In den vergangenen Tagen war das Flux noch eine Baustelle. Da wurde gewerkelt und gemalt. Aber auch über das Baugerüst hinweg ließ sich erkennen, dass hier mit den knalligen Wänden, den roten Dächern und gelben Zäunen eine Art Münchner Villa Kunterbunt entsteht. Flux, das ist ein neuer Ort neben der Pinakothek, den die britische Künstlerin Morag Myerscough gestaltet hat und der von der Stiftung Pinakothek der Moderne gefördert wird.
Eröffnet wird er am Donnerstag, 26. Juni, um 19 Uhr. Danach folgt an drei Tagen ein abwechslungsreiches Programm. Genau an diesen drei Tagen findet auch zum siebten Mal das Kunstareal-Fest statt. Wie beim Flux könnte man auch hier sagen: Die Vision ist es, das gesamte Kunstareal zum „Dritten Ort“ zu machen.

Temporärer Bau bei der Pinakothek der Moderne:Eine Villa Kunterbunt für München
Neben der Pinakothek der Moderne in München soll die interaktive begehbare Installation „Flux“ entstehen. Ein „Wohlfühlort ohne Konsumzwang“, der die nächsten fünf Jahre zu Spiel, Spaß und Teilhabe einlädt.
Laut Definition ist damit ein sozialer Treffpunkt außerhalb des Zuhauses und der Arbeit gemeint, wo Menschen freiwillig und ungezwungen zusammenkommen. Das kann ein Biergarten, ein Kaffeehaus, unter bestimmten Bedingungen auch eine Bibliothek oder ein Museum sein.
Somit sind dritte Orte nicht neu. Den Begriff hat der Soziologe Ray Oldenburg 1989 „erfunden“. In jüngster Zeit wird er aber verstärkt zum Modewort. Das zeigt etwa das Förderprogramm „Dritte Orte“ der Beisheim Stiftung, das die Schauburg, das Haus der Kunst und die Bayerische Staatsoper in „Dritte Orte“ verwandeln soll. Anfang Juli eröffnet die Münchner Künstlerin Miriam Woreck zudem ihr digitales „Dritte*Orte Archiv“ (www.dritteortearchiv.com), mit dem sie zusammen mit den Bürgern entsprechende Orte sammeln, aber auch erst mal definieren will.

Auch das Lenbachhaus startet bereits am 25. Juni mit „Hallo, mein Name ist Kunstbau“ ein entsprechendes Projekt, bei dem der Kunstbau bis zum 3. August bei freiem Eintritt mit einem teils vorgegebenen, teils frei gestaltbaren Programm zum „Dritten Ort“ werden soll. Und auch das wird sich mit dem Kunstareal-Fest überschneiden.
Dieses hat in diesem Jahr das Motto „Freiheit“. Und das meint dann doch ein bisschen mehr, als dass es in drei Tagen in 40 Ausstellungen freien Eintritt gibt. Stattdessen warf der Vorsitzende des Förderkreises Kunstareal Guido Redlich beim Pressetermin im neuen Kunstraum PiP (Practice in Practice) in der Türkenstraße Begriffe wie „Künstlerische Freiheit“, „Freiheit der Wissenschaft“ oder auch „Interkulturelle Freiheit“ in den Raum.
Wegen Corona hätte sich beim letzten Mal „Sehnsucht“ als Motto aufgedrängt, erzählte Redlich. Zur „Freiheit“ als Thema hätten nun „die politische Situation und Stimmung“ geführt. Dabei war Donald Trump bei den Überlegungen noch gar nicht im Amt. Hinzu kam aber auch: „Wir brauchen immer ein verbindendes Thema.“ Und so folgte, so Redlich, der Entschluss: „Wir feiern die Freiheit!“

Die Direktorin der Neuen Sammlung Angelika Nollert erinnerte danach daran, dass das Kunstareal-Fest mit Unterstützung des Freistaats, der Stadt München und des Förderkreises „ständig gewachsen“ sei. Das Ergebnis seien in diesem Jahr neben den 40 Ausstellungen in 18 Museen insgesamt 155 Formate. Von der Führung bis zur Performance oder zum Workshop.
Ein paar Highlights? Da sind etwa als Weltpremiere die „Cardboard Sessions“ des Münchner Choreografen Moritz Ostruschnjak. Eine Mischung aus Happening und Urban Dance, mit der, so heißt es, am 28. Juni Tänzer „invasionsartig“ die Pinakothek der Moderne erobern. Dann ist da die Installation „Sonic Revolutions“. Ein, wie es hier heißt, „leuchtender Klangbeschleuniger“ von Otto Roth, den dieser auf der Wiese südlich der Alten Pinakothek an allen drei Tagen bei Einbruch der Dunkelheit in Stellung bringt.
Im Zentrum steht dabei ein „Heaven’s Carousel“ genanntes Instrument, bei dem 36 leuchtende Lautsprecher über dem Publikum kreisen. Auf einem Foto von einer Vorführung in Offenburg sieht das Ganze etwas wie ein großer, moderner Adventskranz aus.
Die Maxvorstadt soll zum Garten werden
„Titanismus – Die Schrift an der Wand“ nennt sich eine multimediale Installation und Performance von Gareth Davies, Mariko Takahashi und Stefan Winter, den man in München als Leiter des auf Jazz und Neue Klassik spezialisierten Labels Winter & Winter kennt. Dass er und Takahashi schon seit Längerem auch als Installationskünstler unterwegs sind, haben sie im letzten Jahr mit dem Projekt „Floß der Medusa“ im Pavillon 333 gezeigt. Während dieses mit dem Tod im Mittelmeer ein ernstes Thema hatte, werden sie nun mit Gareth Davies den Eingangsbereich des Ägyptischen Museums in ein „Theater der Klangkunst“ und die Freitreppe in einen „Erlebnisraum“ verwandeln.
Das Kinder-, Jugend- und Familienprogramm konzentriert sich, so Angelika Nollert, vorwiegend auf den Freitag. Dazu gehört neben Führungen und verschiedenen Mitmach-Angeboten auch in diesem Jahr wieder am 27. Juni die „Junge Nacht im und am Museum Brandhorst“, das dabei mit dem ebenfalls am Wochenende startenden Filmfest München kooperiert.

Sommerfestival in München:Stars, Galas, großes Kino – das sind die Höhepunkte des Filmfests
49 Weltpremieren: Beim Filmfest wird München zur Kinometropole. Stars wie Gillian Anderson und Stellan Skarsgård sind Ehrengäste, Neues gibt es auch von Jella Haase, Josef Hader und dem Pumuckl.
Was auch noch einmal Thema sein wird, das ist der bereits 2023 initiierte Ideen-Wettbewerb „Open Kunstareal“, bei dem die Jury im vergangenen Jahr die Idee „Kunstgarten“ des Landschaftsarchitekturbüros Roberta aus Paris favorisierte. Die Grundidee dabei: durch das Pflanzen von neuen Bäumen und Sträuchern die Maxvorstadt in eine Art „großen, innerstädtischen Garten“ zu verwandeln.
Wann und wie es an die Umsetzung gehen soll, darüber wird das Atelier Roberta am 28. Juni von 14 bis 17 Uhr im Pavillon 333 informieren. Außerdem sind die Besucher dazu aufgerufen, eigene Ideen einzubringen.
Viel Programm also, das es gesammelt unter kunstareal.de zu finden gibt. Da muss am Ende, wie Guido Redlich meinte, eigentlich nur noch das Wetter passen. Aber wie er auch sagte: Bei Hitze oder Regen gäbe es keine besseren Orte als Museen. Dann noch eine verrückte Idee: Wie wäre es, wenn man beim Kunstareal-Fest irgendwo noch den schon länger von Kunstminister Markus Blume versprochenen „runden Tisch“ aufstellt, um dort über das Thema Raubkunst zu sprechen? Auf eine offene, „dritte“, also „für jeden zugängliche“ Art.
Kunstareal-Fest, Freitag, 27., bis Sonntag, 29. Juni, Kunstareal München, Eintritt frei

