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Partys in München:Stadt will Ludwigstraße an Wochenenden für den Verkehr sperren

Türkenstrasse Partymeile

Am vergangenen Wochenende war die Türkenstraße ein Partyhotspot.

(Foto: Catherina Hess)

Weil zuletzt Feiern in der Maxvorstadt eskaliert sind, will der Oberbürgermeister die Partyszene aus den Wohngebieten verlagern. Sie bekommt Platz - allerdings auch klare Vorgaben.

Von Anna Hoben und Martin Bernstein

Die Ludwigstraße soll künftig an Wochenenden für den Autoverkehr gesperrt und damit zur Partyzone werden. Das fordern die Fraktionen SPD/Volt und Grüne/Rosa Liste in einem gemeinsamen Dringlichkeitsantrag für die Vollversammlung des Stadtrats am Mittwoch. Es ist ein Lösungsversuch für das Problem mit nächtlichen Freiluft-Parties, etwa in der Türkenstraße. Man wolle sowohl die Interessen der Anwohner als auch die Bedürfnisse junger Menschen aufnehmen, sagte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), der das Maßnahmenpaket mit seiner Fraktion initiiert hatte. Es brauche einerseits kurzfristige Maßnahmen, um die Situation schnell zu verbessern. Andererseits dürfe das Problem nicht verlagert werden.

In der Türkenstraße hatten an den vergangenen Wochenenden Hunderte Menschen bis in die Nacht auf Gehsteigen und der Straße gefeiert. Zweimal rückte die Polizei zur Räumung an. Damit wurden die Feiernden allerdings teils nur in andere Straßen gedrängt. Allein nach dem vergangenen Wochenende seien Hunderte Beschwerden bei der Polizei eingegangen, sagte OB Reiter. "Ich habe kein Verständnis für die exzessiven Feiern und vor allem auch die Übergriffe gegen Einsatzkräfte." Auch in einer Großstadt hätten die Menschen ein Recht darauf, nachts schlafen zu können. Er sehe aber auch das "durchaus berechtigte Interesse vieler junger Menschen, gerade nach einem Jahr voller Einschränkungen, endlich wieder feiern zu können", räumte Reiter ein.

Das soll nun mit anderen Angeboten ermöglicht werden - die Parties sollen möglichst aus den Wohngebieten heraus verlagert werden. Die SPD stellt sich eine Sperrung der Ludwigstraße zwischen Siegestor (Ohmstraße) und Odeonsplatz von 22 Uhr am Freitagabend bis zwei Uhr nachts am Sonntag vor. Gleichzeitig soll die Stadtverwaltung prüfen, ob diese Fläche bei größerem Andrang auch auf die Leopoldstraße bis hin zur Franz-Joseph-Straße ausgeweitet werden könne. Im abgesperrten Bereich sollen Toiletten und zusätzliche Mülleimer aufgestellt werden. "Pure Verbote helfen uns nicht weiter", sagt SPD-Stadtrat Lars Mentrup. Die Idee mit der Ludwigstraße komme vom Corso Leopold und dem Streetlife Festival. Mit der Sperrung minimiere man auch die Gefahr, die von Autoposern und Autorennen ausgehe.

Für die einschlägigen Hotspots wie die Türkenstraße schlägt die SPD ein Glasflaschenverbot, ein Verbot von To-Go-Getränken ab 20 Uhr und von großen Musikboxen vor. Die Alkoholverbote am Gärtnerplatz und Wedekindplatz sollen entfallen. Letzteres hatten zuletzt auch die Grünen gefordert. Damit junge Menschen auch andere Orte zum Feiern haben, sollten laut Antrag Bars und Clubs wieder geöffnet werden, "wenn das Pandemiegeschehen es erlaubt". Die Grünen fordern außerdem, dass bei anhaltend niedrigen Inzidenzen Open-Air-Veranstaltungen "mit stehendem und tanzendem Publikum" ermöglicht werden sollen. OB Reiter solle sich beim Freistaat dafür einsetzen.

Doch werden die Feiernden bereit sein, auf die Ludwigstraße auszuweichen? Das werden künftige Sommernächte zeigen. Die Stadtverwaltung soll nach dem Willen der Politik aber zugleich langfristige Konzepte entwickeln, "um Jugendlichen und jungen Erwachsenen Perspektiven zum Feiern auch unter Pandemie-Bedingungen zu ermöglichen". Dabei sollen die jungen Menschen eng in den Prozess einbezogen werden. Vorstellbar sei etwa die Entwicklung von Konzepten mit Clubbetreibern oder die Schaffung von Aufenthaltsorten ohne Konsumzwang. OB Reiter will verschiedene Akteure an einem Runden Tisch im Rathaus zusammenbringen.

Die Stadt sei natürlich frei, eigene Ideen zu entwickeln, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag zu den Plänen, die Ludwigstraße an Wochenenden zur Partymeile zu machen. Allerdings gebe es vor einer möglichen Umsetzung doch noch "Redebedarf". Ob es taktisch Sinn ergebe, eine Straße für Feiernde "freizuschaufeln", das gelte es vorher abzustimmen. Auch die Nähe der Ludwigstraße zum Englischen Garten, zuletzt ebenfalls Party-Hotspot und Schauplatz zum Teil wüster Ausschreitungen, auch gegen Polizisten, dürfte die Sorgenfalten bei den Verantwortlichen im Präsidium an der Ettstraße nicht gerade glätten.

Für buchstäblich eine Schnapsidee hält man dort den Vorschlag, das Alkoholverbot an Gärtner- und Wedekindplatz aufzuheben, auch wenn der Polizeisprecher auch das eher diplomatisch formuliert. "Nicht gut" wäre das, denn die Erfahrungen der Polizei an beiden Plätzen in den vergangenen Wochen hätten ja gezeigt, dass der Alkoholbann eine sinnvolle Sache sei. Die Situation an den einstigen Hotspots hat sich seither beruhigt. Äußerst zufrieden zeigte sich der Sprecher dagegen mit den geplanten Einschränkungen in der Türkenstraße. Die Vorschläge könnten nach Einschätzung der Münchner Polizei helfen, die Situation dort zu entschärfen.

© SZ.de/fema/van
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