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Maxvorstadt:Ende der Gemeinschaft

Ob das Paulinum-Wohnheim saniert oder abgerissen wird, ist noch unklar. Probleme gibt es mit dem Brandschutz.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Die Erzdiözese schließt kommendes Jahr das Wohnheim Paulinum, etwa 35 Studierende brauchen eine neue Bleibe. Für sie war das Haus nahe der Kunstakademie mehr als nur ein Dach über dem Kopf

Von Kilian Beck, Maxvorstadt

Das Wohnheim Paulinum an der Rambergstraße wird vor Beginn des Sommersemesters im März 2021 geschlossen, weil es sanierungsbedürftig ist. "Total überrascht" davon wurde Veronika Jaeger, die Sprecherin der Studierenden, die dort wohnen. Ende Juni hat die Erzdiözese München-Freising, die das Wohnheim betreibt, die Bewohner auf einer Vollversammlung über die Pläne informiert. Da von einigen Zimmern und Gemeinschaftsräumen im Brandfall kein zweiter Fluchtweg erreichbar ist, können diese jetzt schon nicht mehr genutzt werden. Durch diese kurzfristige Sperrung in Absprache mit der Branddirektion ist nach Angaben des Erzbistums eine Nutzung des Paulinums bis März 2021 möglich. Dadurch musste niemand ausziehen: "Alle konnten in Zimmern im Haus unterkommen, die frei geworden sind, weil Studierende umgezogen sind oder ihr Studium beendet haben", erklärt Ursula Hinterberger, Sprecherin der Erzdiözese. Seitdem bietet das Paulinum statt 55 nur noch 50 Studierenden verschiedener Fachrichtungen Platz.

Das Haus ist für sie nicht nur ein Dach über dem Kopf, es beherbergt auch eine Gemeinschaft. "Am Tag meines Einzugs wurde ich gleich zum Grillen eingeladen", erinnert sich Veronika Jaeger, die seit zweieinhalb Jahren dort lebt. Wichtig seien auch die Bar-Abende jeden Donnerstag gewesen, die Bar musste aber schon vor einem Jahr aus Brandschutzgründen schließen. "Das macht uns sehr traurig, da durch die Bar-Abende schon ein großer Teil des Gemeinschaftsgefühls entstanden ist", sagt Jaeger. So bleibt nur noch eine der "Säulen", wie die Heimsprecherin sie nennt: das gemeinsame Abendessen jeden Dienstag während des Semesters. Jede Woche kochen die Bewohner eines anderen Stockwerkes für das ganze Wohnheim. Nun gehe es darum, Sicherheit für die Bewohner zu schaffen, sodass niemand am Ende auf der Straße stehe, erklärt Jaeger.

Die Erzdiözese hat bereits zugesichert, den Studierenden weiterhin eine Bleibe zu bieten. Unter Vorbehalt, dass es bis dahin fertig renoviert sei, habe man das Ludwigskolleg nahe dem U-Bahnhof Alte Heide als Option genannt, berichtet Jaeger. Das Ludwigskolleg wird ebenfalls vom Erzbistum betrieben, und soll vom kommenden Frühjahr an 170 Studierenden Platz bieten. Momentan geht die Erzdiözese davon aus, dass 35 der 50 Bewohner des Paulinums im März eine neue Bleibe brauchen. Die Übrigen werden ihr Studium abschließen. Umziehen muss auch Heimsprecherin Jaeger. Die Gespräche mit der Paulinums-Leitung stellen sie bisher zufrieden: Momentan gehe es um den Ablauf des Umzugs.

Den Studierenden wolle man auf jeden Fall weiterhin bezahlbaren Wohnraum anbieten, so das Erzbistum. "Wegen der äußerst niedrigen Mietpreise im Paulinum kann nicht ausgeschlossen werden, dass jemand künftig mehr zahlen muss", präzisiert Hinterberger. Momentan kostet ein Zimmer zwischen 130 und 245 Euro. Die Mieten sollen weiter unterhalb der staatlichen Obergrenze für Studentenwohnheime bleiben. Die bayerische Förderrichtlinie schreibt vor, dass die durchschnittliche Kaltmiete für ein leeres Wohnheimzimmer nicht über 200 Euro liegen darf.

Ob das Wohnheim an der Rambergstraße, Baujahr 1958, abgerissen oder saniert wird, prüft die Erzdiözese gerade. Dort könnte ein Wohnheim für Studierende mit Kindern entstehen. Der Kindergarten auf der anderen Seite der Hinterhofes spreche für den Standort, erklärt Hinterberger. Heimsprecherin Jaeger wird das Paulinum jedenfalls vermissen: "Es ist für mich einfach mein Zuhause, in dem ich mich sehr wohl fühle, mit all den lieben Leuten und gemeinsamen Erlebnissen. Die Trauer wird sich wahrscheinlich erst nach der Schließung bemerkbar machen."

© SZ vom 04.08.2020

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