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Maxvorstadt:Ohne Kompromisse

Enges Gewusel: Der Bezirksausschuss sieht die Augustenstraße als Problem - und forderte bisher vergeblich ein Gestaltungskonzept.

(Foto: Gino Dambrowski)

Die Lokalpolitiker schaffen es nicht, sich auf eine Anfrage zum Planungsstand für die Augustenstraße zu einigen

Von Stefan Mühleisen, Maxvorstadt

Jeder Stadtbezirk hat seinen Evergreen, meistens sind es Klagelieder über Projekte, die von den lokalen Politikern heiß ersehnt, von der Stadtverwaltung aber offensichtlich ignoriert werden. Die Schwabinger und Freimanner Bürgervertreter zum Beispiel fordern und fordern seit vielen Jahren ein gescheites stadträumliches Konzept für die Münchner Freiheit, vergeblich allerdings. Die südlich zuständigen Kollegen in der Maxvorstadt werden nicht müde, im Jahresrhythmus auf eine Neuplanung der engen und unübersichtlichen Augustenstraße zu dringen, ebenfalls ohne Ergebnis. Unlängst war es wieder soweit: Diesmal hatten die Grünen einen Wie-sieht-es-mit-der-Planung-der-Augustenstraße-aus?-Antrag formuliert, scheiterten damit allerdings in der Abstimmung.

Die Stadtverwaltung erhält also zunächst keinen weiteren Augustenstraßen-Mahnruf aus dem Bezirksausschuss (BA) Maxvorstadt; wobei ohnehin noch die Behördenantworten auf die vergangenen drei Anträge ausstehen, wie die BA-Vorsitzende Svenja Jarchow (Grüne) berichtete. Dennoch war in der Sitzung eigentlich keiner dagegen, ungeachtet dessen von der Stadt nochmals schriftlich den Planungsstand zu erbitten. Das wollte jedoch die denkbar knappe Mehrheit aus SPD, CSU, Freien Wählern und AfD nicht so machen, wie die Grünen es formuliert hatten.

Die Augustenstraße ist gut 1,5 Kilometer lang, eine gerade wegen ihres bodenständigen Charmes geliebte Geschäfts- und Wohnstraße. Sie gilt den BA-Politikern jedoch auch als Problemfall, weil es für Autos, Lieferwagen, Fußgänger und Radler sehr eng und unübersichtlich zugeht: Trottoirs mit jeder Menge Tischen und Stühlen sowie schmale Radwege, die obendrein noch enge Kurven schlagen an den Kreuzungen. Ein kunterbunter Stadtraum, der zwar funktioniert, jedoch klüger organisiert gehört, wie die BA-Politiker seit vielen Jahren finden, manche Bürger allerdings nicht. "Finger weg von der Augustenstraße!, schrieb vor gut einem Jahr eine SZ-Leserin in einer Zuschrift. "Sie ist gut so, wie sie ist."

Das Planungsreferat hatte in Aussicht gestellt, nach der Eröffnung der Anwohnertiefgarage am Josephsplatz ein Konzept für eine Neuordnung zu erarbeiten - bleibt es aber nun seit drei Jahren schuldig. Zuletzt hieß es, dass die Vorgaben des Radentscheids eine Umarbeitung nötig machten. Die Grünen wollten nun mit ihrem Antrag nicht nur Auskunft über den Planungsstand einfordern, sie machten - für die anderen Fraktionen offensichtlich überraschend - auch einen Konzeptvorschlag: Die Planungsbehörde, so heißt es in dem Papier, solle prüfen, ob die Augustenstraße als "verkehrsberuhigter Geschäftsbereich" gestaltet werden könne. Kurzparkplätze vor den Geschäften, so deutet die Ökopartei an, sollen reduziert, die "Aufenthaltsqualität" für Fußgänger dagegen gesteigert werden.

Nach den Worten von Michael Laub (CSU) seien Geschäftsleute, mit denen er über derlei Überlegungen gesprochen habe, strikt gegen einen Parkplatzverlust, von Existenzgefährdung sei die Rede. Doch auch prinzipielle Kritik wurde laut am Vorstoß. "Die Erfahrung lehrt, wenn wir Vorschläge machen, fangen die wieder von vorne an zu planen", sagte Gesche Hoffmann-Weiss (SPD). Sie warb, wie auch andere Gremiumsmitglieder, darum, einzig eine Anfrage zum Planungsstand an die Stadt zu richen, den Umgestaltungsvorschlag wegzulassen. Doch das lehnten wiederum die Grünen ab - und so fiel der Antrag mit elf zu zwölf Stimmen durch.

© SZ vom 21.10.2020

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