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Ludwig-Maximilians-Universität:Henry und die nervösen Professoren

LMU-Präsident: Bernd Huber.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Bernd Huber, Präsident der Ludwig-Maximilians-Universität, arbeitet in einem Raum, den Innenarchitekten sicher gerne unter Denkmalschutz stellen würden. Ein Besuch.

Als Bernd Huber 2002 in das Büro seines Vorgängers einzog, waren die Sechzigerjahre weiter entfernt als heute. Stilmäßig betrachtet. Dieses Jahrzehnt galt damals noch als ziemlich angestaubt und spießig. Entsprechend hätte der neue Präsident der Ludwig-Maximilians-Universität zu seinem Antritt seinen künftigen Arbeitsraum durchaus ein wenig anpassen können.

Er hätte zum Beispiel die eingebaute braune Schreinerschrankwand durch diese schicken Schweizer Metallregale ersetzen können, die man so oft in Chefzimmern sieht. Die bringen Farbe in jede Bude. Aber Bernd Huber hat damals nicht nur den Stuhl von seinem Vorgänger Andreas Heldrich übernommen, sondern auch alle anderen Möbel. Geändert habe sich seitdem fast nichts, wie er sagt. Nur auf seinem Schreibtisch leuchtet ihm eine neue, mit weißem Stoff überzogene Stehlampe in den Abendstunden. Oder an Wintermorgen weil er ein "Early Bird" ist, ein Frühaufsteher. Arbeitstage von acht bis 22 Uhr kommen häufig bei ihm vor. Die Lampe hat seine Sekretärin gegen die alte, kaputte ausgetauscht, während er im Urlaub war - Widerstand nicht möglich.

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Der Präsident der größten Münchner Universität arbeitet und empfängt in einem Raum, den Innenarchitekten sicher gern unter Denkmalschutz stellen würden. Am besten zusammen mit dem ganzen Haus, denn auch das stammt aus jenen Jahren, in denen die Studenten weltweit auf die Straßen gingen: nicht wegen des Klimawandels, sondern für freie Meinung, Lehre und Liebe, gegen Krieg und Diktatur. Die krawallige Stimmung hat damals die Präsidenten und Verwaltung dazu gebracht, aus dem Hauptgebäude in einen Neubau am Anfang der Leopoldstraße zu ziehen. Bis heute ist das funktionale Gebäude ein angenehmer Rückzugsort.

Hubers Büro ist das größte Einzelzimmer im Haus. Es ist fast quadratisch und die Decke hoch, aber nicht unerreichbar für den Gummibaum, der am Eingang des Zimmers offensichtlich gut gedeiht. Huber kommt häufig am Sonntagmorgen hierher, um in Ruhe Reden zu schreiben. Und zum Nachdenken. Auf seinem Schreibtisch liegt ein Stapel handgroßer Blöcke mit aufgedruckten Logos. Keine Sammlung, wehrt Huber ab. Vielleicht eher eine Vorsichtsmaßnahme von jemanden, der lieber mit der Hand auf Papier als auf der Tastatur eines Computers schreibt. Tablet und Smartphone sind Hubers liebste digitale Werkzeuge. Ansonsten bevorzugt er Stifte. Die liegen nebeneinander auf dem Tisch. Keine Kostbarkeiten, eher für Lust und Laune. Der Waterman sei für Unterschriften auf Ernennungs- oder Promotionsurkunden und wichtige Verträge. Ein ausladender Bildschirm stört deshalb nicht auf dem Schreibtisch. "Wenn ich eine Rede mit der Hand schreibe, dann sitzt der Text", sagt Huber. Für längere Arbeiten nimmt er gelbes liniertes Papier. Auf solchem hat er die Gedanken für die allererste Runde der Exzellenzinitiative notiert. Die LMU hat dieses Jahr zum dritten Mal den Exzellenztitel geholt. Wer wäre da nicht abergläubisch? In einem Schrankteil hinter dem Arbeitsplatz hortet Huber diese Blöcke, die er aus den USA mitbringt.

Breite Fenster lassen viel Licht in den Raum. Man kann von hier aus über Dächer blicken, links ein bisschen etwas von der Rückseite der Kunstakademie erhaschen, rechts das ehemalige Café Extrablatt erahnen. Hier sei er mit seiner schwangeren Frau gesessen, als er zu seinem ersten wissenschaftlichen Vortrag an der LMU angereist kam. Das ist 30 Jahre her.

Huber kennt alle Lokalitäten rundherum, man kann ihn da und dort schon mal beim Mittagessen treffen. Oder er macht einen schnellen Abstecher ums Eck nach Hause. Etwa um sich umzuziehen. Im Büro hängen keine Kleider, auch die meisten seiner Bücher hat er privat untergebracht. Ein kleiner Haufen liegt auf dem Schreibtisch. Obenauf eine Biografie von Walter Gropius. Ein Geschenk, das ihn sehr freut. Hubers Vater war Architekt.

Vita

Bernd Huber ist seit 1. Oktober 2002 als Präsident der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) im Amt. Anfangs hieß er wie seine Vorgänger noch Rektor. Seit 2007 ist er nun Präsident und könnte es auch die nächsten sechs Jahre bleiben. Huber hat erst diesen Oktober seine fünfte Amtszeit angetreten. Unangefochten war Huber trotzdem nicht. So trat Julian Nida-Rümelin nach Studentenprotesten bei der Präsidentenwahl 2010 als Gegenkandidat an, verlor aber.

Huber wurde 1960 in Wuppertal geboren. Von 1979 bis 1984 hat er Volkswirtschaft an der Universität Gießen studiert. Von 1985 bis 1994 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Akademischer Rat an der Fakultät für Volkswirtschaftslehre der Universität Würzburg. 1988 wurde er dort mit einer Arbeit zu "Staatsverschuldung und Allokationseffizienz" promoviert und 1994 mit einer Untersuchung zu "Optimaler Finanzpolitik und zeitlicher Inkonsistenz" habilitiert.

Nach einem kurzen Lehrauftrag an der Universität Dresden und einer Lehrstuhlvertretung an der LMU erhielt er 1994 einen Ruf auf den Lehrstuhl für Finanzwissenschaft an der LMU mit den Forschungsschwerpunkten Öffentliche Finanzen und Arbeitslosigkeit sowie Staatsverschuldung. SZ

Viel Raum nimmt die Sitzgruppe in grauem Leder ein. So manches Studentenpaar würde sich freuen über Sofa und Sessel in schnörkelloser Sechzigerjahreform. Toller Vintage-Stil. Die Armlehnen sind vom jahrzehntelangen Streicheln blank gewetzt. Von ehrgeizigen Professoren, die zum Vorstellungsgespräch eingeladen waren. Von nervösen Studentenvertretern, die hier vorsprechen dürfen. Von wem auch immer. Man sitzt tief und bequem hier. Gespräche zu führen sei der Hauptteil seiner Arbeit, sagt Huber. "Wenn man klar kommuniziert, kann man viele Dinge durchsetzen."

Zur Erheiterung seiner Gesprächspartner hat Huber den Ministaubsauger auf dem Couchtisch stehen lassen, den er von seinen Töchtern aus England hat. Er war praktisch für verstreute Zigarettenasche. Seit vier Jahren raucht Huber nicht mehr. Aber "Henry" gehört längst zum Inventar.

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Als Generalsekretär des Goethe-Instituts ist Johannes Ebert die meiste Zeit in der Welt unterwegs. In der Münchner Zentrale sitzt er im Großraumbüro. Für vertrauliche Gespräche nutzt er eine schalldichte Telefonkabine.   Von Martina Scherf