Kriminalpolizei ermittelt:Kreuzweg der Kaiser-Enkelin zerstört

Lesezeit: 2 min

Kriminalpolizei ermittelt: Die Reste der Kunst: Unbekannte haben zwei solcher 30 Kilogramm schweren Skulpturen gestohlen.

Die Reste der Kunst: Unbekannte haben zwei solcher 30 Kilogramm schweren Skulpturen gestohlen.

(Foto: Polizei München)

Gabriela von Habsburg schuf die Edelstahl-Skulpturen an der Münchner Ludwigskirche. Zwei wurden entwendet - und durch "Jesus lebt"-Aufkleber ersetzt.

Von Martin Bernstein

Möglicherweise waren religiöse Fanatiker am Werk: Unbekannte haben im September einen Kreuzweg der Künstlerin Gabriela von Habsburg an der katholischen Ludwigskirche in der Maxvorstadt demoliert und zwei der 30 Kilogramm schweren Skulpturen entwendet. Wo zuvor die von der Kaiser-Enkelin geschaffenen Edelstahl-Kunstwerke mit den Titeln "Jesus nimmt das Kreuz" und "Jesus stirbt am Kreuz" an Leiden und Sterben Christi erinnerten, prangten nach dem Frevel Aufkleber mit dem Motto "Jesus lebt".

Purer Vandalismus oder Metalldiebstahl sind als Tatmotiv offenbar auszuschließen: Dann wären die Kunstwerke oder Teile davon wohl schon irgendwo aufgetaucht, glaubt der leitende Ermittler Ulrich Brandhuber vom Kommissariat 52 für Einbruchsdelikte (Telefon 089/ 2 91 00). Die Aufkleber könnten nach Einschätzung der Polizei durchaus mit der Tat in Zusammenhang stehen.

Genau genommen handelt es sich um zwei Taten. Die im Juli vor, neben und in der Kirche aufgestellten Kreuzwegstationen wurden in der Nacht zum Freitag, 16. September, erstmals beschädigt. Betroffen waren diejenigen der 50 Zentimeter hohen und auf Holzstämmen verankerten Skulpturen, die in den Arkaden vor der Ludwigskirche Richtung Ludwigstraße aufgestellt waren. In der Nacht zum Mittwoch, 28. September, kamen die Täter zurück und rissen mit Gewalt zwei der Kreuzwegstationen aus der Verankerung und nahmen ein Kreuz und einen Edelmetallbogen mit.

Was mit ihnen geschah, ist völlig unklar. Bekennerschreiben oder Ähnliches gibt es nicht. Den Sachschaden beziffert die Kriminalpolizei mit "mehreren Tausend Euro". Nach Angaben der Künstlerin hat jede einzelne der Skulpturen diesen Wert. Dass Kunstliebhaber hinter der Tat stecken könnten, schließt die Künstlerin angesichts der Verwüstungen aus.

Kriminalpolizei ermittelt: Gabriela von Habsburg ist eine Enkelin des letzten österreichischen Kaisers Karl.

Gabriela von Habsburg ist eine Enkelin des letzten österreichischen Kaisers Karl.

(Foto: Polizei München)

Gabriela von Habsburg wurde 1956 in Luxemburg geboren und lebt am Starnberger See. Sie ist eine Tochter des ehemaligen CSU-Europaabgeordneten Otto von Habsburg und Enkelin des letzten österreichischen Kaisers Karl. Von 2010 bis 2013 war sie georgische Botschafterin in Deutschland. Seit den 80er-Jahren arbeitet Gabriela von Habsburg schwerpunktmäßig mit Stahl und Edelstahl. In zahlreichen Ausstellungen in Museen und Galerien zeigt sie kleine und mittelgroße Arbeiten. In München sind unter anderem das große Kreuz vor der katholischen Lukaskirche im Stadtteil Westkreuz und das Monument "Betasith" im Terminal 2 des Flughafens Schöpfungen der 66 Jahre alten Künstlerin.

Die 14 Stationen des jetzt teilweise zerstörten Kreuzwegs wurden ursprünglich für einen privaten Auftraggeber geschaffen, dann aber in München zunächst in der Fasten- und Osterzeit von März bis April vor sieben katholischen Kirchen im Stadtteil Neuhausen gezeigt, ehe sie nach St. Ludwig umzogen. Sie zeigen in abstrahierter Form den menschlichen Körper und das Kreuz in immer neuen Variationen. Ihr künstlerisches Credo formuliert die Bildhauerin so: "Genau wie in der Musik die Atempause den Ausdruck verstärkt, so wirkt die Skulptur durch die gezielt geschaffenen Leerräume. Eine Skulptur ist eine Auseinandersetzung mit Räumen."

Zur SZ-Startseite

SZ PlusPersönlichkeitsrecht vs. Ordnungswidrigkeit
:Bürger dürfen Falschparker für Anzeige fotografieren

In einem Grundsatzurteil entscheidet das Verwaltungsgericht, dass Bilder von Autokennzeichen an die Polizei geschickt werden dürfen. Zwei Münchner hatten zuvor Verwarnungen erhalten - für ihre Meldung.

Lesen Sie mehr zum Thema