Münchner Momente:Söder, Sokrates und das Suppenhuhn

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Die neue bayerische Vertretung in London, ihr Münchner Gegenstück - und was das alles mit Monty Python zu tun hat.

Glosse von Stefan Simon

Man muss sich für Fußball nicht unbedingt begeistern, und vielleicht hilft ein wenig Distanz sogar, um zumindest dieses eine Spiel richtig gut zu finden: das "Philosophers' Football Match", ausgetragen in München und vor 50 Jahren erstmals zu sehen im britischen Fernsehen. Fast zwei komplette Halbzeiten lang schreiten Kant, Schopenhauer, Aristoteles, Epikur und wie sie alle hießen denkend und debattierend über den Rasen im Grünwalder Stadion, ehe in der 89. Minute Archimedes mit dem Ausruf "Heureka!" doch noch gegen den Ball tritt und den Spielzug zum 1:0-Endstand einleitet. Sokrates trifft, natürlich mit dem Kopf. Und das übermächtige Fußball-Deutschland steht, anders als bei der EM 1972, im Monty-Python-Sketch desselben Jahres am Ende als Verlierer da.

Es hilft, das im Hinterkopf zu haben, wenn man liest, dass Ministerpräsident Markus Söder in London eine bayerische Repräsentanz eröffnet hat, mit "einer umfassenden bayerisch-britischen Agenda". Eine britische Vertretung in der bayerischen Hauptstadt gibt es umgekehrt schon länger. Doch es sind nicht immer Politiker und Diplomaten, die zum gedeihlichen Miteinander das meiste beitragen. Dass die Staatskanzlei am Rand des Englischen Gartens liegt, heißt ja nichts. Wer England verstehen will, ist im "British Allsorts" in Haidhausen besser aufgehoben. Mince Pies, Cadbury Creme Eggs, Yorkshire Pudding oder Hobnobs - ob es so eine Auswahl wohl auch im Londoner Bayernbüro gibt? Oder servieren sie da Leberkas und Weißwürscht? Liebe geht angeblich durch den Magen, der in dem Fall aber besser einiges aushalten sollte.

Und nicht nur der Magen. Von Monty Python gibt es auch dazu einen in München gedrehten Sketch, das "Bavarian Restaurant". Ein englisch sprechendes Ehepaar kommt in den alten Donisl und staunt, wie es zugeht in diesem merkwürdigen Bayern, "wo die Berge aus dem Boden ragen". Essen, Getränke und Bedienung, schwärmt der Kellner, seien "jenseits von Gut und Böse". Auf Nachfrage übersetzt er: "Es ist wunderbar!" Das Video ist im Internet leicht zu finden, und auch als Münchner kann man da einiges lernen. Zu befürchten ist allerdings, dass echte Touristen enttäuscht sein werden, weil niemand ihnen hier ein Suppenhuhn um die Ohren haut und sie "als Hauptgang" mit ein paar sautierten Kartoffeln aus dem Fenster wirft. Zu erklären, warum das leider nicht möglich ist, wäre sicher ein wichtiger Punkt für die bayerisch-britische Agenda.

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