Rund 2300 Menschen sind am Samstag dem Aufruf des Münchner Vereins „Stimme der Stillen“ gefolgt und haben sich auf dem Königsplatz wieder zum sogenannten „Marsch für das Leben“ gegen Schwangerschaftsabbrüche und Sterbehilfe versammelt. Wie in jedem Jahr gab es auch einen Gegenprotest, organisiert vom Bündnis „Pro Choice“.
Ihm schlossen sich der Polizei zufolge rund 800 Menschen an. Während jener Gegendemonstration habe es mehrere Störungen gegeben, meldet die Polizei. Unter anderem hätten Teilnehmer Absperrungen missachtet und versucht, „gewaltsam“ in ein anliegendes Schuhgeschäft „zu drängen“. Der Ladenbesitzer habe das noch vereiteln können, indem er die Türe verriegelte.
Das, so die Darstellung der Polizei, hätten Einsatzkräfte aber erst klären können, nachdem sie unter Anwendung von Zwang Demoteilnehmer davon abhielten, den Ladeneingang mit Regenschirmen abzusperren. Zudem hätten mehrere Personen immer wieder versucht, den Demonstrationszug der Abtreibungsgegner von außen zu stören und dessen Start zu verzögern oder blockieren.
Wegen Verstößen gegen das Versammlungsgesetz sowie in zwei Fällen auch wegen des Verwendens von Hakenkreuzen seien Verfahren gegen Teilnehmer der Gegenversammlung eingeleitet worden. Auch das Zeigen durchgestrichener Hakenkreuze sei verboten, erklärte eine Sprecherin des Polizeipräsidiums München. Verletzt wurde nach Erkenntnissen der Polizei zufolge niemand. 300 Beamte waren im Einsatz.
Das Bündnis, das den Protest gegen die Demo der Abtreibungsgegner initiert hatte, bezeichnete die Veranstaltung in seiner Mitteilung als „eines der größten bundesweiten Events der Anti-Choice-Szene“ und einen „relevanten Ort rechter Vernetzung“. Seit Jahren liefen öffentlichkeitswirksam Vertreterinnen und Vertreter der AfD bei der Demonstration mit. Die gesamte Partei ist am Freitag vom Bundesamt für Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch bewertet worden.
Kritiker des Marschs beklagen seit Langem, die Veranstalter würden sich nur halbherzig von Teilnehmenden aus dem radikal und extrem rechten Spektrum abgrenzen. Besonders kritisch wird die Beteiligung der katholischen Kirche an der Veranstaltung betrachtet. Der Passauer Bischof Stefan Oster und der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer gehörten immer wieder zu den prominenten Besuchern.
Von Bischof Oster, dem Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki sowie dem Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke finden sich erneut Grußworte auf der Website der Veranstalter. Darin beziehen sich beide bayerischen Bischöfe auf den verstorbenen Papst Franziskus und seine Forderung, dass „das ganze Leben geschützt“ werden müsse. Von einer Abgrenzung gegenüber rechtsextremistischer Vereinnahmung ihrer christlichen Forderungen beim „Marsch für das Leben“ ist nichts zu lesen.
„Der Kampf gegen körperliche Selbstbestimmung vereint konservative und rechtsextreme Milieus gleichermaßen“, schreibt Rosa Kraft, Sprecherin des Pro-Choice-Bündnisses, in einer Mitteilung. „Geht es gegen den Feminismus, gibt es keine Brandmauer nach rechts.“ Das Bündnis fordert einen uneingeschränkten Zugang zu kostenlosen und sicheren Schwangerschaftsabbrüchen.

