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Drogenszene in der Maxvorstadt:Ein "Spießrutenlauf" zum Gymnasium

Das Luisengymnasium in München.

Das städtische Luisengymnasium - Eltern klagen hier über alkoholisierte Personen und Drogenkonsumenten im Umfeld der Schule.

(Foto: Catherina Hess)
  • Eltern, deren Kinder das Luisengymnasium besuchen, klagen über alkoholisierte und drogensüchtige Personen, die ihre Kinder auf dem Schulweg mitunter auch belästigen.
  • Die Drogenszene verlagert sich seit geraumer Zeit in den Bereich nördlich des Hauptbahnhofs. Seitdem die Umbauarbeiten des Bahnhofs begonnen haben, hat sich die Situation noch einmal verschärft.

Ein Elternpaar spricht in seinem Brief von einem "Spießrutenlauf", den ihr Kind und "eine große Zahl der Schulkinder" zum Luisengymnasium absolvieren müssten: vorbei an schon frühmorgens stark Alkoholisierten, die dort stünden oder lägen, oft "nicht mehr in der Lage, ihre körperlichen Funktionen und Bewegungen kontrolliert auszuführen", dazu Müll, Flaschenscherben. "Hoffentlich wird bald gehandelt", schreiben die Verfasser, "den Kindern zuliebe".

Es ist nur eine von mehreren Eingaben an den örtlichen Bezirksausschuss (BA) Maxvorstadt zur aktuellen Lage im nördlichen Bahnhofsumfeld. Die Absender beklagen die zunehmende Präsenz von Obdachlosen und offensichtlichen Drogenkonsumenten in dem Areal zwischen Dachauer Straße und Königsplatz - und deren mitunter zudringliches Verhalten.

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Seit Jahren befasst sich das Gremium immer wieder mit ähnlich gearteten Beschwerden, zuletzt gehäuft im Dezember 2017. Schon damals betonte die Polizei, dass nicht die Wohnungslosen oder Bettler das Problem darstellten, sondern die Drogenszene. Die hatte sich nach dem Alkoholbann am Hauptbahnhof Richtung Königsplatz umorientiert. Bald sah sich die Obdachlosenhilfe in der Klosteranlage St. Bonifaz genötigt, einen Sicherheitsdienst zu engagieren. Prekär dabei ist vor allem, dass sich gerade im Bereich Luisen- und Karlstraße viele Bildungseinrichtungen befinden, darunter das Luisengymnasium und eine ganze Reihe an Berufsschulen.

Seit die Umbauarbeiten am Hauptbahnhof begonnen haben, hat sich die Situation noch einmal verschärft. Auf dem Gehsteig vor den Supermärkten an der Karlstraße registriert zum Beispiel ein Anwohner gemäß eines Briefes an den BA häufig Personen, die seien "nach einiger Zeit so betrunken, dass sie nicht mehr selbständig gehen können, umfallen und auf der Straße liegen bleiben".

Ein Beamter der örtlichen Polizeiinspektion bestätigte in der BA-Sitzung, dass vor allem jener als Schauplatz des "Spießrutenlaufs" identifizierte Abschnitt ein Problemfall ist: der etwa 100 Meter lange Arkadengang eines Berufsschulkomplexes an der Ecke Luisen-/Karlstraße. "Wir kennen die Situation, es gibt viele, die dort schlafen", sagte der Polizist und versicherte: Streifen seien dort häufig zugegen. "Wir bauen dort einen hohen Kontrolldruck auf und machen es denen unbequem." Überdies rate man den betroffenen Schulleitungen, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und in Absprache mit der Polizei Hausverbote zu erteilen. Dem Vernehmen nach haben einige Schulen dies bereits vereinzelt so gehandhabt. Der Beamte betonte aber auch: Eine Steigerung der Straftaten sei in diesem Bereich nicht zu verzeichnen.

Die lokale Politik verständigte sich darauf, weiterhin eine zurückhaltende, liberale Linie in dieser Sache zu verfolgen, einen "gesamtgesellschaftlichen Ansatz", wie es der BA-Vorsitzende Christian Krimpmann (CSU) ausdrückte. Keine "Bekämpfungsstrategie", wie es sich ein Gremiumskollege gegen Obdachlose und Bettler vor zwei Jahren vorgestellt hatte. Anlieger, städtische Institutionen und die Polizei müssten zusammenarbeiten, um eine Verbesserung der Situation zu erreichen, sagte Krimpmann in der jüngsten Sitzung des Bezirksausschusses.

Das Gremium kam überein, zunächst einen Appell an die Stadtverwaltung abzusetzen: Diese soll dafür Sorge tragen, dass die Mitarbeiter der Straßenreinigung, des kommunalen Außendienstes und der Parküberwachung verstärktes Augenmerk auf diesen Brennpunkt legen, ebenso selbstredend die Polizei; dazu wird empfohlen, dass die Streetworker des städtischen Sozialreferats insbesondere jene Personen, die in diesem Bereich nächtigen, auf das städtische Kälteschutzprogramm aufmerksam machen.

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