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Kostprobe:Ein Italiener für die Nachbarschaft

Die Atmosphäre stimmt in der Trattoria Agusto 77, doch beim Essen überzeugt das Lokal nicht immer

Eines ist beim Betreten des Agusto 77 in der Augustenstraße sogleich zu spüren: Diesen Italiener hat die Nachbarschaft angenommen oder vielmehr wohl ins Herz geschlossen. Bei unserem Besuch an einem Freitagabend war die wohlige, wenn auch sehr enge Trattoria bis zum letzten Platz ausgebucht, und darunter waren einige Stammgäste. Die Atmosphäre stimmte - was sich bei Essen und Getränken leider nicht in jeder Hinsicht sagen ließ.

Tina von Norden wollte den Abend mit einem Prosecco (4,20 Euro) beginnen, und dies war die erste Enttäuschung. Nichts prickelte da im Glas, das wurde reklamiert, prompt stand doch noch der bitzelnde Aperitiv auf dem Tisch. Bei der Bestellung der Vorspeisen passierte leider der nächste Patzer, ausgerechnet das als "Highlight der Woche" gepriesene Thunfischtartar war aus, was uns aber erst beim Bestellen mitgeteilt wurde. Verwunderlich erschien nun außerdem, dass es zwar kein Thunfischtartar gab - andere Thunfisch-Gerichte aber weiter im Angebot waren.

Agusto 77

Qualität: ● ● ● ○ ○

Service: ● ● ● ● ○

Ambiente: ● ● ● ○ ○

Preis/Leistung: ● ● ● ● ○

Augustenstraße 77

Telefon: 089 - 45 20 69 69

www.agusto77.de

Öffnungszeiten

Mo.- Sa. 11 bis 23 Uhr

So. 12-22 Uhr

Statt Thunfischtartar bestellte Tina von Norden das Lachs-Carpaccio (13,90), das mit Kirschtomaten und einer üppig bemessenen, guten halben Avocado kam. Den Fisch haben wir anderswo schon frischer erlebt, aber ansonsten war der Geschmack tadellos. Die Begleiter entschieden sich für die gemischten Antipasti (14,50 Euro), die mit Vitello Tonnato, gegrilltem Scamorza, Verdure und Caprese ordentlich daherkamen, aber nicht wirklich begeisterten. Es war gutes Mittelmaß. Die Salatkreation Tonno mit gebratenen Thunfisch-Würfeln (die zwar Streifen waren), Blattspinat (den haben wir wohl übersehen) und Mango und Fenchel (17,90 Euro) war dafür wohlschmeckend und ob des Garpunkts des Tuna herrlich, die beste Wahl der Vorspeisen.

Bei Stammgästen beliebt: das Agusto 77 in der Augustenstraße.

(Foto: Stephan Rumpf)

Der anfangs von uns gewählte Wein, ein Re Famoso (25 Euro), entpuppte sich als blasses Getränk. Auch wenn uns solche Preise schrecken, entschieden wir uns danach für einen 2015er Chardonnay Lafóa (es wurde 2017er Jahrgang serviert) von der Kellerei Schreckbichl (60 Euro). Dieser war ganz wundervoll cremig, ohne marmeladig oder überbordend zu sein. Ein wirklicher Genuss.

Als Hauptspeisen bestellten wir eine Pizza Vitello (13,50 Euro), die in der Tat vorstellbar ist als eine Pizza, die mit Vitello Tonnato belegt ist. Diese schmeckte gut - ebenso wie übrigens das knusprige Pizza Pane (3,90), man sollte nur keine allzu üppige Vorspeise gewählt haben, um sie zu schaffen. Des weiteren aß einer aus der Runde die Gnocchetti Sardi (14,80 Euro), bei denen es sich nicht um Gnocchi (aus Kartoffeln), sondern um Nudeln handelt - der Name dieses sardischen Gerichts stammt von der äußerlichen Ähnlichkeit der Gnocchetti mit den Gnocchi aufgrund der riffeligen Oberfläche. Serviert wurden sie mit einem kräftigen Ragú, über dessen genaue Zusammensetzung wir noch heute rätseln, aber es war eine solide Wahl. Das Thunfischsteak (19,90) mit Brokkoli erinnerte uns dann wieder daran, dass das Thunfischtartar ja von der Karte gestrichen war. Vermutlich, weil an dem Tag kein richtig frischer Thunfisch im Haus war. So schmeckte es jedenfalls. Weder kam der Fisch so rosa-zart gebraten, wie wir es uns gewünscht hätten. Noch dazu war er mit einer geschmacklich recht intensiven Kräutermischung bepinselt worden. Schade um das Tier.

Als wir das Agusto 77 verließen, riefen wir uns ins Gedächtnis, was wir in der Eigenbeschreibung im Internet gelesen hatten. Dort preist es sich als ein Restaurant, "wie wir es sonst nur aus dem Land, wo die Zitronen blühen, kennen: Mit einer fabelhaften, traditionellen Landesküche, taufrischen Zutaten, Weinen abseits des gängigen Chianti- und Barolo-Mainstreams und einer herzlich gelebten Gastlichkeit". Ganz so euphorisch waren wir nicht, aber wir wissen jetzt, dass es ein ordentlicher Nachbarschaftsitaliener ist. Nicht mehr und nicht weniger.

© SZ vom 09.01.2020
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