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Hauptbahnhof München:Angreifer wollte gezielt einen Polizisten mit Messer töten

Messerattacke auf einen Polizisten am Hauptbahnhof München

Am Münchner Hauptbahnhof ist am Montagmorgen ein Polizist von hinten mit einem Messer attackiert und schwer verletzt worden.

(Foto: dpa)

Der 23-Jährige, der am Montag einen Beamten schwer verletzt hat, nennt "allgemeinen Hass auf die Polizei" als Grund für seine Attacke. Er ist nun in der Psychiatrie untergebracht.

Nach der Messerattacke auf einen Polizisten am Hauptbahnhof ist der Tatverdächtige in der geschlossenen Psychiatrie untergebracht worden. Laut einem ersten Gutachten habe der 23-Jährige während des Angriffs "unter einer akuten psychischen Erkrankung" gelitten, die ihn "in seiner Steuerungsfähigkeit erheblich beeinträchtigt" habe, sagte Josef Wimmer, der Leiter der Mordkommission. Woran er genau litt, teilte er nicht mit. Der Mann habe als Motiv einen "allgemeinen Hass auf die Polizei angegeben", er habe gezielt einen Polizisten töten wollen. Die Staatsanwaltschaft wertet das als versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung, ein Ermittlungsrichter erließ am Dienstag einen Unterbringungsbefehl, keinen Haftbefehl, weshalb der Verdächtige nun in einem Krankenhaus ist, nicht im Gefängnis.

Laut Polizei rammte der Mann am Montag gegen 6.30 Uhr einem 30 Jahre alten Polizeiobermeister ein Messer von hinten in den Nackenbereich und verletzte ihn dadurch schwer. Die Waffe war ein Haushaltsmesser mit einer etwa zehn Zentimeter langen und sieben Millimeter breiten Klinge, dieses habe der Angreifer "gezielt mit sich geführt, um es gegen Polizeibeamte einzusetzen", sagte Wimmer. Sein Opfer habe er nicht ausgesucht, weil er es gekannt habe, sondern schlicht deshalb, weil der 30-Jährige ein Polizist gewesen sei. Auch habe der mutmaßliche Täter bei der Vernehmung kein konkretes, womöglich traumatisches Erlebnis genannt, das seinen Hass auf Polizisten ausgelöst habe.

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Die Tat ereignete sich, während der Polizist zusammen mit einem 40-jährigen Kollegen im Sperrengeschoss des Hauptbahnhofs einen Eritreer kontrollierten. Die Kontrolle verlief laut Polizei ruhig und unkompliziert ab, als der 23-Jährige unvermittelt von hinten an die Polizisten herantrat und einem das Messer in den Nackenbereich rammte. Dabei brach die Klinge ab, sie wurde in einer Notoperation entfernt. Der Polizist sei ansprechbar, sein Rückenmark geschädigt, sagte Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins. Ob diese Schäden von Dauer seien, werde sich erst in den nächsten Tagen und Wochen zeigen. Die Verletzung lasse "erhebliche Schädigungen befürchten", sagte Innenminister Joachim Herrmann. "Ein Einzeltäter mit psychischen Störungen ist etwas, wogegen es keine hundertprozentige Absicherung geben wird und geben kann."

Nach der Attacke wurde der 23-Jährige von dem Streifenkollegen und Passanten zu Boden gebracht - dabei halfen auch der kontrollierte Eritreer und zwei zufällig anwesende Beamte des Zolls und der Polizei mit. Mit ihren und den Aussagen anderer Zeugen versucht die Polizei nun, das Geschehen zu rekonstruieren. Trotz vieler Überwachungskameras am Hauptbahnhof gibt es von der Tat selbst keine Aufnahmen, sie ereignete sich in einer Ecke neben einer breiten Säule.

Der Verdächtige, der in München gemeldet ist, taucht mehrfach im Polizeicomputer auf, im vergangenen Jahre habe er selbst einmal die Polizei um Hilfe gebeten, weil es ihm schlecht gehe, erläuterte Wimmer. Eine Gefahr für andere sei bei ihm bislang aber nicht erkennbar gewesen, sagte Innenminister Herrmann. Vor zwei Jahren habe er sich bereits bei einem Suizidversuch mit einem Lastwagen massiv verletzt. Vorbestraft ist er laut Staatsanwaltschaft wegen zweier Diebstähle und eines Hausfriedensbruchs. Wegen seiner Erkrankung ist er erwerbsunfähig. Nach eigenen Angaben habe er generell Drogen konsumiert, betrunken sei er während der Tat aber wohl nicht gewesen.

Seit der Tat erfahre die Polizei eine "unbändige Welle der Solidarität", sagte da Gloria Martins. "Gleichwohl sind aber auch geistige Brandstifter unterwegs, die die unsägliche Frage nach der Nationalität stellen", sagte er mit Blick auf viele entsprechende Kommentare im Netz und in sozialen Medien, die der Polizei vorwarfen, zu vertuschen, dass der Angreifer ein Ausländer sei. "Wir lassen uns nicht politisch instrumentalisieren." Der Tatverdächtige ist laut Polizei Deutscher.

© SZ.de/kast
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