Verschobene und nicht nachgeholte Routineimpfungen während der Corona-Pandemie, Impfmüdigkeit, internationale Migration und Mobilität – deutschlandweit steigen wie schon 2024 die gemeldeten Masernfälle. 2023 waren es nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) noch 79 Fälle, im Jahr 2024 schon 560. In München blieb die Zahl 2025 bislang mit 16 Fällen im Vergleich zu 2024 auf einem niedrigeren Niveau; damals hatte es 19 Fälle gegeben.
Masern sind eine Virusinfektion und laut RKI eine der „ansteckendsten Krankheiten“. Sie werden durch Tröpfcheninfektion übertragen. Grippeähnliche Symptome wie hohes Fieber, Husten und Schnupfen sind die Folge. Nach zwei bis vier Tagen folgt ein rötlicher Hautausschlag.
Seit einigen Jahren ist laut RKI ein Anstieg der Zahlen bei der Altersgruppe von jungen Menschen über 15 Jahren zu beobachten. Auch sei die Inzidenz bei Kindern im Alter von einem Jahr oder jünger „sehr hoch“. Ein Grund: ungenügende Immunität gegen Masern.
Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die Masernimpfung bei Kindern das erste Mal mit elf Monaten, dann wieder mit 15 Monaten. Auch Erwachsene, die nach 1970 geboren worden sind, sollten sich nach Angaben der Stiko einmalig impfen lassen, wenn der Impfstatus unklar ist oder sie noch keine oder nur eine einmalige Impfung in der Kindheit hatten.

Das Gesundheitsreferat (GSR) hat jüngst im Gesundheitsausschuss in einer Vorlage zu infektiologisch relevanten Themen klargemacht, dass es „etwaige Impflücken“ schließen wolle. Ein niederschwelliges und kostenloses Impf- und Impfberatungsangebot gibt es an der Lotte-Branz-Straße 2 sowie in der Impfsprechstunde des GSR an der Schwanthalerstraße 69.
Das gelte auch für Tuberkulose, eine bakterielle Infektionskrankheit. Die Erreger befallen hauptsächlich die Lunge. Abgeschlagenheit, Fieber und starker Husten mit Schmerzen beim Atmen sind unter anderem Symptome. Deutschland zählt laut GSR mit einer Tuberkulose-Inzidenz von unter fünf Fällen pro 100 000 Einwohnern zu den Niedrig-Inzidenzländern. Trotzdem kam es laut GSR in den Jahren 2022 und 2023 zu einem „leichten Anstieg“.
In München sei in dieser Zeit besonders in der Altersgruppe der bis 18 -Jährigen ein Anstieg um 22 Prozent zu beobachten gewesen. Seit April 2023 seien in München insgesamt 825 Kinder aus mehr als 30 Ländern medizinisch behandelt worden, erklärt das GSR.
Kriege und humanitäre Katastrophen begünstigten laut RKI die Verbreitung von Tuberkulose. So macht sich auch der Ukraine-Krieg bemerkbar. In München wurden 7354 Röntgenuntersuchungen ausgeführt, um Tuberkulose auszuschließen. Davon 2000 bei geflüchteten Menschen aus der Ukraine. Das Problem: Viele Patienten hätten eine Antibiotika-Resistenz entwickelt. Eine zu häufige Behandlung mit Antibiotika habe laut GSR „die Entwicklung resistenter Tuberkulose-Stämme beschleunigt“.
Corona-Infektionen und Influenza haben im Zeitraum von 1. Januar bis 14. November 2025 das Infektionsgeschehen in München bestimmt. Insgesamt verzeichnet das Gesundheitsrefrat 24 886 Meldungen. In diese Zahlen fließt die Influenzawelle im ersten Quartal 2025 und die beginnende Grippesaison 2025/2026 ein. Da wurden 10 353 Influenza-Patienten registriert. An Corona erkrankten nachweislich 2619 Menschen, mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV) steckten sich 1448 Menschen an.

