertraulichen Treffen geeinigt.

Konkrete Ergebnisse vermeldeten die Parteien nicht, solche waren auch nicht erwartet worden. Konsens fand eine wissenschaftliche Aufarbeitung der Vorwürfe, die nun auf den Weg gebracht werden soll. Das bestätigten Intendant Schölch und eine Sprecherin von Kulturreferent Anton Biebl. Schölch sprach von einem respektvollen Umgang und erklärte, "dass man sich zugehört hat". Weiter wollte er den Abend nicht kommentieren. Auch Michael Movchin, Vorstandsvorsitzender des Verbands jüdischer Studenten in Bayern (VJSB) erlebte einen "respektvollen Austausch".

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Ob sich die vereinbarte wissenschaftliche Aufarbeitung ausschließlich auf das abgesetzte Stück beziehen soll oder weiter geht? Hierzu - wie zu allen anderen Fragen auch - gibt es mit Verweis auf die vereinbarte Vertraulichkeit keine weiteren Antworten. Sowohl Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) wie auch die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG) wollten sich nach dem Gespräch, an dem sie nicht beteiligt waren, nicht positionieren.

Eingeladen zu dem Gespräch am Dienstagabend hatte die Fraktion der Grünen. Am Treffen in ihren Räumen im Rathaus waren zwei Vertreter der Studenten, Intendant Schölch, Kulturreferent Biebl und jeweils eine Person pro Seite zur fachlichen Unterstützung beteiligt. Außerdem war die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) vertreten und von der Stadtpolitik die beiden Fraktionschefs der Grünen, Mona Fuchs und Dominik Krause, sowie Stadtrat Felix Sproll (Volt) für den Koalitionspartner SPD/Volt. Knapp zwei Stunden saßen die Gesprächsteilnehmer zusammen. Freilich habe man in der Kürze der Zeit die Dinge nicht abschließend klären können, man wolle weiter im Gespräch bleiben, hieß es danach.

Es gibt Stimmen, die historische Forschungsexpertise vermissen

Aus den Reaktionen der Beteiligten lässt sich lesen, dass der Dialog zumindest nicht gescheitert ist. Es zeichnet sich aber auch ab, dass es durchaus Kontroversen geben könnte, wie eine Aufarbeitung organisiert sein soll. Der VJSB und die ebenfalls vertretene Jüdische Studierendenunion Deutschland (JSUD) waren mit klaren Vorstellungen ins Gespräch gegangen, wer einer wissenschaftlichen Kommission angehören sollte: Jakob Baier (Politikwissenschaftler), Stella Leder (Kultur- und Literaturwissenschaftlerin) und Lars Rensmann (Politikwissenschaftler).

Es gibt Stimmen, die bei dieser Auswahl historische Forschungsexpertise vermissen. Umgekehrt wiederum lassen sich auch Vorbehalte vernehmen gegen die Einbindung von Mirjam Zadoff, der Direktorin des NS-Dokumentationszentrums, oder Bernhard Purin, dem Direktor des Jüdischen Museums München. Beide hatten in einer über das Kulturreferat verschickten gemeinsamen Erklärung in der vergangenen Woche erklärt: "Die innerjüdische Erinnerung an den Holocaust ist eine vielstimmige." Und: "Wenn Kultureinrichtungen diese Themen zukünftig meiden, wäre das für eine lebendige Erinnerungskultur aber auch für die demokratischen Kräfte auf beiden Seiten des Nahostkonfliktes ein falsches Signal."

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Kommt das Stück noch einmal auf den Spielplan des Metropoltheaters?

Scharfe Kritik an der Absetzung des Stückes äußerte unterdessen Hanno Loewy, der Direktor des Jüdischen Museums Hohenems. In seiner Rede zur Eröffnung der Ausstellung "Die letzten Europäer" im Jüdischen Museum in München sagte er am Dienstagabend: "Ich hätte gerne in München das Stück ,Vögel' besucht, ein Stück, das jetzt in dieser Stadt von selbsternannten jüdischen Studentenvertretern als ,antisemitisch' denunziert und abgeschossen wurde." Indem es "den Wunsch nach eindeutigen Identitäten schmerzhaft in Frage stellt", repräsentiere das Stück genau das, "wofür jüdische Europäerinnen und Europäer einmal eingestanden sind". Auch die Aufarbeitungsbemühungen sieht Loewy kritisch: "Mal sehen, ob es jetzt in München auch noch eine einschlägig besetzte ,Expertenkommission' geben wird, für die die ,passenden' Fachleute für Zensur und Denunziantentum, ja schon in Stellung gebracht worden sind." Die Rede hörte auch Kulturbürgermeisterin Katrin Habenschaden (Grüne), die am Wochenende gesagt hatte, die Absetzung sei richtig gewesen.

Ob das Stück noch einmal auf den Spielplan kommt, hält Intendant Schölch offen. In seinem Haus werden die Inszenierungen stets eine Weile ensuite gespielt, dann abgesetzt und zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgenommen. Eine Aufnahme im Winter oder Frühjahr kommenden Jahres von "Vögel" sei also ohnehin nicht geplant gewesen. Insofern habe er jetzt Zeit, sich mit der Frage in Ruhe auseinanderzusetzen. "Es ist auf der Agenda, wie gehen wir mit dem Text um." Bei dem Treffen am Dienstagabend soll die Frage nach einer Wiederaufnahme nicht diskutiert worden sein.

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