Massive Nachverdichtung am Stadtrand:Ludwigsfeld soll deutlich größer werden

Massive Nachverdichtung am Stadtrand: Heile Welt am Stadtrand: Die Siedlung Ludwigsfeld ist vor Jahren schon einmal nachverdichtet worden, damals aber vergleichsweise maßvoll.

Heile Welt am Stadtrand: Die Siedlung Ludwigsfeld ist vor Jahren schon einmal nachverdichtet worden, damals aber vergleichsweise maßvoll.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Für die Siedlung an der Grenze zu Karlsfeld ist eine Verdreifachung bei der Zahl der Wohnungen im Gespräch.

Von Jerzy Sobotta

In Ludwigsfeld wird nun Tacheles gesprochen. Die Siedlung am nördlichen Stadtrand könnte sich mehr als verdreifachen. Was bisher nur vage Mutmaßungen waren, ist inzwischen zum Orientierungspunkt für die Stadtplaner geworden: bis zu 2000 neue Wohnungen. Das geht aus einer Präsentation für ein Strukturkonzept hervor, an dem das städtische Planungsreferat in den vergangenen zwei Jahren gearbeitet hat. Es sind die ersten seriösen Zahlen, die nun Gesprächsgrundlage für das weitere Wachstum der Siedlung sind. Damit würde die Siedlung Ludwigsfeld, wo zurzeit etwa 660 Wohnungen stehen, zu einem der größten Bauprojekte im Münchner Norden. Bleibt es dabei, wird es sogar größer als das geplante Wohnquartier in der ehemaligen Eggarten-Siedlung.

Drei verschiedene Arbeitsstudien sehen eine sehr dichte Bebauung auf den Äckern im Süden und Osten der Siedlung vor, sowie eine Nachverdichtung entlang der Karlsfelder Straße. Sammelgaragen sollen im Norden und Süden entstehen. Im Kernbereich der bestehenden Siedlung sind nur wenige neue Häuser vorgesehen. Eine vierte Studie hat sogar einen Totalabriss der alten Wohnriegel untersucht. Sie werde allerdings nicht weiterverfolgt, heißt es aus dem Kreis von Kommunalpolitikern, denen das Konzept in der vergangenen Woche vorgestellt wurde. Eine Präsentation für die Bürger haben Stadt und Investoren für Mittwoch, 10. November, angekündigt.

Dabei könnte vor allem die geplante Anzahl der Wohnungen auf Kritik stoßen. Denn bereits Anfang Oktober hat sich die örtliche Bürgerinitiative "Iglu" in einem offenen Brief an den Oberbürgermeister und die Stadträte gewandt. Darin heißt es: "Die Ludwigsfelder Bewohner wehren sich nicht grundsätzlich gegen eine Weiterentwicklung ihres Wohngebietes, sind aber der Meinung, dass die bisher angedachte Zahl von 2100 Wohnungen völlig überzogen ist." Die Zahl basierte noch auf einer älteren Schätzung aus einem Verkehrsgutachten.

Dass nun tatsächlich bis zu 2000 Wohnungen zur Grundlage der Planungen werden, könnte zum Widerstand der Bevölkerung führen, vermutet Rainer Großmann (CSU). Er ist Vorsitzender des Bezirksausschusses Feldmoching-Hasenbergl und kündigt bereits eine kritische Stellungnahme des Stadtviertelgremiums an. Ein großes Problem sei außerdem die schlechte Anbindung mit dem Nahverkehr. Ohne Auto ist die abgelegene Siedlung, die sich jenseits des Autobahnrings befindet, nur mit einem Bus zu erreichen. Mit einer Trambahn ins benachbarte Karlsfeld sei frühestens in den Dreißigerjahren zu rechnen. Doch gerade die sei für das Bauprojekt "dringend erforderlich", sagt Großmann.

Auf eine Tram entlang der Dachauer Straße pocht auch Stadtrat Paul Bickelbacher (Grüne). Sie sei eine Bedingung für die Zustimmung der Grünen im Stadtrat, sagte er auf SZ-Anfrage. Dort wird das Projekt voraussichtlich im kommenden Jahr zur Abstimmung landen. Dabei hatten die Grünen 2019, als sie in der Opposition waren, noch dagegen gestimmt. Eigentlich ist die Fraktion gegen weitere Flächenversiegelung. Doch in der Bebauung der Maisäcker vor Ludwigsfeld sieht Bickelbacher kein ökologisches Problem. "Wenn wir dort bauen, dann dicht", sagt er. Denn nur so könne man den Wohnraum einigermaßen erschwinglich halten. Er kündigt an, dass sich grüne Stadträte bei der Bürgerveranstaltung kommende Woche der Diskussion stellen werden.

Vorangetrieben wird die Siedlungsentwicklung von drei Privatpersonen, die der Patrizia Immobilien AG nahestehen: Gert Billand, Stefan Heißerer und Alfred Hoschek. Vor 14 Jahren hatte erst das Unternehmen die Siedlung erworben und saniert. Zehn Jahre später haben die Privatpersonen sie aufgekauft - zur "privaten Vermögensverwaltung", wie es damals hieß. Die Investoren weisen auf die Vorteile des Wachstums der Siedlung hin: So könnten etwa ein Supermarkt, eine Grundschule und ein Nachbarschaftstreff entstehen. Das Vorhaben wird unabhängig von dem umstrittenen Bauvorhaben einer Städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme (SEM Nord) entwickelt.

Die Präsentation der Pläne für die Bürger findet am Mittwoch, 10. November, um 19 Uhr im Bürgerhaus der Nachbargemeinde Karlsfeld an der Allacher Straße 1 statt. Aktuelle Einlassregeln finden sich unter www.muenchen.de/siedlung-ludwigsfeld.

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