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LMU-Affäre:Einer Exzellenz-Uni unwürdig

Lichthof der LMU in München, 2017

Der Lichthof im Hauptgebäude der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität.

(Foto: Stephan Rumpf)

Dass sich ein Vizepräsident der LMU jahrelang im Taxi zwischen Büro und Wohnort hin- und herkutschieren lässt, zeugt von einem völlig irregeleiteten Amtsverständnis. Trotzdem hält Präsident Bernd Huber an ihm fest - das wirft Fragen nach seiner Integrität auf.

Kommentar von Sebastian Krass

Die Zahl war schon öfter zu lesen, aber sie macht immer noch sprachlos - 64 000 Euro. Dass ein Vizepräsident der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) sich im Taxi zwischen seinem Büro und dem 90 Kilometer entfernten Wohnort hin- und herkutschieren und sich dafür über einen Zeitraum von zehn Jahren insgesamt 64 000 Euro erstatten lässt, zeugt von einem völlig irregeleiteten Amtsverständnis. Deshalb ist es gut, dass die Landesanwaltschaft nun in einem Disziplinarverfahren diesen und weitere fragwürdige Vorgänge untersucht.

Unabhängig vom Ausgang des Verfahrens, für das die Unschuldsvermutung gilt, müsste der Vizepräsident erkennen, dass es für ihn an der Zeit ist, sein Amt aufzugeben. Mit den Taxifahrten und seiner mutmaßlichen Beteiligung an weiteren Akten der Verschwendung öffentlicher Gelder, die der Bayerische Oberste Rechnungshof (ORH) aufgedeckt hat, hat der Vizepräsident bewiesen, dass er nicht geeignet ist, zum Präsidium von Bayerns größter und renommiertester Universität zu gehören. Die Grünen-Landtagsabgeordnete Verena Osgyan sagte im Sommer zu der LMU-Affäre, man könne sich nicht darauf verlassen, dass "alle in so einer Organisation den richtigen Kompass haben". Der Vizepräsident hat diesen Kompass offenbar immer noch nicht. Er will im Amt verharren.

Deshalb wäre es an LMU-Präsident Bernd Huber, seinem Vize auf die Sprünge zu helfen. Aber Huber hält unbeirrt an ihm fest. Und so stellt sich zunehmend die Frage nach der Integrität des Präsidenten selbst. Hubers gesamtes Agieren in der Affäre ist peinlich und seiner stolzen Universität unwürdig: Nachdem die Prüfungsergebnisse des ORH intern bekannt waren, musste ihn das Wissenschaftsministerium drängen, eine interne Stabsstelle zur Aufarbeitung einzusetzen. Als der ORH die Sache publik machte, versuchte Huber, dessen Arbeit in Zweifel zu ziehen - anstatt sie als Anregung zu würdigen, was die LMU besser machen kann. Den Vorwurf der Verschwendung öffentlicher Gelder an seiner Uni wies Huber pauschal zurück. Blöd nur, dass das bayerische Wissenschaftsministerium einige Wochen später den Vorwurf bestätigte.

In den 18 Jahren seiner Amtszeit ist die LMU zu einer unangefochtenen deutschen Exzellenz-Uni geworden, sie hat mit unzähligen Preisen auch international enorm an Gewicht gewonnen. Man gewinnt den Eindruck, in diesem Zusammenhang halte Huber die Verschwendungsaffäre für läppisch - und sich für unangreifbar.

© SZ vom 17.12.2020/sim/van
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