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Traditionsbiergarten an der Isar:Stadt untersagt Pläne für Sanierung der Menterschwaige

Die Menterschwaige kurz vor ihrer Eröffnung 2011. Ob es sie nach der Corona-Krise noch geben wird, ist weiterhin ungewiss.

(Foto: Claus Schunk)

Die Behörde verweigere ihre Genehmigung vor allem aus Denkmalschutzgründen. Der örtliche Bezirksausschuss will dagegen den Neubau zur Rettung des Biergartens in Kauf nehmen.

Von Julian Raff

Frühling und Aerosolforschung lassen gerade zarte Hoffnung auf einen Biergartensommer keimen. Doch für die beliebte Menterschwaige im Münchner Süden bleibt die Zukunft auch über Corona hinaus ungewiss: Die Lokalbaukommission (LBK) der Stadt hat die Pläne des Investors für Modernisierung und Ausbau des historischen Gutshofs abgelehnt.

Vor gut 1000 Jahren erstmals urkundlich erwähnt, gehörte das Gut später über drei Jahrhunderte lang den Wittelsbachern und lockt die Münchner seit Beginn des 19. Jahrhunderts als Gasthaus ans Isarhochufer. Die heutigen Gebäude und der Biergarten mit 1800 Plätzen entstanden 1899.

Im vergangenen Herbst verkaufte die Wirtefamilie Kuffler das Areal an die "Qcoon real estate" des Karlsruher Investors Dieter Pawlik. Pächter bleibt der Nockherberg-und Wiesnwirt Christian Schottenhamel. Ein Ende 2020 eingereichter Plan des neuen Eigentümers umfasst die umfangreiche Innen- und Außensanierung des denkmalgeschützten Bestandes, vor allem aber einen Neubau am Rand des Biergartens für die Schank-, Brotzeit und Grillstände und den Großteil der insgesamt 34 geplanten Gästebetten.

Gasthaus Menterschwaige

Der Ende 2020 von Wiesnwirt Christian Schottenhamel eingereichte Plan sieht unter anderem einen Neubau am Rand des Biergartens für die Schank-, Brotzeit und Grillstände vor.

(Foto: Pott Architects)

Wie LBK-Sprecher Thorsten Vogel mitteilt, verweigert die Behörde ihre Genehmigung vor allem aus Denkmalschutzgründen: Das Grundstück liege zwischen Gartenstadt und Isarauen in einem "städtebaulich und landschaftlich sensiblen Raum". Zudem stünden eine Grunddienstbarkeit und Vereinbarungen aus den Achtzigerjahren weiterer Bebauung entgegen, beides mit dem Ziel, den Biergarten zu erhalten. Dazu bekennt sich auch Qcoon-Sprecher Ralf Kunkel. Die "Entscheidung am Grünen Tisch" habe ihn aber doch "überrascht und erstaunt". Es habe keine Ortstermine oder Zwischenberatungen gegeben, bestätigt auch Vogel. Solche zu beantragen, sei aber "Holschuld" des Bauherren.

Vor-Ort-Gespräche lassen sich, wie beide Seiten betonen, durchaus nachholen. Dabei wollen Investor, Wirt und Architekt Bastian Große Halbuer die Stadt überzeugen, dass das Sammelsurium von Anbauten für Toiletten, Schänken und Standln besser im neuen Anbau gebündelt wäre. Vor allem das östliche Entree in Form eines ältlichen Klohäuschens ziere das Gelände nicht. Die Sanierung ohne Neubau kommt aus Investorensicht nicht in Frage. Sollte die Stadt dies anders sehen, müsse man sich eventuell nach Alternativen umsehen.

Den Biergarten retten und dafür den Neubau in Kauf nehmen wollen auch die Politiker im örtlichen Bezirksausschuss (BA), wo unter anderem Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner für die CSU sitzt und das Projekt verteidigt. Vertreter von SPD und Grünen weisen auf den großen Zulauf aus Giesing hin, die Menterschwaige sei kein Schicki-Lokal, sondern ein Biergarten für alle. Der BA hatte zuletzt nur geringe Änderungswünsche beim Neubau und sorgte sich vor allem um die alten Kastanien. Vorerst müssten aber nur drei alte, fast abgestorbene Bäume fallen, versichert Schottenhamel.

© SZ vom 16.04.2021/kafe
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