„Marina Monaco“Ein „Yachthafen“ in München?

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Sand, ein See, ein paar Boote: Das soll Münchnerinnen und Münchner einladen, ihre Zeit in der „Marina Monaco“ zu verbringen. Hier sollen noch eine Padelhalle, Pickleball, Soccer und vielleicht auch eine Boulderhalle dazukommen.
Sand, ein See, ein paar Boote: Das soll Münchnerinnen und Münchner einladen, ihre Zeit in der „Marina Monaco“ zu verbringen. Hier sollen noch eine Padelhalle, Pickleball, Soccer und vielleicht auch eine Boulderhalle dazukommen. Stephan Rumpf/Stephan Rumpf
  • Am Frankfurter Ring eröffnet die „Marina Monaco“ als Pop-up-Location mit künstlichem See, Booten und Gastronomie in einem ehemaligen Industriegelände.
  • Die Zwischennutzung soll das 55 000 Quadratmeter große Areal bekannt machen, bevor hier von 2029 an das Gewerbequartier „Neue Schmiede“ mit einem bis zu 98 Meter hohem Turm entsteht.
  • Das Projekt soll Teil der städtischen Transformation des Frankfurter Rings sein zu einem „vielfältigen Arbeitsstandort“ mit neuen Mischformen von Produktion und höherwertigem Gewerbe.
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Am Frankfurter Ring gibt es jetzt einen kleinen See, mit Booten und Liegestühlen drum herum. Zu Besuch bei einem Projekt, das den Norden der Stadt neu erfinden will.

Von Viktoria Spinrad

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Der große Wurf beginnt mit einem kleinen Ruderboot. Auf dem winzigen Kunstsee schwappt es nach links, nach rechts, kämpft mit der Schnur, die es am Ufer hält. Als wolle es sich befreien, in See stechen, die Weltmeere entdecken. Nur ist das neue Gewässer im Münchner Norden kleiner als mancher Swimmingpool in Grünwald. Und so bleibt dem Vorzeigeboot nichts anderes übrig, als zum Träumen zu animieren von Strand und Weite, hier, an der Peripherie, wo sonst nur die Industriewüste unendlich erscheint.

Tatsächlich hat die neueste Pop-up-Location der Stadt etwas von einer Fata Morgana. Im Sandwich zwischen Frankfurter Ring und grauen Büroklötzen funkelt mitten in einem riesigen Bauloch das Wasser. Ein größerer Teich, den man noch größer denken soll: als ersten Yachthafen Münchens. Zwar ohne Steg und Meeresanbindung, dafür aber mit winterfesten Palmen und einzelnen Gräsern, die aus dem Wasser ragen. „Marina Monaco“ nennt sich die selbstbewusst inszenierte Zwischennutzung in der Office-Wüste am Frankfurter Ring, die an diesem Wochenende eröffnet: mit Lounge-Musik, auf Sand gelaufenen Kleinbooten, Pinsa-Vertrieb und Hellem für 4,20 Euro.

Wo die Bayerischen Leichtmetallwerke früher mehr als 120 Jahre lang Zahnräder schweißten, sollen maritimaffine Münchner also nun chillen und konsumieren. Das erhofft sich die Münchner Immobiliengruppe Hammer AG. Dahinter steckt auch etwas Taktik: Das Areal soll schon mal bekannt werden in der Öffentlichkeit, während dieser Tage im Hintergrund der finale Bebauungsplan gezeichnet wird. Zugleich werden Firmen gesucht, die sich hier einmieten, wenn hier, wo München aufhört, einmal ein „produktives Stadtquartier“ entstanden ist.

Mit einem Hotel, Gebäuden für Produktion, Forschung und Entwicklung sowie Handwerk und Mittelstand in einem sogenannten Gewerbehof, Bezug voraussichtlich von 2029 an. Auch ein bis zu 98 Meter hoher Turm mit 26 Geschossen soll hier entstehen. „Neue Schmiede“, heißt das Ensemble, das auf 55 000 Quadratmetern zwischen dem Bordell Leierkasten, der A9 und leer stehenden Achtzigerjahrebüros geplant ist. Zusammen mit einem weiteren, außen begrünten Aufschlag für Forschungs- und Techunternehmen ein paar hundert Meter weiter die Straße runter, am Frankfurter Ring 143. Das alte Autohaus ist bereits abgerissen, Bagger wirbeln Staub auf inmitten der zweiten Baustelle für den „Vertical Garden“. Auf dass der Frankfurter Ring hipper wird.

Auf dem alten Industriegelände der Bayerischen Leichtmetallwerke ist unter anderem ein Gewerbehof geplant (grünes Gebäude). Hier sollen sich mittelständische Betriebe aus Produktion und Handwerk ansiedeln.
Auf dem alten Industriegelände der Bayerischen Leichtmetallwerke ist unter anderem ein Gewerbehof geplant (grünes Gebäude). Hier sollen sich mittelständische Betriebe aus Produktion und Handwerk ansiedeln. Simulation: Bottler Lutz Architekten
Dazu soll es auf dem 5200 Quadratmeter großen Grundstück am Frankfurter Ring 143 das Büro- und Gewerbeprojekt „Vertical Garden“ geben.
Dazu soll es auf dem 5200 Quadratmeter großen Grundstück am Frankfurter Ring 143 das Büro- und Gewerbeprojekt „Vertical Garden“ geben. Simulation: Oliv Architekten

Intuitiv wirken die Projekte nicht in einer Zeit von Wirtschaftsflaute. Drumherum wird auf Plakaten nach Mietern gesucht, provisionsfrei, viele der umliegenden Gebäude stehen leer, die Rollläden sind halb unten. Ein Quartier, das nach Leben schreit. Doch der Mann hinter „Marina Monaco“ und Millionenprojekt versucht, dem Nachfragetief zu trotzen. Unbeirrt steht Hans Hammer bei der Eröffnung am Mittwochabend auf einer Aperol-Kiste im Rauch, der ihm vom Fischgrill entgegenbläst, und verlautet der versammelten Polit- und Immobilienwirtschaft seine Vision. Ja, 160 000 Quadratmeter Bürofläche schmeiße man nicht einfach so auf den Markt. Aber warum eigentlich nicht? Die Verwaltung dürfte sich freuen über das Draufgängertum des illustren Ex-Stadtrats von der CSU: Vielleicht fließt hier in ein paar Jahren ja wieder ordentlich Gewerbesteuer ins chronisch leere Finanzsäckl.

Auch die Stadt will ja, dass der Frankfurter Ring schöner wird. Wie ein Stillleben aus Retro-Schildern liegt hier das München, das niemand besucht – mit Bürogebäuden aus den Siebzigern und Achtzigern, die tagsüber befüllt und abends fluchtartig verlassen werden. Von Dienern in der Brachwüste, die vorbeihuschen am Slogan „Hier bin ich König“, den eine Spielhalle trotzig in den Ring hineinruft. Tatsächlich soll der Norden ein wenig mehr royales Flair bekommen. Die Stadt möchte ihm mehr Seele einpflanzen. Sie hat die Transformation ausgerufen, hin zu einem „vielfältigen und facettenreichen Arbeitsstandort“, inklusive einer „neuen Mischung von urbanen Produktionsformen und höherwertigem Gewerbe“.

Die Marina als Platzhalter für die „Neue Schmiede“ soll also nur der Anfang einer großen Wende am Stadtrand sein. Diese kündigt die Hammer AG auf meterlangen Plakatwänden entlang der Baustelle an. „Der Norden kommt“ klingt als Slogan zwar erst mal mehr nach Drohung als Versprechen. Aber vielleicht sollte man den PR-Wurf aus dem Yachthafen und Norden auch nicht allzu sehr auf mögliche Paradoxien untersuchen. Yachthafen ohne Meer, Riviera ohne Küste, Süden im Norden – irgendwo ist das ja auch ein Kunststück.

Zumal die Szenerie noch von einem Nashorn aus Holz garniert wird, das stumm im Sand steht. Gut, dass Hans Hammer bei der Vorstellung nicht nur von einer ihn dauerhaft filmenden Mitarbeiterin flankiert ist, sondern auch einen Zettel seiner PR-Abteilung in der Hand trägt. Dieser löst die Frage nach dem Unpaarhufer am Stadtufer sogleich auf. Hier, sagt er, entstehe eben etwas Großes. „Hier wird geschraubt, geschweißt, die Funken fliegen.“ Es gehe um Stärke, Robustheit, Platz. Der ist in der Tat ein Vorteil: Der Parkplatz ist um ein Vielfaches größer als die Interims-Marina, und vor Anwohnerklagen wegen Lärmbelästigung muss hier auch niemand zittern.

Marina Monaco, Frankfurter Ring 227. Öffnungszeiten: donnerstags und freitags von 12 bis 22 Uhr, samstags und sonntags zwischen 12 und 24 Uhr.

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