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Studieren in München:Tausende neue Gesichter und eine Erkenntnis

Erstsemester an der LMU in München.

Ein Beutel voller Informationen oder einfach nur eine Erinnerung: An der LMU bekommen Erstsemester zum Start ein Geschenk, am späteren Nachmittag ist der Andrang etwas überschaubarer.

(Foto: Stephan Rumpf)

Als Erstsemester kann man gar nicht all das schaffen, was LMU und TU zum Start des Wintersemesters anbieten.

Dass es eng werden würde, hatte sie erwartet. Aber so? Valeries braune Augen werden immer größer. Sie presst ihre Lippen zusammen, als ein fremder Fuß auf ihre Zehen tritt. Es ist kurz vor 14 Uhr, die junge Frau steht auf der steinernen Treppe im Lichthof der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU). Sie möchte wie alle anderen in der Warteschlange hinauf in den ersten Stock, um eine der petrolblauen Stofftaschen zu ergattern.

Darin könnte sie die Flyer einstecken von der Stadtsparkasse und dem bayerischen Gesundheitsministerium oder die vom Residenztheater und der Kunsthalle, die allesamt im Foyer ihre Stände aufgebaut haben. Oder einfach als Andenken an diesen ersten Tag eines neuen Lebensabschnitts, an dem Valerie eine von mehr als 8500 ist.

Zimmer in München sind teuer, manche pendeln deshalb eine Stunde hin und eine zurück

So viele Studentinnen und Studenten nämlich haben sich in diesem Winter als Erstsemester an der LMU eingeschrieben. Das sind 200 mehr als im Vorjahr. Insgesamt hat die Uni knapp 52 000 Studierende. Die Zahl ist seit Jahren konstant hoch. 17,7 Prozent kommen aus dem Ausland. Dazu gehören wohl die beiden jungen Frauen mit den glatten schwarzen Haaren. Als man sie anspricht neigen sie ihre Gesichter noch ein bisschen näher ans Handy. Bitte nicht stören.

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Seit 17 Jahren veranstaltet die LMU dieses sogenannte Ersti-Treffen am ersten Tag des neuen Studienjahrs. Von 14 bis 16 Uhr stellen sich verschiedene Institutionen in zwei Hörsälen vor: die zentrale Studienberatung, die Unibibliothek, die Virtuelle Hochschule und einige andere. Parallel. Man kann gar nicht alles schaffen. Der erste Tag beginnt mit einer Gewissheit: Auch wenn man sich noch so bemüht, nie wird man alles mitnehmen können, was die zweitgrößte deutsche Universität bietet.

Melanie und Damla, beide 18, haben diese Erfahrung bereits gemacht. Obwohl sie rechtzeitig mit dem Zug von Kaufbeuren nach München gefahren sind, haben sie ihre erste Vorlesung verpasst. Sie konnten ihren Hörsaal nicht finden. Mit hängenden Schultern sitzen sie am Rand der Treppe und schauen auf die Menschenmassen. Klar würden sie gerne nach München ziehen. Aber da gibt's ja nur teure Zimmer. Sie werden pendeln. Eine Stunde nach München, eine Stunde zurück ins Allgäu.

Nie gab es mehr Studierende in Bayern

Ob sich Sophie Scholl auch so verloren gefühlt hat an ihrem ersten Tag an der LMU? In den Vierzigerjahren studierten viel weniger Leute hier und schon gar nicht mehr als 60 Prozent Frauen. Ein Strauß weißer Rosen steht neben der Bronzetafel, sie erinnert an Scholl und ihre Freunde, die im Nationalsozialismus Widertand geleistet haben. Gleich daneben werden an diesem Nachmittag Energydrinks angeboten. Für 18 Uhr sind LMU-Präsident Bernd Huber und ein Imagefilm angekündigt. Das Rednerpult steht unter einer Leinwand bereit. Danach gibt's Musik aus DJ-Hand. Auf eine Band hat man heuer verzichtet, die Akustik ist zu schlecht.

Nie gab es mehr Studierende in Bayern, fast 400 000 sind dieses Wintersemester an bayerischen Universitäten eingeschrieben. Auch die Technische Universität (TU) München mit ihren nunmehr fünf Standorten meldet Superlative. 7100 Erstsemester beginnen mit einem Bachelor- oder anderen Studiengang, der sie zu einem Hochschulabschluss führt. 4800 starten in diesen Tagen ihren Masterstudiengang. Fast die Hälfte der Anwärter kommt aus dem Ausland. Insgesamt verzeichnet die TU nun 42 000 Studenten, davon sind 32 Prozent ausländische Studierende.

An der vergleichsweise kleinen Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW) sind derzeit etwas mehr als 18 000 Studierende eingeschrieben. 14 500 im Bachelor, der Rest macht den Master-Abschluss. Und an der vierten großen Münchner Universität, der Hochschule der Bundeswehr, fangen 900 Menschen mit dem Studium an. Insgesamt sind dort 3400 immatrikuliert, davon nur 15 Prozent, die keine Uniform tragen. Auch hier geht die Kurve leicht nach oben, so wie das Lern- und Ausbildungsangebot.

Die große Auswahl macht es nicht leichter, das Richtige zu finden

45 neue Studiengänge gibt es bayernweit. An der HAW sind das etwa Fächer, die sich mit der Digitalen Transformation und Entrepreneurship auseinandersetzen. Die TU bietet neu im Studiengang Aerospace zusätzliches Wissen bei der Konzeption von Raumfahrzeugen und Satelliten. Die LMU vertieft beispielsweise die Theaterforschung für Master-Aspiranten und die Katholische Hochschule bietet erstmals einen Studiengang in Hebammenkunde.

Die Auswahl macht es sicher nicht einfacher, das Richtige zu finden. Jakob, 20, aus Erding will es mit Politikwissenschaften an der LMU versuchen. Die erste Veranstaltung hat ihn überrascht: "Wir mussten uns wie in der Schule vorstellen." Nadine, 21, neben ihm lacht: "Bei mir wusste der Dozent nicht, wie Power Point funktioniert. Das kam mir ziemlich bekannt vor."

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