SZenario:Warten auf Alexander Zverev

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SZenario: Auf diesen Moment haben die Fotografen gewartet: Tennispieler Alexander Zverev und seine Freundin Sophia Thomalla kommen zur Players Night bei den BMW Open.

Auf diesen Moment haben die Fotografen gewartet: Tennispieler Alexander Zverev und seine Freundin Sophia Thomalla kommen zur Players Night bei den BMW Open.

(Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images)

Bei den BMW Open sind einige der weltbesten Tennisspieler am Start. Aber die Fotografen interessieren sich nur für den deutschen Olympiasieger. Dafür brauchen sie Geduld.

Von Thomas Becker

Natürlich besteht so eine Players Night bei den BMW Open aus mehr als dem Schaulaufen am roten Teppich. Aber so schön ausgeleuchtet bekommt man die 350 Gäste halt nicht mehr zu sehen, wenn sie erst mal einen Stock höher im Gewusel des Golden Raquet Clubs verschwunden sind. Dort, wo sonst die Mitglieder des MTTC Iphitos auf den Plätzen fünf und sechs den Schläger schwingen, wird im April stets ein VIP-Zelt aufgebaut, als Zentrum des sozialen Lebens bei diesem so traditionsreichen wie internationalen Tennisturnier. Für Freunde des Weißen Sports ist diese Woche in der Tat ein Fest, denn bei keinem anderen Turnier dieser Güteklasse kommt man den Weltklassespielern so nah wie am Aumeisterweg. Und bevor es so richtig los geht, nimmt man sich noch ein wenig Zeit zum Feiern.

Zunächst heißt es aber warten. Auf Alexander Zverev. Um halb acht sollte die Sause beginnen, doch der Olympiasieger und Weltranglisten-Dritte lässt auf sich warten. Zeit zu schauen, wer sonst noch da ist. Michael Stich zum Beispiel. Der Ex-Wimbledonsieger und Boris-Becker-Antipode posiert mit Turnierdirektor Patrik Kühnen und schneidet in der Wer-hat-sich-besser-gehalten-Wertung ein knappes Pölsterchen schlechter ab als der hyperdrahtige Kühnen. Die beiden haben später noch ihren Auftritt. Den nimmt sich vor den Fotografen die TV-Moderatorin Anna Kraft, die sich bei der Garderobenwahl ein wenig Bauchfreiheit verschafft hat - warum auch nicht? Die elf Grad und Nieselregen sind ja vor der Tür. Martin Krug hat sein bestes St.-Pauli-Shirt angezogen, Showact Joris macht wenig Aufhebens um sich, Unterhaching-Coach Sandro Wagner spart sich die Teppich-Show und kürzt ab, mitten durch die Mixed Zone. Sonst so? Wer definitiv fehlt, ist der frühere Turniersponsor Manfred Dirrheimer, der die Party jahrelang verlässlich mit den schrillsten Sakkos bereicherte, gern auch mal in Glitzergold.

So viel Lametta ist nicht mehr. Eine Fashion-Regel gibt es aber: Die unscheinbaren jungen Männer, die in Sneakern und Streetwear unfotografiert durchs Bild huschen, das sind die Stars, einige der weltbesten Tennisspieler. Da muss der Pressesprecher des Turniers den Fotografen schon auf die Sprünge helfen: "Jetzt kommt ein Guter!" Oder: "Das ist die Nummer sieben der Welt!" Nur bei der Nummer 17 drücken sie alle den Auslöser: Der Amerikaner Reilly Opelka ist mit seinen 2,11 Metern einfach ein Hingucker. Michael Kohlmann, Bundestrainer und Kapitän des deutschen Davis-Cup-Teams? Kein Foto wert.

Den Zverev kennen sie natürlich alle, aber der kommt und kommt einfach nicht. Oben im Saal brennt den Käfer-Köchen allmählich das Barbecue an, es geht auf halb neun, als sich an der Promi-Front doch noch etwas tut: Jens Lehmann! Doch der Ex-Torwart hat es eilig, rauscht vorbei "Bleib doch mal stehen!", fleht ein Fotograf, vergebens. Gut, dass dann endlich Alexander Zverev kommt, mit seiner Freundin Sophia Thomalla im kurzen Schwarzen. Zverev berichtet, wie sehr er dieses kleine, schnuckelige Turnier mag, Thomalla erzählt, dass sie ihrem Freund nur bis Mittwoch beistehen kann, dann geht es zum Moderieren nach Griechenland. Hätten wir das also auch.

Jetzt aber ab in den Saal! Da steht die Luft! War das früher auch so krass? Oder ist man so ein geballtes Partyvolk einfach nicht mehr gewohnt? Nur einer trägt Maske: Michael Stich. Für die Laudatio mit Kühnen nimmt er sie ab. Die Doppelpartner, die 1993 mit einem Sieg gegen das australische Wunder-Duo Woodbridge/Woodforde einst halfen, den Davis-Cup-Titel nach Deutschland zu holen, verleihen den Iphitos-Award an eines der weltbesten Doppel: Kevin Krawietz und Andreas Mies. Die hatten nach langer Verletzungspause tags zuvor mit einem Turniersieg in Barcelona ein märchenhaftes Comeback gefeiert. Und wer den frisch Geehrten aus nächster Nähe in die strahlenden Gesichter blicken kann, der versteht sofort, was sie antreibt: die Leidenschaft für diesen wunderbaren Sport, der aber auch so grausam sein kann. Vielleicht sieht man es ja auf den Fotos.

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