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Maxvorstadt:Fast wie auf der Reeperbahn

Anwohner wollen an der Karlstraße keine 24-Stunden-Szene. Der Bezirksausschuss fordert die Stadt auf, die Ansiedlung und den Betrieb von Wettbüros und Tabledance-Bars in Wohngebieten restriktiver zu regeln.

An der Kreuzung Karlstraße/ Dachauer Straße hat sich das Bahnhofsmilieu offenbar in Richtung Norden verlagert, was der Bezirksausschuss Maxvorstadt (BA 3) nicht hinnehmen möchte. Auf Antrag der SPD fordert der BA die Stadt auf, Ansiedlung und Betrieb von Wettbüros und Tabledance-Bars in Wohngebieten restriktiver zu regeln, wenn möglich per Satzung und nicht mehr am Einzelfall. Außerdem hat sich in diesem Eck, wie auch an der Luisenstraße, offenbar eine, so der SPD-Antrag, "lebendige Trinkerszene etabliert", die wohl durch die Bauarbeiten am Hauptbahnhof hierher verdrängt wurde.

Tätig wurde der BA, nachdem am Südwesteck der Kreuzung Dachauer/ Karlstraße ein Wettbüro in einem früheren Friseurgeschäft eröffnete, sowie schräg gegenüber, in der Karlstraße 54, eine Tabledance-Bar, in loser Nachfolge der ebenfalls milieuspezifischen "Eve Bar". Der Betreiber der Tabledance-Bar hat nun eine komplette Aufhebung der Sperrzeit beantragt. Rechtlich wäre ein 24-Stunden-Betrieb im hiesigen Kerngebiet nicht ausgeschlossen. Der BA sieht dadurch allerdings die Anwohner, darunter viele Familien, übermäßig belastet. Zudem befindet sich in der Nähe eine Kindertagesstätte und eine Einrichtung für obdachlose Frauen. "Wir brauchen dort keine Verhältnisse wie auf der Reeperbahn", fasste Mit-Antragsteller Hans-Stefan Selikovsky (SPD) zusammen.

Unnötig behelligt fühlen sich die Anwohner auch durch Großbildschirme im Schaufenster, die das Geschehen im Inneren bewerben. Selbst, falls die Bilder nicht direkt jugendgefährdend seien, möchte sie ihrer siebenjährigen Tochter den Anblick zur Schlafenszeit ersparen, so eine Nachbarin im BA. Weitere Anwohner schilderten das Treiben auf der Straße, auf der sich alkoholisierte oder anderweitig zugedröhnte Personen mit Campingstühlen häuslich eingerichtet hätten - natürlich ohne Toiletten, mit den absehbaren Folgen. Aus BA-Sicht ein klarer Fall für Streetworker, den kommunalen Außendienst (KAD) oder notfalls für neue Verordnungen.

© SZ vom 23.01.2020/amm
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