"Münchner Wasser, Münchner Wasser!", "Guten Morgen, ausgeschlafen?", schallt es den Läuferinnen und Läufern gut gelaunt von der Getränkestation in der Katharina-von-Bora-Straße entgegen. Da haben die Teilnehmer am Münchner Marathon schon einige Kilometer in den Beinen.
Dort, wo gleich nach dem Königsplatz Autos parken, ist der Seitenstreifen von weißen Bechern überdeckt. Doch nicht jeder der Läufer greift zu. Einige, sozusagen die Selbstversorger, haben Kanister auf dem Rücken und führen sich die notwendige Flüssigkeit über einen Schlauch zu. Einer spurtete gar mit zwei gut gefüllten Flaschen in den Händen an den Wasserständen vorbei, ein Zusatz-Gewicht von immerhin je einem Pfund.

Es ist ein bunter Wurm, der am Sonntagmorgen nach dem Start im Olympia-Zentrum den Königsplatz laufend bevölkert - in Pulks, paarweise oder als Einzelkämpfer. "Alex" ruft es aus einer Gruppe Zuschauern hinter dem Gitter der Kurve, wo es in die Katharina-Bora-Straße geht. Winken, Jubelrufe, das Geräusch von Ratschen.

Es wird gefilmt, geklatscht und sich auch abgeklatscht, wenn einer der Läufer trotz aller Anstrengung in die größere Kehre zu den Anfeuernden schwenkt, um sich zu bedanken. Der Beifall zaubert das eine oder andere Lächeln in ein angespanntes Gesicht, mobilisiert neue Kräfte.

Nein, sie seien nicht wegen bestimmter Läufer gekommen, sagt ein unermüdlich Beifall spendendes Paar. "Wir klatschen für alle", sagt der Mann. "Das ist unser Training." Eine Frau auf dem Fahrrad mit mehreren Kindern hat endlich ihren Favoriten entdeckt. "Ihr Mann?" - "Nein, ein Freund!", ruft sie und schon sausen sie los.
Anders als an den Hotspots wie in der Leopoldstraße oder dem Marienplatz ist ein Marathon bisweilen aber auch ein einsames Geschäft: Kein Mensch an den Fenstern der Luisenstraße, wo die Elite längst durch ist. Die wenigen Passanten haben eher Blicke für ihre Hunde als die von großen Abständen getrennten Einzelkämpfer. Dafür wird aber auch jeder Einzelne mit enthusiastischem Beifall des ebenso einsam postierten Streckenhelfers belohnt.

