Passenderweise läutet das Glockenspiel das neue Zeitalter des München Marathon ein, als bei einem der neuen Hauptsponsoren am Marienplatz gerade die Pressekonferenz beginnt. Ein bisschen urbaner soll die Veranstaltung jetzt werden, auch ein wenig fescher, die bekannten Sehenswürdigkeiten sollen besser in Szene gesetzt werden. Im Olympiapark kann man sich am Sonntag sogar Tattoos stechen lassen, wenn man nicht gerade auf der Strecke unterwegs ist.
Und dort werden sehr viele Menschen sein, nach jüngsten Schätzungen steuert die Veranstaltung auf 28 000 Teilnehmer zu, das wäre ein neuer Rekord. Die Veranstalter rechnen dank des passablen Wetters – für die Vorhersage haben sie eigens einen spezialisierten Meteorologen engagiert – mit zahlreichen Nachmeldungen.
Die volle Distanz über 42,195 Kilometer werden aber nur gut 6500 Läufer in Angriff nehmen, die meisten Teilnehmer, mehr als 13 500, haben sich für den Halbmarathon angemeldet – ein klarer Trend hin zu einem Massenevent. „Das freut uns wahnsinnig, die Vorgeschichte war ja nicht ganz einfach“, sagt Fabian Schäfer, der Geschäftsführer der Laufstatt Event GmbH.
Die Organisation sei ein „Sprint“ gewesen, kein Marathon, wie sie bei Laufstatt betonen. Denn endgültige Gewissheit, dass der München Marathon stattfinden würde, gab es erst im Juli. 25 Jahre lang hatte zuvor Gernot Weigl den Marathon organisiert, 2024 hatte das Kreisverwaltungsreferat dem langjährigen Ausrichter das Vertrauen entzogen. Der anschließende Rechtsstreit hatte eindeutig mehr Runden als der Marathon, der hat auch diesmal nur eine und ist der früheren Route nicht allzu unähnlich.
Doch es soll nun an mehreren Stellen Musik und anfeuernde Zuschauer geben, neu dabei ist das Werksviertel. „Da startet der 10-Kilometer-Lauf, hier kommt der Marathon vorbei, es ist ein großer Schwerpunkt unserer Neuerungen“, sagt Rennleiterin Laura Bauer. Ein weiterer ist der Stachus und ein Teil der Fußgängerzone sowie das Sendlinger Tor.

Laufen boomt, auch dadurch sind die hohen Teilnehmerzahlen zu erklären. Zugleich genießt die Veranstaltung gerade große Unterstützung aus der Politik, denn der Marathon als „Ur-Sportart der olympischen Idee“, so Kommunikationschef Anton Martic, ist auch beste Werbung für die Münchner Olympia-Bewerbung, und das passenderweise zwei Wochen vor der Abstimmung. „Das ist ein Zeichen, welche Wertschätzung und wie viel Rückenwind wir bekommen“, sagt Martic.
Im Gegenzug sind alle Startnummern, die seit Freitag ausgegeben werden, mit dem Logo der Olympia-Bewerbung geschmückt. Neben Oberbürgermeister und Schirmherr Dieter Reiter wird auch Bayerns Innen- und Sportminister Joachim Herrmann am Sonntag um 9 Uhr die Starter mit auf den Weg schicken.
Ab 8.15 Uhr werden die ersten Straßen in der Innenstadt gesperrt, mehrere Tramlinien werden unterbrochen, erst am frühen Nachmittag wird sich die Verkehrslage wieder normalisieren. Erste Lauf-Events für Kinder und Jugendliche im Olympiapark finden schon am Samstag statt.

