Als Anna Ertl einen Tag vor Abflug Mitte Oktober ans Telefon geht, sagt sie: „Ich bin relativ entspannt.“ So klingt sie auch: ruhiger Tonfall, feste Stimme, keine „Ähs“ oder Sprechpausen, bevor sie mit ihren Antworten ansetzt. Nichts an dem bevorstehenden zweiwöchigen Einsatz, in dem sie in Uganda Gefängnisinsassen medizinisch versorgt, würde ihr Leben akut gefährden, sagt sie. Da spricht die Vernunft. Doch ein paar Wochen später, als die Ärztin einem gegenübersitzt und sich ein Glas Sprudelwasser einschenkt, sagt sie: „Aber wenn man dann in diesem Innenhof steht, sich umguckt und die schiere Masse an Häftlingen sieht, das waren in manchen Gefängnissen 2000 Insassen, da fragt man sich dann schon, was wäre wenn.“
Ärztin über ihre humanitären Einsätze„Genau deswegen habe ich Medizin studiert“
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Fünfmal hat Anna Ertl bereits humanitäre Hilfe im Ausland geleistet. Wie es ist, vor 2000 Häftlingen in einem ugandischen Gefängnis zu stehen – und weshalb der Ärztin solche Einsätze manchmal lieber sind als ihre Arbeit daheim.
Von Johanna Feckl
