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Au-Haidhausen:Treppchen für Entenküken

Steile Mauern: unüberwindbar für Entenküken.

(Foto: Merle Körber/oh)

Leiter an der Maximiliansbrücke soll flugunfähige Entenküken vor dem Ertrinken retten

Von Merle Körber, Au-Haidhausen

Die Bilder, die sich Tilo Eberlein auf seiner täglichen Radstrecke bieten, sind herzzerreißend. Im Kanal des Auer Mühlbachs unter der Maximiliansbrücke sitzen immer wieder Entenküken fest. Die Kleinen können noch nicht fliegen, und die Mauern sind für sie zu steil, um wieder an Land zu klettern. "Ich habe gesehen, wie die Küken versucht haben, sich mit ihren Schnäbeln am Moos festzuhalten und so aus dem Kanal zu klettern", erzählt Eberlein.

Auch andere Passanten seien stehen geblieben und hätten versucht, mit Stöcken vom Ufer aus notdürftig Hilfe zu leisten. "Doch irgendwann verlassen die Küken die Kräfte und sie verschwinden im Kanal. Dort kommen sie nicht mehr lebend raus", sagt Eberlein. Die Lösung liegt für ihn nahe: Eine Entenleiter, ein fünf bis sechs Meter langes Brett mit Querstreben, könnte einen Fußweg für die Vögel bieten. "Es macht mich traurig zu sehen, wie schön die Spazierwege gepflegt sind, aber eine solche Brücke gibt es nicht."

Auch Sophia Engel vom Landesbund für Vogelschutz kennt das Problem: "Bei verbauten Gewässern mit steilen Mauern können Entenküken nicht mehr an Land kommen." Die Kleinen lernten erst nach 50 bis 60 Tagen zu fliegen. Vorher sei jede Höhe, über die sie nicht hüpfen können, ein unüberwindbares Hindernis. Neben Enten sind natürlich auch andere Wasservögel betroffen. Bei vielen Arten können Küken schnell schwimmen und sich selbst ernähren. Sie werden von ihrer Mutter dann nur noch geführt und im Ernstfall verteidigt. Bis sie fliegen können, sind sie aber auf eine natürliche Umgebung angewiesen. "Bei solchen Ufern gibt es immer genügend Wege, Pflanzen oder kleine Inseln, auf die Entchen laufen, hüpfen oder klettern können", sagt Engel.

Dass eine Entenleiter bei zu hohen Mauern helfen kann, weiß die Ornithologin. "Den Bau solcher Ausstiegshilfen haben wir schon einmal an einer anderen Stelle des Auer Mühlbachs angeregt", erzählt sie. Diese Leiter hättem die Enten sehr schnell angenommen. Trotzdem sei der Bau einer solchen Brücke aufwendig. "Eine solche Ausstiegshilfe muss tagtäglich der Strömung standhalten - und das über Jahre hinweg". Außerdem werde dafür die Erlaubnis der Stadt benötigt. Eine solche Leiter an einem steilen Ufer anzubringen sei schließlich auch nicht ganz ungefährlich.

Trotzdem können Münchner Entenfamilien seit vergangenem Mittwoch aufatmen. Christoph Rapp, Leiter der Abteilung Wasserkraft der Stadtwerke München (SWM), hafür den Bau einer Entenleiter unter der Maximiliansbrücke grünes Licht gegeben. Schon im Verlauf der nächsten Woche soll sie angebracht werden.

© SZ vom 29.06.2020

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