Die sogenannte Zentralvermittlungsstelle der Telekom lässt sich gut am mehr als 100 Meter großen, nicht besonders schönen Fernmeldeturm erkennen. Er markiert das „Telekom-Quartier“ in der Maxvorstadt, auf dem sich auch die denkmalgeschützte Kriegsakademie befindet und wo es noch eine verhältnismäßig große unbebaute Fläche gibt, mitten im Zentrum.
Seit gut zehn Jahren beschäftigt sich die Stadt mit der Nachverdichtung des „Telekom-Quartiers“. Nun sollen auf einem Teil des Areals zwischen Pappenheim- und Blutenburgstraße rund 170 neue Wohnungen, eine Kita und Gewerbeflächen entstehen.
Seit März gibt es dafür einen Bebauungsplan der Stadt. Der sieht neben dem Erhalt der Kriegsakademie zwei Neubauten vor. Im Innenhof soll es einen Spielplatz für die Kita geben, und von den handgezählten 73 Bäumen auf dem Areal sollen möglichst viele erhalten bleiben.
Der südliche Neubau soll 49 Wohnungen umfassen, in den ersten beiden Etagen soll die Kita untergebracht werden und in den restlichen ein Großteil der circa 51 geförderten Wohnungen des Quartiers. Dieses Gebäude will der Bauherr, die Strabag Real Estate, als Erstes bauen. Am besten noch in diesem Jahr, hofft Kersten Waltz.
Er ist Bereichsleiter bei Strabag München und sagt im Gespräch mit der SZ, er rechne mit einer Bauzeit von 15 Monaten. Die Planung für den nördlichen Bau sei noch nicht abgeschlossen. Die große Herausforderung sei dabei, auf dem Telekom-Areal zu bauen.
Das liegt demnach neben Feuerwehrzufahrten auch am Fernmeldeturm, an dem sich im Winter Eiszapfen bilden könnten, die für spielende Kinder aus der geplanten Kita gefährlich sein könnten. Durch die lange Planung mache das Projekt wirtschaftlich „lange keinen Sinn mehr“, die Stadt sei aber stets an einer Fortsetzung interessiert gewesen.
Ungewöhnlich ist, dass die Strabag Real Estate relativ kurzfristig vom Bebauungsplan der Stadt abweichen möchte, obwohl der erst im März in Kraft getreten war. Das Gebäude soll sieben Stockwerke umfassen und circa eineinhalb Meter höher ausfallen als ursprünglich geplant, das liege unter anderem an den Anforderungen für die Kita. Die Geschossfläche soll sich um rund 1000 Quadratmeter erhöhen.

Bei einer Sitzung der Stadtgestaltungskommission am Dienstag hat das Planungsreferat zwar Zustimmung signalisiert, Kritik an der Höhe gab es aber von Bernhard Landbrecht, der als Heimatpfleger Mitglied der Kommission ist. „Das Haus ist ein Geschoss zu hoch“, sagte Landbrecht.
Aus Sicht der Denkmalpflege sei die Planung problematisch, für Landbrecht darf der Neubau nicht die ehemalige Kriegsakademie „bedrängen“, die sich durch ihre Backsteinfassade „mit reicher Sandsteingliederung“ aus der Neurenaissance auszeichnet, wie es im bayerischen Denkmal-Atlas heißt. Das Gebäude mit Baujahr 1889 wurde demnach von Gustav Freiherr von Schacky entworfen, 1949 wurde es zu einem städtischen Krankenhaus umfunktioniert. Später gehörte es der Telekom, die es 2017 an die Strabag Real Estate verkauft hat; das Gebäude steht mittlerweile komplett leer, in Zukunft sollen dort Geschäfte einziehen.
Kritik am Entwurf des Neubaus übte während der Sitzung der Kommission, die Projekte auf ihren Einfluss auf das Stadtbild bewertet, auch Architektin Rita Ahlers. Das Denkmal müsse weiterhin das Schwergewicht an der Pappenheimstraße bilden. Am Telefon versichert Kersten Waltz, dass die Planung mit dem Denkmalschutz bereits abgestimmt sei.
Die Fassade des südlichen Neubaus soll in Ockertönen gestaltet sein und so der Kriegsakademie ähneln. Für die Kommission braucht es aber eine Überarbeitung der Fassade, um sich dem Denkmal weiter anzupassen. Die geplante Höhe bewertet Stadtbaurätin Elisabeth Merk dagegen nicht als kritisch.
Auch die Vorsitzende des Maxvorstädter Bezirksausschusses, Svenja Jarchow (Grüne), plädierte in der Sitzung dafür, das Projekt zeitnah umzusetzen. Es gebe in dem Viertel nur wenige Orte, an denen noch nachverdichtet werden könne. Es brauche dringend Wohnraum.

