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Wirtschaft:Messe München will nach Corona-Zwangspause durchstarten

Messe München, 2018

16 400 Arbeitsplätze hängen in München indirekt von den Meseveranstaltungen ab.

(Foto: Florian Peljak)

Mit der Immobilienmesse Expo Real soll es im Oktober wieder losgehen. Bislang wird mit einem Umsatzverlust von bis zu 240 Millionen Euro gerechnet.

Die Münchner Messegesellschaft will im Oktober mit der Expo Real wieder durchstarten. Nach der Zwangspause während der Corona-Krise wird die Immobilienmesse die erste größere Veranstaltung auf dem Gelände in Riem sein. Eine speziell entwickelte Handy-App, die Abstände zwischen den Besuchern misst, und strenge Hygienevorgaben gehören zu den Vorsichtsmaßnahmen, die wegen der Pandemie entwickelt wurden. Messe-Chef Klaus Dittrich erhofft sich von dem Neustart einen Schub für die Wirtschaft weit über die Grenzen Münchens hinaus. Laut einer Studie des Ifo-Instituts sorgt jeder Euro Umsatz auf der Messe für zehn Euro Umsatz bundesweit. Das sind durchschnittlich 3,3 Milliarden Euro pro Jahr.

Die Absagen der von der Messegesellschaft organisierten Veranstaltungen in München und auch im Ausland wie China und Indien haben ein tiefes Loch in die Bilanz der GmbH gerissen. Mit einem Umsatzverlust von 230 bis 240 Millionen Euro rechnen die Münchner in diesem Jahr. Im Vorjahr lag der Gesamtumsatz bei 480 Millionen Euro. Unter der Zwangspause von Messen und Veranstaltungen hat die Wirtschaft massiv gelitten. Laut Ifo-Studienleiter Horst Penzkofer, der die Zahlen am Mittwoch vorstellte, sorgen Messen in normalen Jahren allein in München für eine zusätzliche Kaufkraft von fast 1,8 Milliarden Euro. Davon profitieren das Hotelgewerbe, die Gastronomie, Reiseveranstalter, Messebauer, Sicherheitsfirmen und viele mehr. Auch Kongresse, deren Teilnehmer durchschnittlich 1000 Euro bei ihrem Aufenthalt in München ausgeben, gehören zu den gern gesehen Gästen, die in den vergangenen Monaten allerdings ausblieben. Wie wichtig die Veranstaltungen für den Arbeitsmarkt sind, zeigt eine andere Zahl: 16 400 Arbeitsplätze hängen in München davon indirekt ab.

Dittrich bezeichnete das Messegeschäft als "unglaublichen Hebel, um die Wirtschaft zu beleben". Deshalb sei der Neustart so wichtig. In den vergangenen Wochen warb der Messe-Chef bei der bayerischen Staatsregierung, die neben der Stadt Gesellschafter der Messe-GmbH ist, um ein möglichst baldiges Ende des Veranstaltungsverbots. "Wir sind keine Volksfeste oder Fußballspiele", betonte Dittrich. Mit ihrem ausgeklügelten Infektionsschutzkonzept könne die Messe bei Ausstellern und Besuchern ein hohes Maß an Sicherheit garantieren. Breitere Gänge in den Hallen, mehr Reinigungspersonal, der medizinische Dienst vor Ort und nicht zuletzt die Handy-App, die im Infektionsfall anonym die Kontaktpersonen des Betroffenen informiert, gehören zu diesem Konzept. "Das Risiko bei einem Messebesuch dürfe nicht größer sein als beim Einkaufen im Supermarkt", so Dittrich weiter. Seinen Angaben zufolge hat sich auch die Hotellerie auf die veränderten Rahmenbedingungen eingestellt. So seien Stornierungszeiten für gebuchte Zimmer deutlich verkürzt worden. Der Freistaat erlaubt Messen und Kongresse wieder vom 1. September an.

Einen deutlichen Aufwind für das Messegeschäft erhofft sich Dittrich im kommenden Jahr von der Internationalen Automobilausstellung. Die IAA wird im September 2021 erstmals in München stattfinden und soll der Wirtschaft ebenfalls mehrere Hundert Millionen Euro an Kaufkraft bescheren. Dittrich wandte sich mit diesem Argument ausdrücklich an die Kritiker der Autoshow, die weite Teil der Stadt in Beschlag nahmen soll.

© SZ vom 04.06.2020/fema

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