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Einheitliches Mehrwegsystem:Wirten helfen, Umwelt schonen

Recircle Pfandgeschirr auf dem Viktualienmarkt in München, 2019

Könnte Vorbild sein: Die "Suppenküche" auf dem Viktualienmarkt hat bereits 2019 ein Mehrwegsystem zum Transport von Speisen vorgestellt.

(Foto: Catherina Hess)

Der Bezirksausschuss will Gastronomen beim Aufbau eines Mehrwegsystems unterstützen. So soll vermieden werden, dass der Abholservice von Restaurants in Corona-Zeiten Müllberge verursacht.

Von Hubert Grundner, Obergiesing/Fasangarten

"Support your locals" hat die SPD-Fraktion ihren Antrag übertitelt, den der Bezirksausschuss (BA) 17 in seiner jüngsten Sitzung mit großer Mehrheit verabschiedet hat. Der Antrag zielt darauf ab, in Zeiten von Corona zum einen Gastronomie und Handel am Ort zu unterstützen und zum anderen die Umweltbelastung zu senken.

Zu dem Zweck soll den Gastronomen eine Anfangsinvestition zugesagt werden, um ein Mehrwegsystem für Take-away, Delivery und Convenience Food einzuführen. Könnten sich die Gastronomen auf ein möglichst einheitliches Mehrwegsystem für den Stadtbezirk einigen, so die Überlegung der Sozialdemokraten, würde das die Kosten deutlich senken. Bei einem Treffen mit Giesinger Gastronomen sollen BA-Vertreter deshalb die Idee besprechen und auf ein einheitliches System hinwirken.

Gerade die vergangenen Wochen der Covid-19-Pandemie hätten gezeigt, dass die Menschen zwar einerseits oft Essen bei "ihren" Restaurants bestellen und damit auch die Gastro-Szene am Leben halten wollen. Doch das verursache auch ungeheure Müllberge, heißt es in der Begründung des Antrags. "Jetzt müssen wir als Bezirksausschuss die Lokalinhaber nachhaltig unterstützen, denn die vielfältige Lokalszene ist wichtig für unseren Stadtteil", betont Birgit Knoblach, die den Antrag zusammen mit ihrem Kollegen Felix Palm (beide SPD) einbrachte. Palm ergänzt dazu noch: "Wir müssen dazu möglichst kreative, aber auch nachhaltige Ideen entwickeln, die durch das Stadtbezirksbudget unterstützt werden können."

Die Situation habe sich zwar etwas entspannt und Restaurants dürften wieder öffnen. Doch wegen der Abstandsregeln könne nur eine begrenzte Anzahl von Gästen bewirtet werden. Um den überlebenswichtigen Umsatz sicherzustellen, bieten deshalb viele Gaststätten ihre Speisen auch "to go" an - eine Beobachtung der örtlichen SPD, die sich aber auch sonst im ganzen Stadtgebiet machen lässt. Jedenfalls gehen die Giesinger Sozialdemokraten davon aus, dass noch lange kein Ende von Corona in Sicht ist. Und deshalb werde der Anteil der gelieferten beziehungsweise abgeholten Speisen aller Voraussicht nach in absehbarer Zeit weiter wachsen.

"Wir können beides gleichzeitig - Unterstützung der lokalen Szene und die Vermeidung von Verpackungsmüll. Wir wünschen uns ein Mehrwegsystem, das in Giesing schnell und unkompliziert umgesetzt wird", bekräftigen Knoblach und Palm. Erste Gespräche zeigten, dass dies möglich ist. München könne und solle "eine zero-waste-City sein", also eine Stadt, in der möglichst kein Abfall entsteht, wie das hochgesteckte Ziel frei übersetzt lautet. Knoblach und Palm geben sich jedenfalls entschlossen: "Wir fangen in unserem Stadtteil an. Damit ist Giesing Pionier."

Kosten sollen für die Gastronomen möglichst keine anfallen: "Lokalinhaberinnen und -inhaber können derzeit keine weiteren Kosten tragen, aber hier könnten wir als Bezirksausschuss unterstützend einspringen", so Knoblach und Palm. Dabei müsste das Gremium noch zu einem späteren Zeitpunkt darüber abstimmen, bis zu welchem Maximalbetrag er Zuschüsse gewähren will. Vonseiten der SPD-Fraktion gibt man sich jedenfalls überzeugt: "Besonders sinnvoll ist es, für Giesing ein weitgehend flächendeckendes Mehrwegsystem zu etablieren. Das hilft der Gastronomie und den Gästen." Erste Gespräche von Vertretern des Unterausschusses Arbeit und Wirtschaft mit Wirtsleuten, Restaurant- und Barbetreibern sind bereits geplant und sollen in Kürze stattfinden.

© SZ vom 26.06.2020

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